Bayer macht den nächsten Schritt, um die Monsanto-Übernahme zu finanzieren und begibt Anleihen in Milliardenhöhe.

Bayer

19.06.18
Finanzierungen

Massiver Antritt von Bayer am Bondmarkt

Bayer flutet den Bondmarkt und begibt auf einen Schlag Anleihen im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro. Damit dürfte die endgültige Finanzierung der Monsanto-Übernahme so gut wie durch sein.

Bayer trumpft mit einer gewaltigen Transaktion am Bondmarkt auf, um den Brückenkredit für die 63 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto abzulösen. Wie der Konzern am heutigen Dienstag bekannt gab, sammelt er über neue Anleihen 15 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) ein – und das ist FINANCE-Informationen zufolge nur der erste Schritt.

Am Morgen platzierte Bayer bei institutionellen Investoren acht Tranchen, deren Laufzeiten von drei bis 30 Jahren reichen. Der Zinskupon bewegte sich je nach Tranche in einem Korridor zwischen 3,5 und 4,9 Prozent. Die Emission sei rund dreifach überzeichnet gewesen, so Bayer.

Im Tagesverlauf will Bayer aber noch eine weitere Anleihe in Höhe von 5 Milliarden Euro ausgeben, wie der Konzern auf Nachfrage bestätigt hat. Dass Bayer 15 bis 20 Milliarden Euro über Euro- und Dollar-Anleihen einsammeln muss, war bekannt. Doch dass die Mittel an einem einzigen Tag eingesammelt werden, war nicht allgemein erwartet worden.  

Für den neuen Bayer-CFO Wolfgang Nickl, der erst vor wenigen Tagen sein Amt angetreten hat, ist diese Mammutemission der entscheidende Schritt, um die Brückenfinanzierung von rund 60 Milliarden Euro, die 20 Banken stellen, abzulösen.

FINANCE-Köpfe

Wolfgang Nickl, Bayer AG

Wolfgang Nickl startet seine Laufbahn 1992 als Berater und Controller bei dem deutschen IT-Dienstleister Sercon, bevor er 1995 zur Western Digital Corporation wechselt. Für den US-Festplattenhersteller ist er zunächst als Geschäftsplaner in den Niederlanden tätig, im Anschluss als Director Business Solutions in San José im Silicon Valley.

Im Jahr 2000 wechselt Nickl als Finanzvorstand zum US-amerikanischen IT-Unternehmen Converge, kehrt jedoch wenig später zu Western Digital zurück. Acht Jahre lang durchläuft Nickl dort mehrere Positionen im Finanz- und Strategiebereich. Währenddessen erwirbt Nickl 2005 einen MBA-Abschluss von der University of Southern California’s Marshall School of Business. 2010 wird er zum Finanzchef von Western Digital befördert.

Im Dezember 2013 kehrt Nickl nach Europa zurück und wird CFO des niederländischen Chipherstellers ASML. Im September 2017 beruft der Chemie- und Pharmakonzern Bayer, der seinerzeit inmitten der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Saatgutspezialisten Monsanto steckt, den damals 48-Jährigen zum CFO. Nickl tritt seine neue Position im Juni 2018 an.

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Bayer finanziert Mammutteil über Eigenkapital

Der Eigenkapitalanteil der Gesamtfinanzierung steht bereits. Heute endet die Bezugsfrist für eine 6 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. 3 Milliarden Euro besorgte sich Bayer im April über eine Aktienplatzierung bei dem Staatsfonds Temasek. Bereits im November 2016 hatte der Konzern über eine Pflichtwandelanleihe 4 Milliarden Euro eingesammelt. Zudem spülte der Abverkauf der Covestro-Beteiligung über 9 Milliarden Euro in die Kassen. Von den Kartellbehörden angeordnete Verkäufe von Teilen des Saatgut- und Agrarchemiegeschäfts an BASF bringen 7,6 Milliarden Euro.

Damit hat Bayer insgesamt schon rund 50 Milliarden Euro Kapital eingesammelt. Der Kaufpreis für Monsanto ist somit bis auf 5 Milliarden Euro abgedeckt. Diesen Restbetrag dürfte Bayer leicht aus dem starken operativen Cashflow stemmen können.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de