Mit dem Schuldschein über 300 Millionen Euro hat CFO Ralph Heuwing das Fälligkeitenprofil von Dürr breiter gestreut.

Dürr

30.03.16
Finanzierungen

Dürr-CFO Ralph Heuwing begibt Schuldschein

Der schwäbische Maschinenbauer Dürr will bei M&A-Deals jederzeit handlungsfähig sein. Den finanziellen Spielraum hat CFO Ralph Heuwing jetzt mit einem Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro erweitert.

Der Schuldschein ist bei CFOs so beliebt wie nie zuvor. Jetzt hat sich auch der schwäbische Maschinenbauer Dürr in die Riege der Emittenten eingereiht. CFO Ralph Heuwing hat dem Unternehmen ein Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro gesichert. Das Gesamtvolumen verteilt sich auf verschiedene Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren. Durchschnittlich ist der Schuldschein mit 1,6 Prozent jährlich verzinst, Details zu den einzelnen Tranchen nannte das Unternehmen nicht.

Mit den zusätzlichen Mitteln will Dürr eigenen Angaben zufolge seine Liquidität stärken, um seinen Wachstumskurs fortsetzen zu können. Dazu gehören auch M&A-Deals, wie die Mehrheitsübernahme des Holzmaschinenbauers Homag im Sommer 2014. Das aktuelle Finanzierungsumfeld war für Dürr attraktiv: „Mit dem Schuldscheindarlehen haben wir uns langfristig äußerst günstige Finanzierungskonditionen gesichert und unser Fälligkeitenprofil breiter gestreut“, sagte CFO Ralph Heuwing. „Unsere komfortable Liquiditätsposition bietet uns Spielraum für die strategische Weiterentwicklung des Konzerns. Zugleich können wir unser operatives Geschäft sicher finanzieren und verfügen über nachhaltig solide Bilanzrelationen.“

Dürr nutzt geplantes Volumen bei Schuldschein voll aus

Der Konzern erwirtschaftete 2015 in fünf Divisionen einen Umsatz von 3,77 Milliarden Euro und erzielt rund 60 Prozent seines Umsatzes im Geschäft mit Automobilherstellern und –zulieferern.Mit der Emission des Schuldscheins ist CFO Heuwing an das obere Ende des geplanten Volumens gegangen. Bereits in seinem Geschäftsbericht 2015 kündigte das Unternehmen an, im ersten Halbjahr 2016 ein Schuldscheindarlehen begeben zu wollen. Das angestrebte Volumen bezifferte Dürr damals auf 250 bis 300 Millionen Euro.

Erst im vergangenen Jahr hatte Dürr nach der Homag-Übernahme seine Finanzierungsstruktur angepasst. Ein syndizierter Kredit der Homag Group über 210 Millionen Euro wurde Ende Mai gekündigt, dafür stockte die neue Mutter Dürr ihren syndizierten Kredit von 300 auf 465 Millionen Euro auf. Der Kredit läuft bis 2021. Das Gesamtvolumen aller verfügbaren Kredit- und Avallinien lag am 31. Dezember 2015 bei gut 1 Milliarde Euro, davon hatte Dürr rund 360 Millionen Euro in Anspruch genommen. Zudem hat Dürr 2014 eine Anleihe über 300 Millionen Euro begeben, die bis 2021 läuft. Fremdmittel nimmt das Unternehmen in der Regel über die Dürr AG auf, die die Mittel nach Bedarf an die Konzerngesellschaften weiterreicht.

Auch das Liquiditätsmanagement wird so weit wie möglich zentral über ein Cash-Pooling organisiert. Zum Jahresende konnte Dürr auf liquide Mittel von 435,6 Millionen Euro zugreifen. Als wichtigste Finanzierungsquelle bezeichnet Dürr selbst den Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit, der Ende 2015 bei 173 Millionen Euro lag. 

Schuldschein von Dürr deutlich überzeichnet

Die Resonanz auf den Schuldschein bezeichnet Dürr auf der Anlegerseite als „ausgesprochen positiv“. Das Schuldscheindarlehen war dem Unternehmen zufolge deutlich überzeichnet. Wie sich die Nachfrage auf die einzelnen Tranchen verteilte, gab Dürr nicht bekannt. Das Unternehmen teilte allerdings mit, auch die Tranche mit zehnjähriger Laufzeit habe „sehr gut bedient“ werden können. Commerzbank, Landesbank Baden-Württemberg und UniCredit haben die Schuldschein-Emission begleitet.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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