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Restrukturierungs-News: Röbbig München, verteuerte Finanzierungen, Automobilindustrie

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Der weltweit führende Kunsthändler für Meißener Porzellan, Röbbig München, ist insolvent. Foto: Alena Stalmashonak - stock.adobe.com
Der weltweit führende Kunsthändler für Meißener Porzellan, Röbbig München, ist insolvent. Foto: Alena Stalmashonak - stock.adobe.com

Kunsthändler für Meißener Porzellan ist insolvent

Der renommierte Kunsthändler Röbbig München, bekannt für seine exklusiven Meißener Porzellanobjekte, hat Mitte Juni einen Insolvenzantrag gestellt. Dino Straub (Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter) wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Eigentümers Gerhard Röbbig, der das Geschäft 2012 übernommen hatte, sowie hohe Fixkosten und ein herausfordernder Antiquitätenmarkt führten zu diesem Schritt. Der Geschäftsbetrieb von Röbbig München kam bereits vor der Insolvenzanmeldung zum Erliegen.

Führungskräfte erwarten verteuerte Finanzierungen

Geopolitische Spannungen und regulatorische Herausforderungen treiben die wirtschaftliche Krisenstimmung in Deutschland weiterhin an. Das zeigt die jüngste Restrukturierungsstudie von Alix Partners. Gesamtwirtschaftlich erwarten 75 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte eine Rezession, während 76 Prozent mit einem Anstieg außergerichtlicher Restrukturierungen rechnen.

Die wachsenden Kapitalkosten und die schwierige Kapitalverfügbarkeit verschärfen die Lage zusätzlich. Personalabbau und steigende Personalkosten sind weitere Belastungen, die Unternehmen in der Krise bewältigen müssen. Mit Blick auf Kapitalkosten gehen 71 Prozent der befragten Expertinnen und Experten von einer weiteren Verteuerung der Finanzierungen aus. Zugleich wird nicht mit einer Entspannung bei der Verfügbarkeit von Kapital gerechnet – nur 10 Prozent erwarten hier eine Verbesserung.

Als besonders krisengefährdet gilt unter den Befragten weiterhin die Automobilbranche (96 Prozent). Die verarbeitende Industrie (43 Prozent) und der Einzelhandel (38 Prozent) folgen mit deutlichem Abstand. Die Automobilindustrie steht vor enormen Herausforderungen, insbesondere durch die veränderten Marktbedingungen in China und die US-Zollpolitik.

Trotz der Herausforderungen weckt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Optimismus. 84 Prozent der in Deutschland Befragten sehen in KI-Technologien eine Chance für Unternehmen in Notlagen. KI könne Prozesse verschlanken, Prognosen verfeinern und Entscheidungen beschleunigen, meint Axel Schulte, EMEA Co-Leader of Turnaround & Restructuring bei Alix Partners. Doch der Einsatz müsse klaren Geschäftszielen folgen und auf einer belastbaren Datenbasis beruhen, um das volle Potential zu entfalten.

Die Umfrage für die 20. jährliche „Turnaround & Transformation Survey“ wurde zwischen dem 27. März und dem 13. April durchgeführt. Dabei wurden 371 führende Restrukturierungsexperten aus mehr als 20 Branchen in den USA, EMEA sowie Asien befragt.

Katastrophale Prognosen für die Automobilindustrie

Zum Ende des zweiten Quartals versetzen gleich mehrere Erhebungen die Automobilbranche erneut in Alarmbereitschaft. Hohe Energiepreise, die chinesische Konkurrenz und die US-Zölle sind nur eine Auswahl jener Herausforderungen, mit denen die Branche seit geraumer Zeit zu kämpfen hat. Wie die Restrukturierungsstudie von Alix Partners zeigt, gehen die deutschen Führungskräfte zu 96 Prozent von einer besonderen Krisengefährdung der Automobilbranche aus.

„Deutschlands Vorzeigebranche hat die Talsohle noch nicht erreicht“, ist sich Jens Stobbe, Manager Risk Services beim internationalen Kreditversicherer Atradius sicher. Die Automobilproduktion befindet sich seit Ende 2023 im Abwärtstrend: 2024 sank sie um 5,7 Prozent, und für 2025 wird ein weiterer Rückgang von weiteren 5 Prozent erwartet. „Noch können sich die Hersteller diese Schwächephase durch das in der Vergangenheit aufgebaute finanzielle Polster leisten, doch die Luft wird dünner“, sagt Stobbe. Werksschließungen und Stellenstreichungen seien unausweichlich, um profitabel zu sein, politisch jedoch schwer umsetzbar. 2024 wurden bereits 19.000 Arbeitsplätze abgebaut, und die Zahl könnte 2025 ähnlich hoch sein.

