Der ITK-Dienstleister QSC hat erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Schuldschein begeben.

QSC

28.05.14
Finanzierungen

Schuldschein: QSC-CFO Barbara Stolz legt Gesellenstück ab

Der ITK-Dienstleister QSC hat erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Schuldschein platziert. Die seit einem Jahr amtierende Finanzchefin Barbara Stolz hat damit ihr Gesellenstück abgeliefert. Ihr nächstes Großprojekt könnte aus dem M&A-Bereich kommen.

Premiere für den ITK-Dienstleister QSC und seine Finanzchefin Barbara Stolz: Das Unternehmen aus Köln-Ossendorf hat das günstige Kapitalmarktumfeld genutzt und in der vergangenen Woche erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Schuldschein platziert. „Ursprünglich wollten wir nur 50 bis 100 Millionen Euro einsammeln“, berichtet CFO Barbara Stolz, die schon seit 2009 den Finanzbereich bei QSC verantwortet und im Juni 2013 Finanzvorstand wurde, von den Hintergründen der Transaktion. Aufgrund der starken Nachfrage konnte QSC das Emissionsvolumen auf 150 Millionen Euro deutlich erhöhen.

Diese hohe Überzeichnung ist für einen Debütemittenten enorm. Aber die Investoren suchen händeringend nach Anlagemöglichkeiten. „Deshalb sehen wir im Moment das Phänomen, dass die Orderbuchgrößen überdurchschnittlich groß sind und früh geschlossen werden“, sagt Raoul Heßling, Director Loan Capital Markets bei der Commerzbank, die QSC bei dem Deal begleitet hat.

QSC kann sich die Investoren aussuchen

Den Schuldschein von QSC haben zu etwa 30 Prozent Sparkassen, zu einem Viertel Geschäftsbanken, zu 17 Prozent genossenschaftliche Institute und zu 23 Prozent Landesbanken gezeichnet. „Wir hatten den Luxus und die Freiheit, uns die Investoren selbst auszusuchen und haben diejenigen bekommen, die wir gerne gehabt hätten“, sagt Stolz, für die der direkte Kontakt mit den verschiedenen Kapitalmarktteilnehmern neu gewesen ist.

Stolz ist noch neu in dem Geschäft und hat sich ohne Hochschulabschluss bis an die Spitze des Finanzressorts von QSC hochgearbeitet – ihre Karriere ist mit dem Kölner IT-Unternehmen mitgewachsen. Nach einer Ausbildung zur Verlagskauffrau merkte Stolz schnell, dass ihr das nicht reicht. Auf dem zweiten Bildungsweg absolvierte sie noch eine Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin. Nach verschiedenen Positionen im Finanzbereich unterschiedlicher Unternehmen kam Stolz 2005 schließlich zu QSC, wo ihr Wunsch entstand, Finanzvorstand zu werden. Die Chance bot sich ihr, als sich Unternehmensgründer Bernd Schlobohm zurückzog und ihr Vorgänger Jürgen Hermann auf den Chefsessel befördert wurde.

QSC löst Konsortialkredit teilweise ab und führt Factoring zurück

Mit der gerade abgeschlossenen Finanzierung hat Barbara Stolz ihr Gesellenstück als Finanzchefin abgeliefert – und das mit Erfolg. Denn neben der Überzeichnung und der Verbreiterung der Investorenbasis konnte QSC auch noch sein Fälligkeitenprofil bis in das nächste Jahrzehnt strecken. Der Schuldschein läuft fünf und sieben Jahre und wird sowohl fix als auch variabel verzinst. Der Festzins für die Fünfjahres-Tranche liegt bei rund 2,3 Prozent, derjenige für die siebenjährige Tranche bei etwa 3 Prozent.

QSC verwendet den Emissionserlös des Schuldscheins zum Teil anstelle eines noch bis September 2016 laufenden Konsortialdarlehens. „Wir werden den ersten Teil unseres revolvierenden Konsortialkredits zurückführen“, sagt Stolz. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus entsprechen die Zinsen für den Schuldschein in etwa den Konditionen des syndizierten Kredits. „Es wäre grob fahrlässig gewesen, wenn ich den Schuldschein nicht begeben hätte“, findet Stolz.

Dabei hat die QSC-Finanzchefin neben dem Schuldschein auch noch andere Finanzierungsinstrumente wie eine Mittelstandsanleihe oder einen Konsortialkredit geprüft. Doch der Schuldschein war für Barbara Stolz in Sachen Dokumentation und Pricing unschlagbar. Zudem benötigt ein Emittent am Schuldscheinmarkt kein externes Rating, muss keine Sicherheiten stellen und auch keine Stimmrechte oder Unternehmensanteile abgeben.

Neben der teilweisen Ablösung des Konsortialkredits plant Stolz auch noch einen Factoringvertrag über 11 Millionen Euro, der aus der Mehrheitsübernahme der Info AG im Jahr 2011 stammt, zurückführen. „Das ist eine kleine Altlast“, sagt sie. Da QSC keine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen müsse, gebe es keinen Grund, den Factoringvertrag weiterlaufen zu lassen. „Wir haben unsere Verbindlichkeiten neu strukturiert und brauchen den Factoringvertrag zur Liquiditätsgenerierung nicht mehr“, sagt Stolz.

QSC plant zwei bis drei M&A-Deals

Nach der Schuldscheinplatzierung kann sich die QSC-Spitze nun auf die angekündigten M&A-Projekte konzentrieren. QSC will weiter wachsen, auch durch die Übernahme kleinerer Technologiefirmen. Erst im Februar 2014 erwarben die Kölner die Mehrheit an dem Münchener Verschlüsselungsspezialisten FTAPI. „Wir wollen noch zwei bis drei weitere Unternehmen akquirieren“, sagt Stolz und sucht nach Targets, die zur QSC-Strategie und zum Cloud-Zeitalter passen. Mit diesen Plänen kann auch die Finanzchefin selbst weiter mit QSC wachsen – und vielleicht bald ihr Meisterstück als CFO abliefern.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Der Schuldscheinmarkt 2014: Was in den ersten Monaten bislang passiert ist

 

Der Commerzbank zufolge haben in diesem Jahr schon 23 Emittenten den Schuldscheinmarkt angezapft. Mehr als die Hälfte davon sind Debütemittenten gewesen. „Wir haben viele neue Namen im Markt gesehen“, sagt Raoul Heßling, Director Loan Capital Markets bei der Commerzbank – häufig Firmen mit einem Umsatz von unter 500 Millionen Euro. Der Banker geht davon aus, dass das Volumen des deutschen Schuldscheinmarkts in diesem Jahr auf dem des Vorjahres liegen wird, als rund 8 Milliarden Euro platziert wurden.

Neben den mittelständischen Debütemittenten könnten auch neue ausländische Emittenten den Markt stützen. Bereits zwei französische, ein englisches und zwei österreichische Unternehmen haben den Schuldscheinmarkt angezapft. Weitere stehen in den Startlöchern.