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Delivery Hero hat Appetit auf Gorillas

Essenslieferant Delivery Hero will offenbar beim schwächelnden Konkurrenten Gorillas einsteigen. Foto: Delivery Hero

Lebensmittel zu Supermarktpreisen in nur zehn Minuten nach Hause geliefert, das verspricht das Start-up Gorillas. Seit ihrem deutschen Marktstart im Mai 2020 sind die Berliner rasant gewachsen. Das hat auch die Konkurrenz bemerkt: So interessiert sich nun verschiedenen Presseberichten zufolge der Online-Lieferdienst Delivery Hero für einen Einstieg bei Gorillas. Offenbar befinden sich die beiden Lieferdienste bereits in finalen Verhandlungen über eine Investition von zunächst 200 Millionen Euro, später könnten weitere 200 bis 400 Millionen Euro fließen.

Der Zeitpunkt könnte günstig sein, denn Delivery Hero würde eine Schwächephase der Gorillas für einen Deal nutzen: Noch im Frühjahr hoffte das Unternehmen, in der anstehenden Finanzierungrunde mit 5 Milliarden Euro bewertet zu werden. Nun stehen nur noch 2 Milliarden Euro im Raum. Inklusive der reservierten zweiten Tranche könnte es dies Delivery Hero ermöglichen, nahe an eine Sperrminorität bei Gorillas heranzukommen. In den ersten zwei Jahren des Bestehens hat Gorillas bislang 335 Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt.

Gorillas braucht dringend eine Finanzspritze

Aufgrund hoher operativer Verluste dürfte dieses Geld nun nahezu aufgebraucht sein. Zwischenzeitliche Gespräche mit dem US-Lieferdienst Doordash führten laut „Bloomberg“ nicht zu einem Abschluss. Zudem hat Gorillas aktuell mit einer Abschwächung beim Wachstum der Neukunden und Streitigkeiten mit Fahrern zu kämpfen. Keine Frage: Das Liefer-Start-up ist geschwächt.

Verluste schreibt aber auch Gorillas potenzieller Neu-Investor Delivery Hero. Wie Gorillas setzt auch dessen CEO Niklas Östberg auf ungebremstes Wachstum seines Lieferdienstes – ohne Rücksicht auf die Profitabilität, wie die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, die Delivery Hero Mitte August vorgelegt hatte. Mit 918 Millionen Euro hat sich der Nettoverlust von Delivery Hero im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Der Jahresumsatz soll 6,4 bis 6,7 Milliarden Euro erreichen. Nichtsdestotrotz könnte sich Delivery Hero den Deal auch ohne neue Finanzierung leisten: Laut Bilanz verfügen die Berliner aktuell über 2 Milliarden Euro Cash. Die Cash-Position sinkt zwar rapide, dafür verfügt der Dax-Konzern über einen guten Kapitalmarktzugang.

Auch Tencent investiert in Gorillas

Delivery Hero ist gerade erst unter der Marke „Foodpanda“ in den deutschen Markt zurückgekehrt. Gleichzeitig baut der Dax-Konzern weltweit Geschäfte jenseits der Essenslieferung aus. Bei dem so genannten „Quick Commerce“ geht es um die Lieferung von Lebensmitteln, Hygiene- und Geschenkartikeln. Dieser Markt liegt im Fokus von Gorillas.      

Laut „Manager Magazin“ könnte die Finanzierungsrunde bereits am heutigen Freitag notariell beglaubigt werden.  Auch bestehende Investoren wie der US-Hedgefonds Coatue Management und der chinesische Tech-Gigant Tencent werden sich demnach an der Finanzspritze für Gorillas beteiligen. Die jüngste Kapitalspritze dieser beiden Investoren hatte Gorillas im Frühjahr zum „Unicorn“ gemacht – einem Start-up mit einem Wert von mehr als 1 Milliarde Dollar.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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