CEO Frank Asbeck und CFO Phillip Koecke: Sie scheinen Solarworld vorerst gerettet zu haben. Doch kann ihr Plan für die Zukunft funktionieren?

Solarworld

07.08.13
Finanzierungen

Solarworld nach der Restrukturierung wirklich gerettet?

Auf der Ziellinie: Auch die Aktionäre von Solarworld dürften heute dem Restrukturierungskonzept zustimmen. Der Konzern scheint gerettet - vorerst. Denn der zähe Überlebenskampf hat für CFO Koecke erst begonnen, Zweifel am Geschäftsmodell bleiben.

Solarwold-CFO Philipp Koecke dürfte heute ein großer Stein vom Herzen fallen: Die Rettung ist gelungen, Solarworld hat die Insolvenz (vorläufig) vermieden. In der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung nimmt das Unternehmen die letzte Hürde: Auch die Aktionäre werden dem Restrukturierungsplan zustimmen. Am Montag hatten bereits die Anleihegläubiger des 2011 begebenen fünfjährigen Bonds den Plan abgenickt, gestern stimmten auch die Gläubiger des siebenjährigen 2010er Bonds zu. Die Schulden des Solarmodulherstellers sollen nun mit Closing der Refinanzierung von 931 Millionen Euro um gut die Hälfte auf 426 Millionen Euro sinken.

Die Zustimmung der Altaktionäre galt schon im Vorhinein der außerordentlichen Hauptversammlung als die geringste Hürde für den Rettungsplan. Zwar müssen sie im Rahmen der Restrukturierung 95 Prozent der Anteile an die Gläubiger des Unternehmens abtreten, doch die Zustimmung von Gründer, CEO und Hauptaktionär Frank Asbeck, der bisher 28 Prozent an Solarworld hält, war bereits sicher. Schließlich hatte sich Asbeck bereits verpflichtet, die Kapitalerhöhung mittragen zu wollen.

Anleihegläubiger: Am Ende war alles besser als die Insolvenz

Das Einverständnis der Bondgläubiger galt dagegen als kritischer. Viele Restrukturierungsverhandlungen waren bereits daran gescheitert. Doch am Ende schien den Gläubigern, allen voran den Unter-Par-Investoren, die Hoffnung auf Sanierung verlockender als die Insolvenz, bei der die Befriedigungsquote im Zerschlagungsfall laut einem Gutachten von Görg bei unter 7,5 Prozent hätte liegen können. Auch der gemeinsame Anleihevertreter Frank Günther von der Kanzlei Günther & Partner empfahl daher, das Restrukturierungskonzept anzunehmen.

Der komplizierte Rettungsplan kann nun in die Tat umgesetzt werden: Die Gläubiger des Unternehmens tauschen 55 Prozent ihrer Forderungen in neue Aktien. Für diese Umwandlung von Schulden in Eigenkapital (Debt-to-Equity Swap) wird das Grundkapital von Solarworld zunächst stark herabgesetzt, anschließend folgt eine Kapitalerhöhung, bei der die Bondholder zeichnen werden. Der Anteil der Altaktionäre am Unternehmen sinkt so auf nur 5 Prozent, während die Gläubiger zunächst 95 Prozent an dem Unternehmen halten. Dieser Anteil sinkt dann im zweiten Schritt auf 46,5 Prozent: CEO Asbeck und Qatar Solar wollen 48,5 Prozent der Aktien für 46 Millionen Euro zeichnen.

Analysten: Geschäftsmodell von Solarworld nicht tragfähig

Doch die spannende Frage ist, wie es für Solarworld nach der Restrukturierung weitergeht. Der Kampf ums Überleben hat gerade erst begonnen – und der Jubel über die Rettung könnte CFO Koecke schneller vergehen als ihm lieb ist. Noch gibt er sich zuversichtlich: Bis 2015 soll Solarworld wieder „bankable“ werden. Aber selbst wenn sich Solarworld nicht mit Klageaktionären herumplagen muss, ist fraglich, wie tragfähig das Geschäftsmodell ist. Der Bonner Solarmodulhersteller will ein integrierter Produzent bleiben und  weiterhin alle Wertschöpfungsstufen bedienen.

Doch bezweifeln Solar-Analysten offen die Erfolgsaussichten, unterstellt Solarworld doch in seiner Szenarioplanung ein Ende des Preisverfalls und eine Erholung des Marktes: „In dem kapitalintensiven und noch dazu von Preisschlachten bestimmten Markt für Modulherstellung gibt es für Solarworld kaum noch etwas zu holen“, sagt Stefan Freudenreich, Analyst der Equinet Bank. Es gelte entweder die Kosten- oder die Technologieführerschaft anzustreben – beides sei für das mittelgroße Solarunternehmen kaum möglich. Die Konkurrenz aus China liegt vorne. „Mit der finanziellen Ausstattung kann Solarworld beim nächsten Innovationszyklus, der voraussichtlich 2014 kommen wird, nicht mitziehen.“

Die einzige Chance für Solarworld sei es, sich auf das nicht kapitalintensive, kundennahe Servicegeschäft zu konzentrieren. Doch das scheint CEO Asbeck abzulehnen – er will mit Produktion Geld verdienen. Dabei setzt er auch weiterhin auf den Rückenwind durch solarfreundliche Förderregimes. Dabei zeichnen sich deutlich sinkende Fördersätze ab. Womöglich war es nicht die letzte Restrukturierungsschlacht des gefallenen Solarsterns.

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