Scholz

09.08.13
Finanzierungen

Scholz: Kredit im Feuer, Mittelstandsanleihe angeblich sicher

Der Recyclingspezialist Scholz hat FINANCE Details zu seinem geplanten Restrukturierungspaket mitgeteilt. Zittern müssen zunächst die Geber des syndizierten Kredits über 600 Millionen Euro. Die Gläubiger der Mittelstandsanleihe dürfen aufatmen.

Zu den ersten operativen Maßnahmen der Scholz-Sanierung zählt das Abschneiden der Geschäftsbeziehungen zu der in Australien und Asien aktiven Beteiligung CMA  (47,8 Prozent), die schon 2012 restrukturiert wurde. „Die laufende Geschäftsbeziehungen und sämtliche Handelsaktivitäten werden aufgegeben. Dies ist integraler Bestandteil des Restrukturierungskonzepts“, teilte der Metallverarbeiter Scholz auf FINANCE-Anfrage mit.

Das Scholz-Management steht unter Druck, die Löcher im Konzern schnell zu stopfen. In der Begründung seines negativen Ratingausblicks sprach die Ratingagentur Euler Hermes vor wenigen Tagen von „möglichen Zahlungsstörungen“. Noch im Geschäftsbericht 2012 sprach Scholz von der Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung  bei CMA. Nun wurde offenbar die Reißleine gezogen.

Weitere wesentliche Schritte der Restrukturierung will Scholz „zeitnah“ bekanntgeben. Dabei ist mit harten Einschnitten zu rechnen, die der für die Scholz-Restrukturierung geholte neue Vorstand Markus Schürholz wird verkünden müssen: „Naturgemäß werden hier zunächst einmal harte Einschnitte zu vermelden sein, bevor wir über die Früchte dieser Aktivitäten berichten können“, antwortete Scholz auf FINANCE-Anfrage.

Trifft es österreichische Banken?

Roland Berger hat inzwischen ein Restrukturierungskonzept erstellt, das bis Ende 2015 umgesetzt werden soll. Derzeit verhandelt der Esslinger Recyclingspezialist mit mehreren Kreditinstituten. Dabei handelt  es sich um nationale, aber auch internationale Banken, die Scholz seit Jahren verbunden sind – „mit zahlreichen Geschäften in diversen Regionen“, wie Scholz FINANCE mitteilte. Da Scholz über erhebliches Geschäft in Osteuropa verfügt, könnten österreichische Institute betroffen sein. Das deutet auch ein Blick auf die Bankpartner bei der Bondemission 2012 an, mit der Scholz 150 Millionen Euro erlöste. Joint Bookrunner bei der Ausgabe der Mittelstandsanleihe waren die Erste Group und die Raiffeisen Bank International, als Joint Lead Manager fungierten die Berenberg Bank und Close Brothers Seydler. 2013 wurde die Anleihe um 32,5 Millionen Euro aufgestockt.

Die Verhandlungen mit Restrukturierungsvorstand Schürholz und Scholz-CFO Parag-Johannes Bhatt dürften für die Banken unangenehm verlaufen. Mit rund 1,1 Milliarde Euro Nettoschulden und einem EBITDA, das 2012 von 246,6 (2011) auf 191,8 Millionen Euro zurückgegangen war, sind die Kennzahlen des Metallverarbeiters außer Kontrolle geraten. Im ersten Quartal 2013 war das EBITDA nochmals von 61,9 Millionen Euro auf 34,8 Millionen Euro eingebrochen. Dies gefährdet den syndizierten Kredit über 600 Millionen Euro, der in drei Tranchen unterteilt ist. Verhandelt werde über „alle Aspekte der Vertragsgestaltung“, erklärt Scholz. Eine  Stundung der Zinsen und eine Lockerung der Covenants dürften ziemlich sicher Gegenstand der Verhandlungen sein, möglicherweise aber auch ein Forderungsverzicht. Damit rückt auch eine weitere Ratingabstufung näher. Aktuell stuft Euler Hermes das Unternehmensrating der Scholz Gruppe mit BB- ein, seit vergangener Woche ist der Ausblick negativ.

Entwarnung für Gläubiger der Mittelstandsanleihe

Den Gläubigern der Mittelstandsanleihe sendet Scholz trotzdem beruhigende Nachrichten: „Das derzeitige Finanzierungskonzept sieht keine Änderungen bei der Anleihe vor, weshalb es diesbezüglich auch keine Verhandlungen gibt“, teilte der Konzern gegenüber FINANCE mit.

Offenbar plant Scholz, durch den Verkauf von Randgeschäften die Liquiditätslage zu verbessern und die Schulden zu senken. Das Restrukturierungskonzept fokussiere „die Stärkung des operativen Kerngeschäfts als auch das Abtrennen von Randgeschäftenund Randregionen“, erklärt Scholz. „Dadurch erreichen wir eine Stabilisierung des EBITDA und  einen deutlichen Schuldenabbau.“ Zielvorgabe für die relevanten Finanzkennzahlen sei es, bis 2015 das Verhältnis Nettoverschuldung zu EBITDA wieder unter die Marke von 4,0x zu drücken. Auf Basis des vergangenen Jahres betrug dieser Wert 5,7.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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