Die schwer angeschlagene Enterprise Holdings spannt einen Schutzschirm über ihr Vermögen. Zwei von einem britischen Gericht bestellte Verwalter haben alle laufenden Zahlungen an Gläubiger gestoppt.

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26.09.16
Finanzierungen

Enterprise Holdings zahlt Kupon nicht

Die Versicherungsfirma Enterprise Holdings flüchtet sich in ein Schutzschirmverfahren nach britischem Recht und zahlt die fälligen Zinsen aus der deutschen Mittelstandsanleihe nicht. Für die Bondholder wird die Lage immer düsterer.

Die Lage bei der Versicherungs-Boutique Enterprise Holdings (EHL) spitzt sich zu. Wie das Unternehmen heute mitteilte, wird es die am heutigen Montag fällige Kuponzahlung aus einer der beiden Mittelstandsanleihen nicht leisten. Am 25. August hatte das Unternehmen noch mitgeteilt, die nächste Kuponzahlung sei durch Guthaben auf Sonderkonten gesichert. 

Der Hintergrund für die Kehrtwende ist die gerichtliche Bestellung von zwei Verwaltern (Administrators) bei einem britischen Registergericht vom 23. September. Stephen Conn und Jonathan Avery-Gee von CG & Co – laut Website Turnaround- und Abwicklungsspezialisten aus Manchester – haben laut einer Pressemitteilung alle Zahlungen an jedwede Gläubiger gestoppt, solange die Verwalter ihre „Untersuchungen bezüglich der Insolvenz der EHL durchführen“. Enterprise Holdings befindet sich damit wohl in einer Art Schutzschirmverfahren nach britischem Recht. 

Die Lage bei Enterprise Holdings bleibt undurchsichtig

„Durch diesen Schachzug wird sichergestellt, dass EHL die Möglichkeit erhält, ihr Geschäft zu restrukturieren und die bestmögliche Lösung für ihre Gläubiger zu finden“, begründet die Enterprise Holdings den Schritt in der Pressemitteilung. Die Bestellung der Verwalter „verschafft dem Unternehmen die Zeit, um ihr Geschäft zu überarbeiten und zu restrukturieren ohne der Bedrohung von Verfahren durch potentielle Gläubiger“.

Der Vorstand wurde laut der Pressemitteilung vom 24. September auf „potentielle, aber fälschliche rechtliche Schritte aufmerksam, die dazu führen könnten, Mittel umzulenken, die dafür bestimmt sind, das Geschäft zu restrukturieren“. Um welche Schritte es sich dabei genau handelt, teilt Enterprise Holdings nicht mit. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Weiter spricht der Vorstand von Enterprise Holdings von „zutiefst beunruhigenden Maßnahmen von Dritten in Gibraltar im Zusammenhang mit der schwebenden Auflösung der Tochtergesellschaft Enterprise Insurance“. 

Enterprise kündigt Details über die Zukunft der Firma an

Das Unternehmen kündigte am heutigen Montag für die kommenden Tage eine weitere Pressemitteilung an, die über Details „hinsichtlich der Weiterführung der EHL“ informieren soll. Die Anleihe ist derweil vom Handel ausgesetzt. Der letzte Kurs ist laut dem Kapitalmarktportal Onvista vom 23. September.

Das Unternehmen hatte Ende Juli die Finanzaufsicht von Gibraltar nach eigener Aussage darum gebeten, das Geschäft der 100-Prozent-Tochter und wichtigsten Beteiligung Enterprise Insurance Company zu übernehmen. Der Grund war laut Enterprise Holdings eine „wesentliche Verschlechterung der Situation der Gesellschaft“.  

Die Finanzaufsicht Gibraltar wurde nach eigener Aussage aktiv, da sie von Enterprise darauf hingewiesen worden sei, dass das Unternehmen „insolvent und nicht in der Lage sei zusätzliche finanzielle Mittel sicher zustellen.“ Daraufhin untersagte die Aufsicht Enterprise, über die Tochter weiteres Neugeschäft abzuschließen. Der von Enterprise Holdings geplante Übertrag des Versicherungsgeschäfts auf einen konzerninternen Managing General Agent ist bisher nicht geglückt. 

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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