Was darf der CRO-Einsatz kosten? Wie viel ein Chief Restructuring Officer verdienen darf, sehen verschiedene Stakeholder-Gruppen sehr unterschiedlich.

Andrey Popov/stock.adobe.com

07.08.20

Wie viel sollte ein CRO verdienen?

Oft werden Chief Restructuring Officer als Retter in der Not an Bord geholt – doch welche Vergütung ist für sie angemessen? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander.

Wenn eine Restrukturierung ansteht, setzen viele Unternehmen für einige Zeit auf Unterstützung durch einen Chief Restructuring Officer (CRO). Insgesamt sehen mehr als 80 Prozent der Befragten in einem CRO-Einsatz einen Nutzen, ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Meritus Business Advisors gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Unternehmensrestrukturierung und Insolvenzmanagement der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (Details zur Methodik in der Infobox am Ende dieses Artikels).

Allerdings liegen die Einschätzungen darüber, wie viel der Einsatz des Restrukturierers kosten sollte, weit auseinander. Nur zwei Drittel der Befragten trauten sich zu, auf die Frage nach der CRO-Vergütung konkrete Preispunkte zu nennen. Und die Spreizung ist enorm: Die Vorstellungen zum richtigen Tagessatz eines CROs ohne Nebenkosten wie Auslagen, Reisekosten und Umsatzsteuer schwankten zwischen 1.000 Euro und 8.000 Euro. 

CRO-Vergütung variiert stark

Der Hauptgrund für die große Spannbreite: Wie viel ein CRO verdient, hängt stark davon ab, unter welchen Rahmenbedingungen er arbeitet. Neben der Größe des Unternehmens und der Branchenexpertise des Sanierers spielt dabei auch eine Rolle, wie viel Risiko er übernimmt: Die meisten Befragten geben in der Studie an, dass sie den Einsatz eines CROs als Mitglied der Geschäftsführung für besonders effektiv halten – eine solche Position hat allerdings zur Folge, dass ein CRO auch mehr Risiko zu tragen hat. 

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„Gerade in der Funktion als Geschäftsführer gehen CROs Haftungsrisiken ein“, sagt Jens Zimmermann, Managing Partner bei Meritus Business Advisors – und das gelte auch für die Auswirkungen von Maßnahmen, die bereits vor ihrer Zeit beschlossen wurden. Alternativ können die Restrukturierer mit einer Generalvollmacht agieren und dadurch das Risiko einer Organhaftung verringern.

Die Vorstellungen zum angemessenen Tagessatz eines CROs sind dabei breit gestreut, so das Ergebnis der Befragung: Bereinigt um Extremwerte liegt der Mittelwert über alle Befragten hinweg im Durchschnitt bei 2.600 Euro pro Tag, zuzüglich Nebenkosten. Vergleicht man die Antworten einzelner Stakeholder-Gruppen auf die Frage, was ein CRO kosten darf, ergeben sich deutliche Unterschiede: Die Gruppe der Geschäftsführer und Manager sah die Restrukturierer dabei bei 4.000 Euro Tagessatz, während sich die CROs selbst mit 2.800 Euro nah am Mittelwert verorten. Auch Berater (2.900 Euro) und Gläubiger (2.700 Euro) liegen mit ihren Einschätzungen in einem ähnlichen Bereich. 

Greift erfolgsabhängige Vergütung?

Andere Gruppen dagegen reißen deutlich nach unten aus: Aus Sicht der Unternehmensgesellschafter sowie der Unternehmenskunden liegt der Tagessatz für einen CRO eher bei 2.000 Euro, Insolvenzverwalter veranschlagen 1.800 Euro, Arbeitnehmervertreter gestehen ihnen sogar nur 1.500 Euro Tagessatz zu. 

Drei Viertel der Befragten befürworten dabei grundsätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung für die Chief Restructuring Officer. Als Vorschläge, woran diese sich orientieren könnte, wurden beispielsweise der langfristige Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze, die Lösung operativer Herausforderungen oder auch eine positive Entwicklung bei Finanzkennzahlen wie Ebit oder Cashflow genannt. Umsetzen lassen sich variable Vergütungskomponenten bei den Restrukturierern allerdings nicht so leicht: Sind die Systeme zu kurzfristig aufgesetzt, drohen Fehlanreize. 

Werden längerfristige Erfolgsfaktoren eingebaut, müsste ein CRO akzeptieren, dass einige davon erst zum Tragen kämen, wenn er gar nicht mehr in dem Unternehmen tätig ist.

Denn allzu lange bleiben die Restrukturierer nicht an Bord: Einen Einsatzzeitraum von zwölf bis 18 Monaten halten 65 Prozent der Befragten für sinnvoll. Auch für einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten könnte sich noch jeder zweite einen CRO-Einsatz vorstellen. Kürzere oder längere Intervalle dagegen sind unüblich. 

Sind CROs besser als ihr Ruf?

Auffallend ist, dass das Image der CROs offenbar schlechter ist als der ihnen zugeschriebene Nutzen: Während die Befragten den Nutzen eines Chief Restructuring Officers auf einer Skala von -2 (er schadet) bis +2 (er nutzt) im Schnitt bei 1,4 einstufen, bewerten sie das Image der CROs in der breiten Öffentlichkeit auf einer Skala von –2 (schlecht) bis +2 (gut) nur beim Mittelwert 0.

Mehrere Experten begründeten dies den Studienautoren zufolge damit, dass es zu wenig gute CROs gebe und sich unter den CROs nach wie vor einige „schwarze Schafe“ befänden. In der Frage, welche Eigenschaften einen guten Restrukturierungsvorstand auszeichnen, herrscht dagegen Einigkeit: Als wichtigste Eigenschaft eines CROs sehen die Befragten seine Entscheidungsfähigkeit an, gefolgt von Durchsetzungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit. Dass Neulinge es in dem Geschäft schwer haben, geht aus einer weiteren hoch gewichteten Eigenschaft hervor: Krisenerfahrung  ist wenig überraschend nach Einschätzung der Befragten etwas, das ein guter Restrukturierer mitbringen sollte.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Für die Untersuchung wurden rund 200 Experten aus verschiedenen Stakeholder-Gruppen über einen standardisierten Fragebogen befragt, darunter Geschäftsführer, Eigentümer, Gläubiger, Arbeitnehmer, Insolvenzverwalter, Restrukturierungsberater und CROs. 35 Befragte haben im Rahmen von Interviews eine qualitative Einschätzung zu den Themen abgegeben.

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