Holzplattenwerk in Karlino (Polen): Das Familienunternehmen Homann Holzwerkstoffe ist unzufrieden mit seinem Rating und greift die Ratingagentur Creditreform öffentlich an.

Homann

18.03.14
Finanzierungen

Mittelstandsanleihen: Homann attackiert Creditreform

Zum zweiten Mal binnen sechs Monaten hat die Creditreform das Rating des Holzplattenherstellers Homann herabgestuft. Das Familienunternehmen kann das erneute Downgrade nicht nachvollziehen – und greift die Ratingagentur öffentlich an.

Streit zwischen dem Familienunternehmen Homann Holzwerkstoffe und der Ratingagentur Creditreform: Nachdem die Creditreform bereits im Herbst das Homann-Rating von BBB- auf BB+ herabgestuft hatte, legt die Ratingagentur nun mit einem Downgrade um weitere zwei Notches auf BB- nach.

Homann-Eigentümer Fritz Homann hat die Creditreform daraufhin in einer Börsenmitteilung öffentlich angegriffen: „Bei der Geschäftsführung herrscht Unverständnis, wir folgen der Einschätzung der Creditreform nicht“, sagte Homann. Er kritisiert, dass die Ratingabstufung die – schwache – Geschäftsentwicklung der vergangenen Monate widerspiegele, nicht aber die „deutliche Trendwende“, die jetzt erkennbar werde. „Unsere aktuelle Planung, auf deren Basis die Creditreform das Rating erstellt hat, beinhaltet die konservativ angesetzten Holzpreise aus dem Jahr 2013, wobei klare Signale aus dem Markt kommen, dass sich die Preise ab dem zweiten Quartal 2014 reduzieren werden.“ Wegen der voll ausgelasteten Kapazitäten sei 2014 ein Umsatz- und Ertragsanstieg zu erwarten.

Mittelstandsanleihe von Homann auf 75 Millionen Euro aufgestockt

In der Tat benennt die Creditreform die „Holzpreisvolatilität“ als wesentlichen Faktor für die zukünftige Entwicklung Homanns. Wegen der hohen Abhängigkeit von den Holzpreisen rechnet die Ratingagentur nun mit „einer langsameren als bisher eingeschätzten Verbesserung der Ertragslage des Homann Holzwerkstoffe-Konzerns“. Für die Fähigkeit zur Rückführung der Mittelstandsanleihe aus dem operativen Ergebnis sieht die Creditreform „erhöhte Risiken“. Wegen der sich bessernden Ertragslage hält die Creditreform die Risiken hinsichtlich einer Anschlussfinanzierung jedoch für „gering“.

Homann hat im Dezember 2012 unter Begleitung von Conpair und Close Brothers Seydler eine Mittelstandsanleihe über 50 Millionen Euro begeben, die im Juni 2013 auf 75 Millionen Euro aufgestockt wurde. Ein Emissionsrating liegt nicht vor. Die Mittelstandsanleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren, einen Kupon von 7 Prozent und notiert bei 98 Prozent.

Homann rutscht in die Verlustzone

Die letzten verfügbaren Zahlen zeigen, wie schwierig die Lage bei Homann zuletzt war. Im ersten Halbjahr 2013 stieg der Umsatz – auch dank eines Zukaufs – zwar von 84,7 auf 95,1 Millionen Euro. Aber daraus erlöste Homann nur einen operativen Gewinn (Ebitda) von 3,2 Millionen Euro (bereinigt um Währungsverluste: 5,8 Millionen Euro). Auf Ebit-Basis wies das Familienunternehmen einen Verlust von 1,2 Millionen Euro aus. Hinzu kam noch ein Zinsaufwand von 3,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote ging von 17,5 auf 14,3 Prozent zurück.

Im zweiten Halbjahr habe sich die Geschäftslage jedoch gebessert, erklärte eine Unternehmenssprecherin gegenüber FINANCE. Details wollte sie nicht nennen. Mit der Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2013 hat Homann noch bis Ende Juni Zeit.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Homann ist nicht der einzige Emittent einer Mittelstandsanleihe, der mit schwachen Geschäften und Rating-Downgrades zu kämpfen hat. Mehr zur aktuellen Lage am Minibond-Markt finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen.