Die Rettungsversuche sind gescheitert: Hansa ist insolvent.

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10.07.14
Finanzierungen

Hansa Group ist pleite

Nur zwei Tage nach dem Platzen des rettenden Finanzierungspakets ist die Hansa Group zahlungsunfähig und hat Gläubigerschutz beantragt. Ins Blickfeld rückt jetzt die Rolle der iranischen Großaktionäre.

Der Versuch, den schwer angeschlagenen Chemieproduzenten Hansa Group noch zu retten, ist in kürzester Zeit gescheitert. Nur zwei Tage nach der Ankündigung, dass das im Frühjahr ausgehandelte Finanzierungspaket geplatzt ist, hat die Hansa Group beim Amtsgericht Duisburg Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Von der Insolvenz sind auch die Konzerngesellschaften Luhns, Waschmittelwerk Genthin und die Chemische Waschfabrik Wibarco betroffen.

Die am Dienstag angekündigte „ergebnisoffene“ Prüfung der Sanierungsoptionen sei zu dem Ergebnis gekommen, dass „die Sanierung nur im Wege eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung“ durchgeführt werden könne, gab die Hansa Group bekannt. Nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen aus dem Herbst 2013 lasteten Nettofinanzschulden in Höhe von 110 Millionen Euro auf dem defizitären Unternehmen, das nach der Trennung von seiner Handelssparte binnen Monaten in eine tiefe Krise gestürzt war.
 
Wer als vorläufiger Insolvenzverwalter berufen wird, ist noch nicht bekannt. Anfang der Woche hatte der Konzern Vorstand Thomas Pfister und CFO Dominik Müser wurden von ihren Posten abberufen. Mit der Sanierung wurde der bekannte Restrukturierungsexperte Bernd Depping betraut. Auch zu der Frage, ob Depping trotz des Insolvenzantrags an Bord bleibt, nimmt die sehr sparsam kommunizierende Hansa Group in ihrem kurzen Statement keine Stellung.

Die Alambeigi-Familie wollte die Hansa Group stützen

Offen ist nach wie vor, was zu dem überraschenden Wiederaufflammen der Finanzierungskrise geführt hat, nachdem durch eine im März erzielte Einigung zwischen den Finanzierungspartnern die bilanzielle Notlage bereits abgewendet zu sein schien. Ins Blickfeld rückt jetzt die Rolle der iranischen Unternehmerfamilie Alambeigi, die über zwei Investmentgesellschaften rund 46 Prozent der Anteile der Hansa Group kontrolliert. Weitere bestimmende Aktionäre gibt es nicht, den Rest der Aktien rechnet die Hansa Group auf ihrer Internetseite dem Streubesitz zu.

Ungenannte Hauptaktionäre, bei denen es sich auf Basis der vorliegenden Informationen um die Alambeigi-Familie handeln dürfte, hatten sich im Rahmen des Finanzierungskonzepts dazu verpflichtet, einen Teil der auf dem Konzern lastenden Darlehen abzulösen. Anschließend sollte eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 48 Millionen Euro durchgeführt werden, wozu es nach FINANCE-Informationen jedoch nicht kam.

Die börsennotierte Hansa Group ist seit der Zuspitzung der Finanzierungskrise für Rückfragen nicht mehr zu erreichen und nahm auch zu schriftlich von FINANCE eingereichten Fragen zu den Gründen für die neuerliche Schieflage keine Stellung.

 antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Die Chronologie des Niedergangs der Hansa Group, ein Interview mit dem geschassten Vorstand Thomas Pfisterer sowie weitere Hintergründe zur aktuellen Lage des Chemiekonzerns haben wir auf der FINANCE-Themenseite zur Hansa Group zusammengestellt.