Nachdem die Auffanglösung der Deutschen Lichtmiete im Juni gescheitert ist, wollte Lichtmiete-Gründer Alexander Hahn mit seiner neuen Firma Light Now sein „Lebenswerk“ in einem letzten Rettungsversuch zurückkaufen.
Konkret machte er über die OAB Osnabrücker Anlagen- und Beteiligungs-AG, eine 40-prozentige Beteiligung der Light Now AG, ein Angebot, Novalumen (ehemals Deutsche Lichtmiete) sofort zu übernehmen. Dafür wollte er einen Kaufpreis von 14 Millionen Euro sowie einen Besserungsschein zugunsten der Masse in Höhe von 10 Millionen Euro auf den Tisch legen. Zusätzlich sollte auch das Produktions- und Lagergebäude in Hatten für 5 Millionen Euro übernommen werden.
One Square lehnt Kaufangebot ab
Über eine Pressemitteilung des jetzigen Eigentümers One Square Advisors, der nach der Insolvenzmeldung im Herbst 2022 über ein Übernahmevehikel den Beleuchtungsspezialisten kaufte, wurde nun mitgeteilt, dass das Übernahmeangebot abgelehnt wurde.
„Die Gläubigerausschüsse der Deutschen Lichtmiete Gesellschaften, die Parteien des Kaufvertrags gewesen sind, haben am 16. Juli über dieses Angebot beraten und entschieden, das Angebot abzulehnen“, heißt es in der am heutigen Freitag veröffentlichten Mitteilung.
Wie sollte der Kaufpreis finanziert werden?
Grund für das zurückgewiesene Angebot seien vor allem die finanziellen Aspekte. So sollte der Kaufpreis nicht in bar fließen, sondern hauptsächlich über ein Verkäuferdarlehen von den Gläubigern vorfinanziert werden. Konditionen: Laufzeit bis Ende 2030, Verzinsung von 0 Prozent, regelmäßige monatliche Tilgung in Höhe von 25.000 Euro beginnend zum 31.1.2025.
Laut der Mitteilung sollte dann zum Jahresende 2024 lediglich 1 Million Euro in bar gezahlt und schließlich auf die Insolvenzmasse draufgerechnet werden. Bis Ende 2030 sollten dann aus den Tilgungen des Darlehens weitere 1,5 Millionen Euro zufließen. Die restliche Tilgung würde dem Plan zufolge aus den Jahresüberschüssen der Light Now geleistet werden.
Zweifel an Fortführung von Lichtmiete
One Square und der Insolvenzverwalter scheinen allerdings Zweifel an der Finanzierungssicherheit zu haben, wie aus der Mitteilung hervorgeht: „Ein konkreter Businessplan, aus dem sich eine Tragfähigkeit der angedachten Fortführung ergibt, wurde bis heute nicht vorgestellt. Inwieweit die Light Now AG aufgrund der gegenüber den Direktinvestoren eingegangenen Verpflichtungen überhaupt einen Überschuss erwirtschaften kann, ist mehr als fraglich.“ Ebenfalls wurde kein Finanzierungsnachweis vorgelegt, heißt es weiter. „Herr Hahn ist allerdings bereit, eine persönliche Bürgschaft zu übernehmen“, so Lichtmiete.
Zudem sehe das Angebot „eine Verrechnung angeblich bestehender Forderungen der Light Now AG gegen die Insolvenzmasse in Höhe von 7,4 Millionen Euro vor“. Ob und in welcher Höhe aufrechenbare Forderungen bestehen, ist laut One Square umstritten und Gegenstand weiterer Auseinandersetzungen zwischen Light Now und der Insolvenzverwaltung.
Bleibt Frank Günther Vertreter der Anleihegläubiger?
Bringt sich kein anderer Käufer in Stellung, läuft es also zunächst weiter auf eine Liquidation der Deutschen Lichtmiete hinaus, die bis Mitte 2025 abgeschlossen sein soll. Die Insolvenzverwaltung will die Erlöse nach Abzug der Verfahrenskosten an alle Gläubiger der betroffenen Insolvenzverfahren im Deutsche-Lichtmiete-Komplex verteilen. Wie viel am Ende noch übrig bleiben wird, ist unklar.
Zudem hat die Light Now angekündigt, eine Anleihegläubigerversammlung einberufen zu wollen. Es soll darum gehen, ob Günther weiterhin gemeinsamer Vertreter bleibt, da das Unternehmen von Hahn einen Interessenkonflikt sieht. Frank Günther ist Managing Partner von One Square Advisors sowie gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger der Lichtmiete.
Hitziger Schlagabtausch bei Lichtmiete
Alexander Hahn, seine vertretende Kanzlei Schirp & Partner Rechtsanwälte, One Square und Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß (Wallner Weiß) liefern sich seit Monaten einen hitzigen Schlagabtausch. Es geht unter anderem um „andauernde persönliche Angriffe, Verunglimpfungen und Drohungen“, aufgrund derer Geschäftsführer Maik Weber sein Amt niedergelegt hat, wie es in der Mitteilung der Lichtmiete steht.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.
