Zentrale in München: Telefonica erweitert durch den platzierten Konsortialkredit seine Finanzierungsbasis.

O2

23.03.16
Finanzierungen

Telefónica Deutschland diversifiziert Finanzierungsbasis

Mit dem ersten Konsortialkredit in der Firmengeschichte diversifiziert Telefónica Deutschland seine Finanzierungsbasis. Die Münchener lockern damit auch die Finanzierungsbeziehungen zur spanischen Mutter.

Der Telekomkonzern Telefónica Deutschland, mit den Marken O2 und E-Plus Deutschlands kundenstärkster Mobilfunkanbieter, hat erstmals in seiner Geschichte einen Konsortialkredit platziert und damit 750 Millionen Euro eingenommen. Der Konsortialkredit läuft über fünf Jahre und kann maximal bis März 2023 verlängert werden.

Die Transaktion wurde durch BNP Paribas, die Commerzbank und die UniCredit Bank begleitet. Dem Konsortium gehören außerdem sechs weitere Banken an. Welche Banken sich noch an dem Kreditgeschäft mit Telefónica beteiligen und zu welchen Konditionen, darüber gab Telefónica auch auf Nachfrage von FINANCE mit der Berufung auf Verschwiegenheitsklauseln keine weiteren Auskünfte.

Finanzchefin Rachel Empey führt Gesellschafterdarlehen zurück

Mit dem nun platzierten Konsortialkredit ergänzt das TecDax-Unternehmen sein Finanzierungsportfolio und sichert so seinen ehrgeizigen Wachstumskurs finanziell ab. Vor allem aber lösen sich die Münchener dadurch noch weiter von ihrer spanischen Mutter. Das 2012 vereinbarte Gesellschafterdarlehen des spanischen Telefónica-Konzerns in Höhe von damals 1,25 Milliarden Euro war während des 2012 erfolgten Börsengangs von Telefónica Deutschland den zentrale Finanzierungspfeiler der Deutschen. Finanzchefin Rachel Empey konnte den Kredit mittlerweile auf 500 Millionen Euro reduzieren. Der Plan sieht vor, ihn bis Ende 2017 vollständig zurückzuführen. Im Zuge dessen dürften auch die Zinskosten des Unternehmens leicht zurückgehen.

Inzwischen hat Empey ein breites Portfolio an Finanzierungsinstrumenten aufgebaut. 2013 und 2014 begebene Anleihen belaufen sich auf insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Die im November 2013 platzierte Anleihe über 600 Millionen Euro läuft 2018 aus und kann nun auch durch den Konsortialkredit refinanziert werden.

Daneben verfügt Telefónica Deutschland seit dem vergangenen Jahr über einen Strauß an  Schuldscheinen und Namensschuldverschreibungen im Gesamtwert von 300 Millionen Euro, deren einzelne Tranchen Laufzeiten zum Teil bis 2032 aufweisen.

Der Konsortialkredit dürfte neben den vom Unternehmen genannten „allgemeinen Unternehmenszwecken“ auch dazu dienen, in Kürze auslaufende bilaterale Kreditlinien zu ersetzen. Telefónica verfügt derzeit eigenen Angaben zufolge über ungenutzte Kreditlinien von 750 Millionen Euro. Darin sind Kreditlinien in Höhe von 40 Millionen Euro mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr enthalten.

Integration von E-Plus hinterlässt tiefe Spuren in den Geschäftszahlen

Telefónica Deutschland befindet sich gerade inmitten der langwierigen Integration der im Herbst 2014 übernommenen E-Plus. Abschreibungen auf nicht mehr gebrauchte Vermögenswerte und Sonderkosten unter anderem für Abfindungszahlungen drückten Telefónica Deutschland 2015 unterm Strich in die roten Zahlen. Der operative Gewinn vor Abschreibungen kletterte jedoch dank der Einbeziehung von E-Plus um über 20 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro.

Mit dem über 8 Milliarden Euro schweren Kauf von E-Plus will sich Telefónica Deutschland für den harten Wettbewerb am deutschen Mobilfunkmarkt rüsten – der Deal hat den Markt praktisch auf drei Anbieter verengt: Telefónica Deutschland, Vodafone und die die Deutsche Telekom. In wenigen Jahren sollen sich die jährlich wiederkehrenden Kosteneinsparungen durch die E-Plus-Übernahme auf 800 Millionen Euro im Jahr belaufen, hat Empey angekündigt.

julian.woehr[at]finance-magazin.de