Die VW-Tochter Traton, zu der unter anderem die Bus-Sparte Scania gehört, soll noch vor der Sommerpause an die Börse.

Scania/Traton

11.06.19
Finanzierungen

Finanzierungen: Traton, Staramba, RIL

Der Traton-IPO läuft wieder an, Staramba muss sich nach einer Fehlbilanzierung frisches Kapital besorgen und mit Reliance Industries platziert ein indisches Unternehmen einen Schuldschein – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

VW treibt Traton-IPO wieder voran

Noch im März hatte Volkswagen die Börsenpläne seiner Lkw-Tochter Traton überraschend gestoppt, nun unternimmt der Autokonzern einen neuen Anlauf. Traton soll „vorbehaltlich der Marktbedingungen“ noch vor der Sommerpause in Frankfurt und Stockholm an die Börse gehen. Eine Kapitalerhöhung ist dabei nicht geplant.

VW will ausschließlich Aktien aus dem eigenen Bestand platzieren und will auch nach dem Börsengang weiter die Mehrheit an Traton halten. Das genaue Volumen der Transaktion ist nicht bekannt. Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll der IPO jedoch offenbar deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Insider berichten, dass VW nur 10 bis 15 Prozent der Anteile platzieren wolle. 

Staramba plant nach Fehlbilanzierung Kapitalerhöhung

Der Virtual-Reality-Spezialist Staramba will auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende Juli eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen vorschlagen. Das Grundkapital des Berliner Unternehmens soll um bis zu 20 Millionen Euro erhöht werden. Ein Bruttoemissionserlös in Höhe von 20 Millionen Euro soll dabei nicht überschritten werden.

Hintergrund der Kapitalerhöhung ist der Verlust von über der Hälfte des Grundkapitals, den Staramba vergangene Woche bekanntgab. Dazu führte eine gravierende Fehlbilanzierung, in der die Berliner Erlöse aus einem Token-Verkauf fälschlicherweise als Umsatz verbuchten. Nun braucht Staramba dringend frisches Eigenkapital, um das Aus zu vermeiden.

Debüt-Schuldschein für asiatisches Unternehmen RIL

Die indische Reliance Industries (RIL) hat erstmals einen Debüt-Schuldschein begeben. Das Darlehen enthält eine Kombination aus festen und variablen Zinsen sowie eine durchschnittliche Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Zunächst lag das geplante Volumen des Schuldscheins bei 150 Millionen Euro, konnte aber auf 405 Millionen Euro erhöht werden. Alle Tranchen wurden am unteren Ende der Preisspanne platziert.

LBBW und KfW Ipex-Bank fungierten als Arrangeure der Transaktion. Den Banken zufolge ist es der erste breit vermarktete Schuldschein eines asiatischen Unternehmens. Rechtlich wurde das Unternehmen mit Sitz in Mumbai von Linklaters (Federführung: Neil George Weiand und Urs Lewens) beraten.

Weitere Meldungen

Der Verpackungsspezialist Aluflexpack bereitet einen IPO vor. Das Unternehmen plant, seine Aktien noch im zweiten Quartal 2019 an die Schweizer Börse Six zu bringen. Das Angebot enthält eine Kapitalerhöhung, die einen angestrebten Bruttoerlös von rund 140 Millionen Euro einbringen soll. Der Mehrheitsaktionär Montana Tech Components stellt für die Mehrzuteilungsoption zudem weitere Aktien über bis zu 15 Prozent des Angebotsvolumens zur Verfügung. Montana bleibt auch nach dem Börsengang Mehrheitsaktionär, teilt Aluflexpack mit.

Der französische Internetdienstanbieter und Mobilfunkbetreiber Iliad hat seinen ersten Schuldschein platziert. Das Darlehen hat ein Volumen von 500 Millionen Euro und besteht aus verschiedenen Tranchen mit Laufzeiten von vier, sieben und acht Jahren zu festen sowie variablen Zinssätzen. Ursprünglich war nur ein Volumen von 300 Millionen Euro angepeilt worden. Durchgeführt wurde die Transaktion von Helaba, HSBC, Société Générale sowie Unicredit. Rechtlich wurde Iliad von Linklaters (Federführung: Christian Storck) beraten.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Borsig hat eine Konsortialfinanzierung in Höhe von 200 Millionen Euro abgeschlossen. Die neue Finanzierung umfasst neben Laufzeitdarlehen auch eine Garantiefazilität. Die frischen Mittel will Borsig unter anderem zur Refinanzierung der bestehenden Konsortialfinanzierung verwenden. IKB fungierte als Arrangeur der Transaktion und wurde rechtlich von der Kanzlei White & Case beraten.

Der Immobilienentwickler Euroboden prüft die Begebung einer Unternehmensanleihe. Dazu ist die mwb Fairtrade Wertpapierhandelsbank mit der Durchführung einer Management-Roadshow beauftragt worden, wie das Unternehmen mitteilte. Die endgültige Entscheidung über eine Emission wird die Geschäftsführung auf Grundlage des Investoren-Feedbacks und des Marktumfelds treffen. Euroboden hat bereits zwei Unternehmensanleihen emittiert.

