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Celonis sorgt für Furore

CFO Guido Torrini scheidet bei Celonis aus und übergibt an Carlos Kirjner.
Celonis

Erfolgreicher Griff nach den Start-up-Sternen: Celonis schafft als erstes deutsches Jungunternehmen den Sprung zum Decacorn – zu Deutsch „Zehnmaleinhorn“. Dahinter verbirgt sich ein Start-up mit einer Unternehmensbewertung von mindestens 10 Milliarden US-Dollar. Die Münchner Tech-Schmiede kommt nach ihrer Series-D-Finanzierungsrunde nun sogar auf 11,1 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 9,2 Milliarden Euro). Damit ist Celonis zugleich Europas zweitwertvollstes Start-up hinter dem aus Rumänien stammenden Automatisierungsspezialisten UiPath.

Die astronomische Bewertung ist vor allem dem schnellen Wachstum der Münchener geschuldet: Einem Handelsblatt-Bericht zufolge lag der Umsatz von Celonis im Geschäftsjahr 2019/20 bei mehr als 100 Millionen Euro. Inzwischen soll er sich mehr als verdoppelt haben. Das Geschäft wachse aktuell im dreistelligen Bereich, heißt es von Seiten des Unternehmens. Details gibt der Anbieter von Unternehmenssoftware nicht preis.

Celonis gilt als Wegbereiter des „Process Minings“

Der Grund für den Boom: Die Münchener gelten als Wegbereiter und Marktführer im noch vergleichsweise jungen aber schnell wachsenden Feld des „Process Minings“. Das Start-up hat eine Software entwickelt, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Geschäftsprozesse der Unternehmen nach möglichen Einsparpotenzialen durchsucht und diese optimiert. 2018 knackte Celonis die Schallmauer der 1-Milliarde-US-Dollar-Unternehmensbewertung.

Nun folgte mit dem Aufstieg zum Decacorn der nächste Meilenstein. Mit Durable Capital Partners, T. Rowe Price Associates und Franklin Templeton konnte das Celonis-Management um CEO Bastian Nominacher gleich drei neue Geldgeber überzeugen. Auch bestehende Investoren, darunter Arena Holdings, beteiligen sich erneut an der Finanzierungsrunde. Insgesamt warb das Unternehmen 1 Milliarde US-Dollar an frischen Mitteln ein. Mit dem Geld will Celonis vor allem den weltweiten Rollout eines kürzlich vorgestellten neuen Produkts vorantreiben.

Ein Grund dafür, dass namhafte Investoren an das Potential der Münchener glauben, dürfte die illustre Kundenliste sein: Innerhalb von zehn Jahren nach der Gründung konnte Celonis Großkonzerne wie etwa die Deutsche Telekom, BMW, Coca Cola und AB Inbev als Kunden gewinnen. Sie nutzen die Lösung, um Abläufe in den Bereichen Finanzen, Einkauf, Logistik, Produktion oder Vertrieb zu verbessern.

CFO-Wechsel: Carlos Kirjner kommt von Google

Mit dem Sprung zum Decacorn wechselt die Software-Schmiede auch den Finanzchef und holt Carlos Kirjner als neuen CFO an Bord. Er folgt auf Guido Torrini, der seit September 2019 die Finanzen der Münchener verantwortet hatte. Wohin es Torrini nun zieht, ist noch nicht bekannt.

Mit Kirjner, der auch Teil des ebenfalls neu gegründeten Excecutive-Management-Teams wird, will Celonis die nächste Phase des starken Wachstums einläuten. „Carlos Kirjner ist eine visionäre Führungspersönlichkeit mit einer eindrucksvollen Erfolgsbilanz. Er hat einige der größten Branchentrends lange vor anderen erkannt und bewiesen, dass er in einem dynamischen Umfeld agil handeln kann“, sagt Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer von Celonis.

Die nötige Erfahrung für seine neue Aufgabe bringt der neue CFO durchaus mit. Carlos Kirjner, der einen Doktortitel in Elektrotechnik und Informatik von der University of California in Berkeley hat, war zuletzt als Vice President of Finance beim Internetgiganten Google tätig. In dieser Rolle verantwortete er die Finanzen von dessen Kerngeschäftsbereichen Google Ads, Google Search und des Karten- und Navigationsdienstes Maps mit Zehntausenden Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 150 Milliarden Dollar. Mit schnellem Wachstum, das Celonis auch für die kommenden Jahren anstrebt, kennt er sich also aus.

Meldung befeuert IPO-Spekulationen

Auch mit dem Kapitalmarkt hat der frisch gebackene Celonis-CFO bereits Erfahrung gesammelt. Vor seiner Zeit bei Google war Kirjner bei Sanford C Bernstein & Co. als Aktienanalyst für den Internet-Sektor zuständig. Diese Erfahrung, die Celonis in der Pressemitteilung hervorhebt, nährt die Spekulationen über einen möglicherweise anstehenden Börsengang des Start-up.

Gegenüber der F.A.Z. erklärte CEO Nominacher, ein IPO sei „langfristig interessant“. Der Mitgründer macht aber auch klar: „Das bündelt Kapazitäten, unser Kerngeschäft mit den Kunden ist uns wichtiger.“ Mit CFO Kirjner gibt es nun immerhin einen Finanzexperten dafür an Bord.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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