Mini-Bonds: Die Deutsche Börse in Frankfurt schickts eine Kampfansage an BondM

Deutsche Börse

13.09.12
Finanzierungen

Mini-Bonds: Deutsche Börse bläst zum Angriff auf Stuttgart

In Kürze will die Deutsche Börse ihren neuen Prime Standard für Mittelstandsanleihen starten und damit den Marktführer aus Stuttgart attackieren. Die Frankfurter zielen auf die Nische zwischen den Mini-Bonds und den Benchmarkanleihen der Großkonzerne. Das Interesse soll angeblich groß sein.

Der Platzhirsch im Börsengeschäft bläst zur Aufholjagd bei Mittelstandsanleihen: „In einem Jahr werden wir Stuttgart überholt haben und Marktführer bei Mittelstandsanleihen sein“, kündigte Joachim von Preysing, Leiter des Primärmarktgeschäfts der Deutschen Börse, in einem Interview bei FINANCE-TV an. Dafür setzt er auf ein neues Segment für Anleihen großer Mittelständler, das in wenigen Wochen an den Start gehen soll: der Prime Standard für Mittelstandsanleihen. Dass die Deutsche Börse dieses neue Segment aus der Taufe heben will, war schon vor einigen Monaten publik geworden, nun scheinen sich die Pläne zu konkretisieren.

Emissionsvolumen mindestens 100 Millionen Euro

Mit dem Prime Standard für Mittelstandsanleihen zielt die Deutsche Börse auf Emittenten mit mehr als 300 Millionen Euro Umsatz, die Anleihen im Wert von mindestens 100 Millionen Euro emittieren wollen. Damit versucht die Börse den Platz zwischen der boomenden Nische der Mini-Bonds und den Benchmark-Anleihen der Großkonzerne zu besetzen. Im Prime Standard sind Emissionen in der Art des neuen Bonds des Triebwerkherstellers MTU zu erwarten, der sich im Juni 250 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren gesichert hatte. Der Kupon liegt bei 3,0 Prozent, das Rating bei BBB- (Fitch). Konzerne wie MTU begeben ihre Anleihen meist in Luxemburg, der Handel findet aber überwiegend an den großen Börsen in Deutschland statt.

Die Deutsche Börse will die großen Mittelständler nicht nur mit ihrem Handelssystem Xetra in ihr neues Marktsegment locken, sondern wuchert auch mit der hohen Bekanntheit bei privaten Anlegern. Sie will die Emissionen sowohl bei großen Institutionellen als auch bei privaten Anlegern vermarkten. Zu diesem Zweck soll die Stückelung auch 1.000 Euro betragen. Bislang machen Retail-Investoren nur bei den Papieren von Mini-Bond-Emittenten mit bekannten Markennamen wie zum Beispiel Seidensticker, Katjes oder Underberg einen relevanten Anteil aus. Für Traditionshäuser wie diese ist der Prime Standard allerdings eine Nummer zu groß. 

Börse Stuttgart gibt sich "gelassen"

Die jährlichen Listingkosten sollen im Prime Standard mit 5.000 Euro genauso hoch sein wie im weniger stark regulierten Entry Standard, die Emittenten müssen aber höhere Transparenzanforderungen erfüllen: Halbjahresberichte zügig nach dem Stichtag und mindestens eine große Analystenkonferenz im Jahr sind Pflicht. Eigenen Angaben zufolge spricht von Preysing schon mit zahlreichen Unternehmen, die das Listing einer neuen Anleihe am Prime Standard erwägen: „Das Interesse ist da“, warb er bei FINANCE-TV.

Der Prime Standard startet zu einer Zeit, in der die Deutsche Börse gerade dabei ist, den Rückstand zum Marktführer BondM aus Stuttgart zu verkleinern. Von Preysing zufolge ist die Deutsche Börse seit April sowohl bei der Anzahl als auch beim Volumen der Mini-Bond-Emissionen an der Börse Stuttgart vorbeigezogen. Zu den jüngsten Emissionen in Frankfurt zählt unter anderem die Anleihe des Fußballklubs Schalke 04. In absoluten Zahlen liegt die Deutsche Börse jedoch noch immer zurück.

Sabine Traub, die den Primärmarkt der Börse Stuttgart leitet, sieht von Preysings Kampfansage „gelassen“ entgegen, wie sie gegenüber FINANCE erklärte: „Gemessen an den Emissionsvolumina der Unternehmen liegen wir nach wie vor deutlich vor unseren Wettbewerbern. Schon in den nächsten Wochen werden weitere Unternehmen ihre Anleihen über Bondm begeben.“ Eigenen Angaben zufolge kommen die Stuttgarter im Sekundärmarkt auf einen Marktanteil von fast 80 Prozent. „Damit findet der überwiegende Teil des Handel mit Mittelstandsanleihen in Stuttgart statt“, gibt sich Traub kämpferisch.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de