Der Batteriehersteller Varta denkt über die Durchführung einer Kapitalerhöhung nach. Hintergrund sei eine geplante Kapazitätserweiterung des Unternehmens, die zusätzliche Investitionen von 100 Millionen Euro erforderlich mache, teilte CFO Steffen Munz mit. Die Kapitalerhöhung könnte demnach in Abhängigkeit von den Marktgegebenheiten zeitnah durchgeführt werden, heißt es in der Mitteilung weiter.

SFC Energy, ein Anbieter von Hybrid-Stromversorgungsanlagen, plant eine Kapitalerhöhung mit einem angestrebten Bruttoemissionserlös in Höhe von rund 25 Millionen Euro. Die neuen Aktien sollen im Rahmen einer Privatplatzierung qualifizierten Anlegern zum Kauf angeboten werden. Die drei größten SFC-Aktionäre HPE, Havensight und Conduit Ventures, die zusammen einen Anteil von rund 41,7 Prozent an dem Unternehmen halten, haben sich dazu bereit erklärt, auf ihre Bezugsrechte zu verzichten, so SFC. ABN Amro und Commerzbank fungieren als Joint Global Coordinators der Transaktion, Metzler agiert als Selling Agent. Mit dem Erlös aus der Kapitalerhöhung will SFC Energy unter anderem das Wachstum in seinen derzeitigen Kernmärkten beschleunigen. Die Durchführung der Kapitalerhöhung hängt von einer erfolgreichen Vorplatzierung ab.

Das Immobilienunternehmen Deutsche Industrie Reit platziert eine nicht nachrangige, unbesicherte Wandelanleihe über 41,6 Millionen Euro. Die Schuldverschreibungen haben eine Laufzeit von sieben Jahren und einen Zinskupon von 2 Prozent. Der Wandlungspreis liegt bei 18,50 Euro. Den Nettoerlös aus der Transaktion will das Unternehmen für allgemeine Unternehmenszwecke und für die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten verwenden. Oddo BFH agierte als Sole Global Coordinator und Bookrunner.

Der Strumpfhersteller Wolford hat mit seinen österreichischen Bankpartnern eine Verlängerung der Kreditlinien bis zum 30. Juni 2021 vereinbart. Damit sei die Finanzierung des laufenden Geschäfts für die nächsten zwei Jahre sichergestellt, teilt das Unternehmen mit. Das Volumen der Kreditlinien ist nicht bekannt.

Das Berliner Finanz-Fintech Modifi hat in seiner zweiten Finanzierungsrunde 5,5 Millionen Euro eingesammelt, berichtet das „Handelsblatt“. Angeführt wurde die Runde demnach von Maersk Growth, dem Corporate Venture-Arm der Containerschiffsreederei A.P. Moller-Maersk, gemeinsam mit dem Investor Global Founders Capital. Mit dem frischen Geld will die Finanzierungsplattform Modifi nun nach Indien expandieren, heißt es in dem Bericht weiter. Das Start-up ist erst im November vergangenen Jahres gegründet worden.

Das Münchener Start-up Yfood hat in einer Finanzierungsrunde 4,2 Millionen Euro eingesammelt, berichtet das Onlinemagazin „Gründerszene“. Das frische Kapital kommt von dem Pariser Food-Investor Five Seasons Ventures und dem US-VC New Ground Ventures. Ebenfalls an der Runde beteiligte sich der Investor Frank Thelen, der im vergangenen Jahr im Rahmen der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bei dem Astronautennahrungs-Startup eingestiegen ist.

Aves Transport 1, ein Tochterunternehmen des Hamburger Logistikinvestors Aves One, hat erstmals eine Publikums-Anleihe über 5 Millionen Euro platziert. Der Bond wird mit 5,25 Prozent verzinst und hat eine Laufzeit bis Juli 2024. Den Nettoemissionserlös will Aves Transport 1 in Projektgesellschaften des Konzerns investieren. 

Ratingmeldungen

Scope hat das Rating der Lufthansa von BBB- auf BBB angehoben. Der Ausblick ist stabil. Die Ratingagentur verweist in der Begründung darauf, dass das Unternehmen sein finanzielles Risikoprofil in den vergangenen zwei Jahren verbessert habe.

Moody’s hat das Rating des insolventen Windanlagenbauers Senvion von Caa3 auf Ca herabgestuft. Der Ausblick bleibt negativ. Die Ratingagentur begründet diese Entscheidung mit einer schwachen Kapitalstruktur und abnehmenden Profitabilität des Unternehmens.

Fitch hat das kurzfristige Emittentenausfallrating (IDR) für Volkswagen von F2 auf F1 angehoben. Das langfristige IDR bestätigte Fitch mit BBB+, der Ausblick ist stabil.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Finanzierungsticker.