Auch die Zulieferer leiden unter der Absatzschwäche der Hersteller, wie auch eine aktuelle Erhebung von Baker Tilly zeigt. Zwei Drittel der befragten deutschen Führungskräfte erwarten, dass zahlreiche Wettbewerber in den nächsten zwei Jahren aufgeben werden. Der Druck durch neue Konkurrenten aus China (65 Prozent) und Europa (55 Prozent) wachse, während die Unternehmen mit hohen Energie- und Produktionskosten kämpften.

Die Studie offenbart jedoch auch eine Diskrepanz zwischen der Eigenwahrnehmung und der Einschätzung der Branche insgesamt: Während sich viele Unternehmen selbst als stabil einstufen – 78 Prozent antworteten mit „eher gut“ oder „sehr gut“ – fällt das Urteil über die Branche düster aus: 79 Prozent halten die Lage der deutschen Automobilzulieferer insgesamt für schlecht. „Die Industrie scheint die Risiken zwar zu erkennen, aber diesen im eigenen Unternehmen nicht entschieden genug zu begegnen“, meint Jannik Bayat, Automotive-Experte und Partner bei Baker Tilly.

Für die Studie hat Baker Tilly 100 Top-Entscheider der ersten und zweiten Führungsebene der deutschen Automobilzulieferindustrie zur Wettbewerbsfähigkeit sowie zum Investitions- und Transformationsbedarf am Standort Deutschland befragt. Der Untersuchungszeitraum war März und April 2025.

CR Energy stellt Insolvenzantrag

CR Energy, eine Investmentgesellschaft für kostengünstiges und energieeffizientes Wohnen, hat Insolvenzantrag gestellt. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde Susanne Berner (Dr. Berner & Partner) bestellt. Während des Insolvenzverfahrens werde das operative Geschäft weitergeführt, teilte das Unternehmen mit. Der Vorstand führe unabhängig von dem Antrag weiterhin Gespräche, um Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Als Grund gab das Unternehmen Ende Mai sowohl die aktuelle Marktentwicklung als auch die fehlende Bereitschaft der Kreditgeber zur weiteren Prolongation der Betriebsmittelkredite an. Die laufenden Projekte von Tochtergesellschaften werden hiervon voraussichtlich nicht betroffen sein, heißt es.

KTM schließt Sanierung ab

Die Sanierung der KTM-Gruppe ist abgeschlossen. Das Landesgericht Ried im Innkreis hat die Sanierungspläne der Pierer Mobility-Töchter KTM, KTM Components und KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH nach Ablauf der Rekursfrist bestätigt. Gläubiger erhalten 30 Prozent ihrer anerkannten Forderungen. Der Fokus liegt nun auf der Wiederaufnahme der Produktion und der strategischen Neuausrichtung. Die österreichische Saniererin Ulla Reisch führte die Unternehmen durch die komplexen Prozesse.

Econnext: Trotz frischen Geldes insolvent

Das Amtsgericht Charlottenburg hat die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Holding-Gesellschaft Econnext, eine Gruppe von Climate-Tech-Unternehmen, und sechs weiterer dazugehöriger Unternehmen (Lumenion, Grips Energy, ESG Screen17, Atarq, Circular Carbon und CC Projekt Hamburg) angeordnet. Die Gruppe war aufgrund eines Liquiditätsengpasses auf Holding-Ebene in Schieflage geraten.

Florian Linkert (BBL) wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, während Saxenhammer einen strukturierten M&A-Prozess eingeleitet hat. Erst im September 2024 erhielt Econnext eine Finanzierung im mittleren zweistelligen Millionenbereich, um die Internationalisierung und geplante Skalierung voranzutreiben, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten.

Starug-Verfahren für Baywa bestätigt

Der vom Agrarkonzern Baywa vorgelegte Restrukturierungsplan im Rahmen des Starug-Verfahrens wurde vom Amtsgericht München Anfang Juni bestätigt, wie Baywa in einer Presseaussendung mitteilt. Der Sanierungsplan wurde bereits am 15. Mai in einem Erörterungs- und Abstimmungstermin mit den erforderlichen Mehrheiten der Gläubiger und Aktionäre angenommen. Lediglich die gerichtliche Bestätigung stand noch aus.

Ein Gleiss Lutz-Team berät Baywa bei ihren laufenden Sanierungsaktivitäten in sämtlichen Fragen des Insolvenz– und Restrukturierungsrechts, insbesondere bei der Vorbereitung und Ausführung des Starug-Verfahrens. Federführender Partner ist Matthias Tresselt. Dentons hat im Rahmen der Restrukturierung nahezu sämtliche der zahlreichen Schuldscheindarlehensgläubiger von Baywa (insbesondere Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und weitere nationale und internationale Kreditinstitute) rechtlich beraten und die Wahrnehmung ihrer Interessen koordiniert. Künftig wird Dentons als Schuldscheinvertreter die Koordinierung der Schuldscheindarlehensgeber während des Sanierungszeitraumes fortführen. Federführender Partner ist Andreas Ziegenhagen.

Info

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.