Am Schuldscheinmarkt sind im dritten Quartal rund 6,8 Milliarden Euro platziert worden. Damit liegt das Volumen fast 15 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Es handelt sich zugleich um das stärkste dritte Quartal seit 2019, als rund 8,8 Milliarden Euro emittiert wurden. Die Anzahl der Deals lag bei 31, im Vorjahreszeitraum waren es 25.
Dies geht aus dem neuen FINANCE-Schuldschein-Update hervor, das das Datenanalysehaus LSEG exklusiv für FINANCE aufbereitet. Auf Neunmonatssicht liegt der Markt damit aber noch immer leicht unter dem Vorjahr: Laut LSEG summiert sich das Volumen von Januar bis September 2025 auf 14,7 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 15,2 Milliarden Euro rund 3 Prozent mehr gewesen.
Porsche SE emittiert weiteren XXL-Schuldschein
Größter Treiber im zurückliegenden dritten Quartal war die Porsche Automobil Holding (Porsche SE), die insgesamt 1,5 Milliarden Euro einsammelte. Die Stuttgarter refinanzieren damit teilweise ihren Schuldschein aus dem Jahr 2023, der mit einem Volumen von 2,7 Milliarden Euro weiter das Allzeithoch markiert.
Es handelt sich zugleich um den bislang größten Schuldschein des laufenden Jahres. In der Übersichtstabelle von LSEG ist allerdings der Lidl-Schuldschein aus dem März als größte Transaktion gelistet. Grund dafür sind zwei verschiedene Settlement-Tage des Porsche-Schuldscheins, aufgrund derer LSEG das Volumen auf zwei Transaktionen verteilt hat.
Weitere nennenswerte Transaktionen im Berichtszeitraum stammten von dem österreichischen Verkehrsunternehmen ÖBB (650 Millionen Euro), dem italienischen Schiffsbauer Fincantieri (395 Millionen Euro), dem deutschen Autozulieferer SAF Holland (330 Millionen Euro) sowie dem deutschen Rüstungskonzern Hensoldt (300 Millionen Euro).
Dank solcher Transaktionen ist das durchschnittliche Emissionsvolumen im bisherigen Jahresverlauf auf über 260 Millionen Euro gestiegen, erklärt Pierre Marc Heinrich, Vice President Schuldschein Desk bei BNP Paribas Corporate & Institutional Banking. 2024 bewegte sich der Wert noch zwischen 220 und 240 Millionen Euro.
Emittenten und -investoren bleiben vorsichtig
„Wir haben einen aufnahmefähigen Markt, insbesondere für sehr gute Bonitäten. Investoren investieren aber weiterhin nur sehr selektiv“, ordnet Jana Schuler, Director Schuldschein Syndikat HypoVereinsbank/UniCredit, das Marktgeschehen ein. Christian Link, Head of Schuldschein-Origination DACH bei der Commerzbank, beschreibt den Markt aktuell als „sehr liquide“, gleichwohl sei auch auf der Emittentenseite weiterhin eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. „Ein überwiegender Anteil der Transaktionen dient der Refinanzierung. Transaktionen, die ‚neues Geld‘ einsammeln, sind sehr selten zu sehen“, so der Banker.
Hemmnis für viele Emittenten seien die anhaltend schwierige Konjunktur in Deutschland und Europa sowie die geopolitischen Unsicherheiten. Hinzu komme ein starker Wettbewerb durch alternative Finanzierungsformen. „Grundsätzlich können sich Emittenten mit externem Rating derzeit günstiger am Anleihemarkt refinanzieren“, sagt HVB-Bankerin Schuler. Der Schuldschein bleibe aber gerade in Zeiten hoher Volatilität an den Märkten eine Alternative für diese Unternehmen. „So haben wir insbesondere im April und Mai wieder verstärkt Anleiheemittenten am Schuldscheinmarkt gesehen.“
Laut Heinrich könne der Schuldscheinmarkt für Emittenten mit den Ratings „BBB“ und „BBB-“ weiterhin attraktiv sein kann. Derzeit würden Schuldscheine für beide Ratings aber etwa 30 Basispunkte höher gepreist.
Die aktivsten Branchen sind in diesem Jahr laut Schuler bislang Consumer Retail und Technology/Telecommunication. Automotive kann dank der Porsche-SE-Transaktion zwar den größten Deal am Schuldscheinmarkt für sich beanspruchen, davon abgesehen sei der Sektor aber weiterhin schwierig.
Die momentan aktivsten Investoren sind nach Angaben von BNP-Banker Heinrich internationale Investoren, wobei insbesondere asiatische und europäische Investoren sehr aktiv bei soliden Namen agierten und höhere Tickets investierten. „Diese Investoren treiben weiterhin die Orderbücher an, während deutsche Sparkassen im Vergleich zu früheren Jahren eher inaktiv sind.“
ESG-linked und grüne Schuldscheine weiter rückläufig
Transaktionen mit einem Volumen von weniger als 75 Millionen Euro sind laut Commerzbanker Link zurzeit selten zu sehen, da sich die Marktteilnehmer in diesem Bereich eher zurückhielten. „Große private Banken fokussieren sich auf höhere Volumina und sorgen so für größere Deals im Markt“, berichtet Link. Bei den Laufzeiten liege der Fokus unverändert bei drei und fünf Jahren, ergänzt Schuler. „Bei sehr guten Bonitäten sehen wir aber auch Nachfrage für siebenjährige Laufzeiten und länger.“
Weiter rückläufig ist derweil der Anteil an ESG-linked beziehungsweise grünen Schuldscheinen, so Link: „Investoren fokussieren sich zwar weiterhin auf die ESG-Strategien der Unternehmen, aber wir sehen nicht, dass diese Schuldscheine mehr Nachfrage generieren. Zudem gibt es weiterhin keinen finanziellen Vorteil für die Unternehmen bei Emission.“
Bookrunners: Unicredit schiebt sich hinter LBBW
Alle drei befragten Schuldscheinexperten erwarten, dass der Markt zum Jahresende in etwa auf dem Niveau von 2024 liegen wird. Dies entspräche einem Emissionsvolumen von rund 20 Milliarden Euro. „Es sieht nicht danach aus, dass das vierte Quartal 2025 übermäßig aktiv wird“, sagt Schuler.
Bei den Bookrunners im Schuldscheinmarkt bleibt die LBBW das Maß aller Dinge. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent (29 Deals) führt sie den League Table nach neun Monaten mit großem Vorsprung an. Auf Rang 2 kann sich die Unicredit mit 10,9 Prozent (14 Deals) verbessern, gefolgt von Commerzbank und BNP Paribas.
Info
Hier können Sie das neue FINANCE-Schuldschein-Update herunterladen.
Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.
