Die Lage bei dem Energiekonzern Uniper hat sich am heutigen Montag weiter zugespitzt. Wie das Unternehmen am Vormittag mitteilte, hat es die bestehende KfW-Kreditfazilität komplett gezogen. Die KfW-Linie war so etwas wie die letzte größere Liquiditätslinie, und Uniper hatte es bislang vermeiden können, sie in größerem Umfang in Anspruch zu nehmen.
Doch inzwischen hat auch der finnische Mehrheitseigentümer Fortum, der Uniper nach eigener Aussage mit 8 Milliarden Euro an Darlehen und Garantien finanziell unter die Arme gegriffen hat, klargestellt, dass aus Finnland keine weiteren Finanzhilfen mehr kommen werden. Mit dem Ausschöpfen der KfW-Linie reagiert Uniper nach eigenen Angaben „auf die anhaltenden Lieferunterbrechungen von russischem Gas und die damit verbundenen Entwicklungen an den Energiemärkten und -börsen“.
Zudem hat Uniper nach eigenen Angaben bereits einen Antrag auf Erhöhung der KfW-Kreditfazilität gestellt. Dies geschehe zusätzlich und eigenständig zu den bereits Anfang Juli beim Bund beantragten Staatshilfen, „da die Gespräche zwischen der Bundesregierung und Uniper über Stabilisierungsmaßnahmen weiterhin andauern und derzeit nicht absehbar ist, wann diese abgeschlossen werden können“, heißt es vom Unternehmen.
Uniper braucht schnelle Auffanglösung
Welchen Anteil der KfW-Gelder Uniper tatsächlich schon ausgegeben hat beziehungsweise wie viel noch als Notgroschen auf den Konten des Konzerns liegt, ist unbekannt. Trotzdem wächst mit dem heutigen Schritt der Druck auf die Bundesregierung, Uniper zur Seite zu springen, um einen Kollpas des größten Gasimporteurs Deutschlands zu verhindern. Uniper hatte bereits Ende Juni Alarm geschlagen und den Bund um Hilfe gerufen. Seitdem wird fieberhaft an einer Rettungslösung für den schwer angeschlagenen Energieversorger gearbeitet.
Dabei stehen mehrere Möglichkeiten zur Debatte. So steht unter anderem eine ähnliche Lösung im Raum wie bei der Lufthansa: ein Einstieg des Bundes über den Wirschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Form einer stillen Beteiligung in Milliardenhöhe. Diese könnte in einer Größenordnung von 3 bis 5 Milliarden Euro liegen und von einer direkten Beteiligung am Eigenkapital von Uniper zum Aktiennennwert (1,70 Euro je Aktie) flankiert werden.
Liquiditätsbedarf schwer abzuschätzen
Der Bund könnte Uniper aber auch die Erlaubnis erteilen, die drastisch gestiegenen Einkaufspreise für Gas an seine Kunden weiterzugeben. Dies könnte den Liquiditätsabfluss bei Uniper selbst zum Stoppen bringen, würde die Last aber auf die Abnehmer von Uniper verlagern. Dazu zählen neben vielen Unternehmen auch eine Reihe von Stadtwerken. Dem Vernehmen nach versucht der Bund jedoch, die Krise direkt bei Uniper zu lösen, bevor sie sich im ganzen deutschen Energieversorgungssystem verbreitet.
Erschwert wird die Lösungsfindung dadurch, dass es noch mindestens bis Donnerstag dauern wird, um den künftigen Liquiditätsbedarf genauer abschätzen zu können. Dann soll die Wartungspause der Nord-Stream-Pipeline enden, durch die seit Anfang vergangener Woche kein Gas mehr fließt. Ob und in welchem Umfang Russland nach der Wartungspause wieder Gas durch die Pipeline pumpen wird, hat große Auswirkungen auf die Ausgestaltung des finanziellen Schutzschirms für Uniper und die deutsche Energiebranche. Seit heute ist unsicher, ob Unipers Liquiditätssituation es zulässt, weiter abzuwarten, wie sich die Gaslieferungen aus Russland Ende der Woche entwickeln werden.
thomas.holzamer[at]finance-magazin.de
Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE sowie Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.
