Picture Alliance/Jan Haas; Mifa

11.12.14
Finanzierungen

Mifa: Maschmeyer gibt auf

Großinvestor Carsten Maschmeyer gibt im Machtkampf um den insolventen Fahrradhersteller Mifa auf. Zu den Gründen will er sich gegenüber FINANCE nicht äußern, Vermutungen liegen jedoch auf der Hand, denn ein neuer Investor will die Mifa übernehmen.

Überraschung bei Mifa: Großaktionär Carsten Maschmeyer hat den größten Teil seines Aktienpakets am insolventen Fahrradhersteller Mifa abgestoßen. Maschmeyer hatte über Monate stark um das Unternehmen gekämpft und versucht, über die Organe der Gesellschaft Einfluss auf den Kurs des Unternehmens zu gewinnen – unter anderem durch die Berufung des  ihm nahestehenden und ebenfalls aus Hannover stammenden Managers Utz Claassen in den Aufsichtsrat der Mifa.

Die umstrittenen Abberufungen der Interimsvorstände Hans-Peter Barth und Stefan Weniger hatte Maschmeyer öffentlich für gut geheißen und verteidigt. Anfang Oktober war mit Thomas Mayer ein Sanierer in den Mifa-Vorstand eingezogen, den Claassen noch aus seiner Zeit als Chef des Solarparkentwicklers Solar Millennium kennt.

Mifa: Konflikte mit dem Insolvenzverwalter

Doch Mayer zog sich Ende November schon wieder zurück. Der Aufsichtsrat akzeptierte den Abschied „mit großem Bedauern“ und ungewöhnlich deutlichen Worten: Der vorläufige Insolvenzverwalter habe durch sein Verhalten und seine Maßnahmen einen weiteren Verbleib für Herrn Mayer unzumutbar gemacht. Mayers Weggang war auch eine Niederlage für Maschmeyer.

Maschmeyer hält an der Mifa inzwischen nur noch weniger als 3 Prozent, wie das Unternehmen pflichtgemäß mitteilte. Ein gutes Investment war sein Einstieg bei dem Fahrradbauer für den Investor erkennbar nicht, er hatte sein Aktienpaket zu deutlich höheren Kursen aufgebaut. Inzwischen ist der Finanzinvestor Deutsche Balaton mit rund 16 Prozent der Aktien größter Anteilseigner vor dem früheren Vorstand Peter Wicht, dem noch gut 5 Prozent der Stimmrechte zuzurechnen sind.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Mifa erneut politische Hilfe bekommt. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Sangerhausener Fahrradhersteller mit einer Landesbürgschaft. Landeswirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) bestätigte der Agentur dpa, dass die Landesregierung gegenüber der landeseigenen Investitionsbank die Bürgschaft für einen Betriebsmittelkredit übernommen habe.

Mifa-Verkauf steht offenbar bevor

Mifa soll eine neue Chance unter einem neuen Investor bekommen. Die Zerschlagung des Unternehmens solle verhindert und die Arbeitsplätze gesichert werden. Schon im Frühjahr hatte Mifa eine millionenschwere Liquiditätsspritze der öffentlichen Hand bekommen, als der Landkreis im Rahmen eines Sale&Lease-Back-Verfahrens ein Betriebsgrundstück erwarb und Mifa damit dringend notwendige Liquidität in Millionenhöhe injizierte.

Auch jetzt läuft es bei Mifa nach dem auf der Zielgeraden gescheiterten Verkauf an indische Investoren auf eine regionale Lösung hinaus. Die Unternehmerfamilie Nathusius, die Eigentümer des Autozulieferers IFA-Rotorion, will sämtliche Wirtschaftsgüter der Mifa im Rahmen eines Asset Deals erwerben.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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