Der Chemikalienhersteller Hansa Group hat sich mit den Gläubigern auf ein Konzept zur finanziellen Restrukturierung geeinigt.

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03.02.14
Finanzierungen

Hansa Group: Durchbruch bei Finanzierungsverhandlungen

Ein wichtiger Schritt ist gemacht: Der Chemikalienhersteller Hansa Group hat sich mit seinen Gläubigern auf ein Konzept zur finanziellen Restrukturierung des Konzerns geeinigt. Transaktionen zur Stärkung des Eigenkapitals sind in Planung. Bis Ende 2014 soll die Bilanz wieder wetterfest sein.

Die Hansa Group kann in den Verhandlungen über ihre finanzielle Neuausrichtung einen wichtigen Teilerfolg verbuchen. Das Unternehmen hat sich mit seinen Banken, Finanzierungspartnern und dem Hauptaktionärskreis um die Beteiligungsgesellschaft Hansa Trust International mit Sitz in Zürich auf ein Konzept zur finanziellen Restrukturierung geeinigt. Zuvor hatten die Geldgeber sich auf ein einmonatiges Stillhalteabkommen mit der Hansa Group eingelassen, um dem Management um CEO und CFO Thomas Pfisterer mehr Zeit für die Finanzierungsverhandlungen zu geben.

In den Verhandlungen haben sich das Unternehmen und die Gläubiger nun anscheinend auf das weitere Vorgehen verständigt – mit wichtigen Folgen für die Hansa Group: „Die Einigung mit den Finanzgläubigern ermöglicht die Reduzierung der Verbindlichkeiten um mehr als die Hälfte. Daneben ist die Durchführung von Kapitalmaßnahmen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe geplant, die auch aus dem Kreis der Hauptaktionäre in signifikantem Umfang getragen werden und das Eigenkapital der Gesellschaft wesentlich stärken“, heißt es in einer Mitteilung der Hansa Group.

Mehr Details zur geplanten Refinanzierung teilte das Unternehmen zunächst nicht mit. Ob die Reduzierung der Verbindlichkeiten über die Kapitalmaßnahmen gegenfinanziert wird, oder ob die Banken auch auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten und somit beide Transaktionen aufaddiert werden können, geht aus der Mitteilung nicht eindeutig hervor. Der Konzern hatte zum Ende des dritten Quartals 2013 Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 110 Millionen Euro ausgewiesen, bei einer Eigenkapitalquote von 22,7 Prozent.

Hansa Group will 2015 „deutlich positives Ergebnis“

Nach Abschluss eines Rahmenvertrags mit allen Beteiligten sollen die Hansa-Group-Aktionäre zur Hauptversammlung eingeladen werden, um über einen Teil der vereinbarten Kapitalmaßnahmen zu beschließen. Die Hauptversammlung soll bis zum Juni dieses Jahres stattfinden. Bis Ende 2014 soll die finanzielle Restrukturierung umgesetzt sein.

Auch im operativen Geschäft arbeitet die Hansa Group an einer Neuausrichtung. Das Unternehmen geht nach eigener Aussage davon aus, den Turnaround beim operativen Ergebnis im laufenden Jahr zu erreichen und 2015 ein „deutlich positives Ergebnis“ erzielen zu können. Neben der finanziellen Neuaufstellung sollen operative „Anpassungsmaßnahmen“ dazu beitragen. Seit September arbeitet die Hansa Group dafür mit der Beratungsgesellschaft Roland Berger zusammen. Das Unternehmen will Kostenvorteile realisieren und die Tochterunternehmen stärker in den Gesamtkonzern integrieren.

Der Umsatz der Hansa Group lag in den ersten drei Quartalen 2013 bei rund 251 Millionen Euro, nach 325 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ebit sank nach rund 11,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 13,6 Millionen Euro. Allerdings sind die Werte nicht direkt vergleichbar, da die Hansa Group zum 1. Oktober 2012 den Unternehmensbereich Chemikalienhandel verkauft und damit rund ein Drittel der Konzernerlöse abgegeben hat. „Im Umsatz wird es erstmal eine Delle geben“, hatte Vorstandssprecher Thomas Pfisterer im vergangenen März im Interview bei FINANCE-TV bereits angekündigt. Dennoch gab er sich damals noch optimistisch und setzte sogar auf weitere Zukäufe. Wenige Monate später schlitterte der Chemikalienhersteller, der sein Geld hauptsächlich mit der Herstellung Wasch- und Körperpflegeprodukten für die Eigenmarken großer Einzelhandelsketten verdient, dann in die Krise.

Der Aktienkurs machte nach den Neuigkeiten zur Refinanzierung einen Sprung von knapp 1,30 Euro auf 1,55 Euro. Bis zu den Höchstständen vom Jahresanfang 2011, als das Papier bei fast 5,50 Euro notierte, ist es allerdings noch ein weiter Weg.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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