Die negativen Schlagzeilen rund um Galeria reißen nicht ab. Erneut scheint die Warenhauskette in einer angespannten Liquiditätslage zu stecken. Der Minderheitsgesellschafter Bain Capital gewährt dem Konzern nun erneut einen Kredit und verschafft Galeria so etwas Luft, wie die Deutsche Presseagentur (Dpa) und das „Handelsblatt“ übereinstimmend berichten.
Galeria teilte demnach gegenüber der Dpa mit, dass sich der Kredit des Investors auf 10 Millionen Euro beläuft. Bain Capital hält 6 Prozent der Anteile an der Warenhauskette und hatte ihr laut „Handelsblatt“ bereits im vergangenen Jahr einen Kredit über 60 Millionen Euro gewährt. Eine FINANCE-Anfrage ließ Galeria bislang unbeantwortet.
„Die Liquiditätslage zeigt harte Schwankungen“, räumte Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock zu den Hintergründen des neuen Kredits gegenüber dem „Handelsblatt“ ein. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass sich die Lage wieder stabilisieren werde.
Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen
In den vergangenen Tagen wurden zunächst vermehrt Stimmen von Vermietern der Warenhauskette laut, die ausbleibende Mietzahlungen für den Monat April beklagten. Berichten zufolge sollte Galeria seine Vermieter zudem gebeten haben, Mieten zu stunden. Die Gerüchte kommentierte der Konzern zunächst nicht.
Nun räumte die Warenhauskette gegenüber Dpa und „Handelsblatt“ ein, alle Vermieter seiner 83 Filialen um eine Stundung der Mieten gebeten zu haben. So sollten die im März und April fälligen Mietzahlungen auf den Herbst verschoben werden. Dies hätten jedoch nicht alle Vermieter akzeptiert.
Laut Galeria wurden Mietzahlungen während der Verhandlungen über die Stundung zunächst gestoppt. Vermietern, die keine Stundung akzeptiert hätten, sollen die Mieten jedoch jetzt gezahlt werden. Alle anderen Vermieter bekämen die gestundeten Mieten im Herbst, zuzüglich Zinsen.
Lieferanten sollen Zahlungsziele verlängern
Um sich in Sachen Liquidität weiter Luft zu verschaffen, soll Galeria darüber hinaus seine Lieferanten gebeten haben, Zahlungsziele zu verlängern. Einige Handelspartner sollen sich bereits darauf eingelassen haben, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Branchenkreise berichtet. Galeria äußerte sich dazu auf Nachfrage von FINANCE bisher nicht.
Darüber hinaus könnte Entspannung von Seiten des Warenkreditversicherers Euro Delkredere winken, wie laut „Handelsblatt“ aus Branchenkreisen zu hören ist. Dieser könnte bereit sein, mehr Risiko zu übernehmen und die bisherige Liquiditätsgrenze von mindestens 60 Millionen Euro, die Galeria als Sicherheit nicht unterschreiten durfte, zu senken. Auch hierzu machte Galeria auf Nachfrage von FINANCE bisher keine Angaben.
Drohende Standortschließungen
Doch trotz allem könnten bei Galeria bald Schließungen von wichtigen Standorten drohen. Wie Galeria gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigte, verhandelt die Warenhauskette derzeit mit den Vermietern von acht Standorten über die Mietkonditionen, also die Höhe der Zahlungen. Die Mietverträge all dieser Häuser sollen in Kürze auslaufen.
Zu den betroffenen Standorten gehören demnach Premiumhäuser in Berlin und Köln, ein Haus in München und die Filialen in Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. Im „Handelsblatt“ heißt es dazu von Philipp Kretzer, Verkaufsleiter von Galeria: „Wir kämpfen für den Erhalt unserer Filialen und möchten an den Standorten bleiben.“ Dennoch betonte Galeria gegenüber dem „Handelsblatt“, dass ohne eine für beide Seiten tragfähige Lösung auch die Möglichkeit von Schließungen bestehe.
Galeria musste bereits 2024 Filialen schließen
Bereits vor zwei Jahren musste Galeria neun Standorte aufgeben. Zuvor hatte die Warenhauskette Anfang 2024 erneut Insolvenz angemeldet. Anschließend wurde Galeria im August 2024 von der US-Investmentgesellschaft NRDC und dem Unternehmer Bernd Beetz übernommen. Beide verfügen zusammen über mehr als 90 Prozent der Konzernanteile.
Die anfängliche Euphorie aufgrund des Neustarts verflog jedoch schnell. So musste Anfang des Jahres CFO Christian Sailer seinen Hut nehmen, kaum lagen die Zahlen für das Weihnachtsgeschäft 2025 vor. Diese sollen, wie das „Handelsblatt“ unter Berufung aus Unternehmenskreisen berichtet, um 9 Prozent zurückgegangen sein. Sailer hatte den CFO-Posten erst im Sommer 2024 angetreten.
Im Frühjahr 2025 zeigte sich Sailer in einem Gespräch mit FINANCE noch zuversichtlich, dass Galerias Sanierung gelingen könne: „Unsere Ergebnisse sind über den Erwartungen, sie sollen in den kommenden Jahren deutlich wachsen.“ Allerdings spüre Galeria die Kaufzurückhaltung der Verbraucher deutlich: „Auf den Umsatz bezogen sind wir hinter unseren eigenen Erwartungen“, sagte er.
Und auch in diesem Geschäftsjahr scheint es für die Warenhauskette nicht besser zu laufen. So berichtet die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ unter Berufung auf Insider, dass der Umsatz von Galeria im ersten Halbjahr, das am 31. März endete und damit auch das Weihnachtsgeschäft umfasst, um mehr als 100 Millionen Euro unter dem Vorjahreszeitraum lag.
Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.
