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Die Energiewende in Krisenzeiten finanzieren

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Energiewende zu finanzieren. Foto: Tinnakorn/stock.adobe.com
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Energiewende zu finanzieren. Foto: Tinnakorn/stock.adobe.com

Bei den Unternehmen steht die Energiewende an. Die Energiekrise macht das Thema nicht einfacher. Wie können Unternehmen am besten vorgehen?

Nach einer Untersuchung des Beratungshaus McKinsey belaufen sich die Investitionskosten im Rahmen der Energiewende auf insgesamt 6 Billionen Euro. Soll der CO2-Ausstoß im ersten Schritt bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden, müsste sich die Geschwindigkeit beim Klimaschutz gegenüber den vergangenen 30 Jahren zudem verdreifachen. Entsprechend rasant wären Maßnahmen in den nächsten Jahren umzusetzen, damit Energiewende und Kohleausstieg wirtschaftlich verträglich gestemmt werden können. Dazu müsste die Industrie sich nachhaltig verändern und das Stromsystem deutlich flexibler und leistungsfähiger aufstellen.

Unternehmen müssen Prozesse umstellen

Eine Studie der Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende hat gezeigt, dass der Stromverbrauch bei Klimaneutralität im Jahr 2045 auf 1000 Terrawattstunden ansteigen wird. Das sind 400 Terrawattstunden mehr als 2022. Denn neben zunehmender Elektromobilität müsste gerade die Industrie die Prozesse, die derzeit noch weitestgehend auf fossilen Energieträgern basieren, verstromen. Laut der Studie müssten Grundstoffindustrien wie die Stahlbranche neue Verfahren etablieren. Hier sollten etwa Direktreduktionsanlagen, die hauptsächlich mit Wasserstoff arbeiten, die alten Hochöfen ersetzen.

Letztlich müssten Unternehmen aber branchenübergreifend auf Energieträger wie Strom, Wasserstoff oder Biomasse umstellen, Verfahren zum Recycling chemischer Rohstoffe und zur Synthetisierung nicht fossiler Einsatzstoffe etablieren und die Kreislaufführung verstärken. Zudem werden jährlich Millionen Tonnen von CO2 abzuführen und einzuspeichern sein, da sich Restemissionen nicht vermeiden lassen.

Kein Wandel ohne Liquidität

All diese Entwicklungen sind für sich genommen bereits eine finanzielle Mammutaufgabe, angesichts der aktuellen Herausforderungen für KMU aber noch einmal gravierender. So lagen die Energiepreise laut dem statistischen Bundesamt allein im Juli 2022 um 105 Prozent über dem Vorjahresmonat – Erdgas verteuerte sich um fast 164 Prozent, elektrischer Strom um knapp 125 Prozent. Laut einer Blitzumfrage des Deutschen Mittelstands-Bunds sehen sich 73 Prozent der KMU durch die derzeitigen Energiepreise stark bis sehr stark belastet. Die Betriebe stehen dabei gleich mehrfach unter Druck: Das operative Geschäft wird zusätzlich durch Materialengpässe und gestiegene Kosten im Einkauf sowie die weiterhin sehr unsicheren Aussichten erschwert.

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Unternehmen haben Investitionen angesichts der Lage oft eingefroren. Dabei zeigt die Energie- und Gaskrise deutlich, wie dringend sich der Mittelstand von fossilen Brennstoffen und Energieimporten unabhängig machen sollte. Doch selbst, wenn die Bereitschaft da ist, fehlt es aktuell meist an Liquidität. Auch, weil sich klassische Kreditgeber angesichts der momentanen Unsicherheit zurückhaltend zeigen: Die KfW-ifo-Kredithürde stieg für KMU zuletzt auf fast 21 Prozent. Hier können objektbasierte und dadurch bonitätsunabhängige Finanzierungsansätze ein wichtiges Hilfsmittel sein. Gerade in angespannten und bewegten Zeiten sorgen Ansätze wie Sale & Lease Back oder Asset Based Credit für Liquidität.    

Das bringt Sale & Lease Back

Das Finanzierungsmodell Sale & Lease Back (SLB) unterstützt dabei, Liquidität durch reine Innenfinanzierung zu erhalten. Dazu werden werthaltige, mobile und fungible Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks an einen Finanzierer verkauft und unmittelbar zurückgeleast. Die Produktionsmittel sind somit ohne Unterbrechung nutzbar.

„die Energie- und Gaskrise zeigt deutlich, wie dringend sich der Mittelstand von fossilen Brennstoffen und Energieimporten unabhängig machen sollte.”

Carl-Jan von der Goltz, Maturus Finance

Mit SLB können Unternehmen stille Reserven heben und Liquidität für das operative Geschäft oder für Investitionen im Rahmen der Energiewende freisetzen. Selbst Restrukturierungen, Sanierungen oder die Ablösung bestehender Finanzierungen können mit dem Ansatz realisierbar sein. Dabei vergehen von der ersten Anfrage bis zur Auszahlung des Kaufpreises meist nur wenige Wochen.

Das bringt Asset Based Credit

Geht es um die Überbrückung von Liquiditätsengpässen, das Kompensieren der explodierten Beschaffungskosten, Lagererweiterungen oder nachhaltige Investitionen, dann kann auch der Ansatz Asset Based Credit aussichtsreich sein.

Er bietet Produktionsbetrieben, Händlern, Dienstleistern und Start-ups gleichsam eine Lösung. Während klassische Bankkredite fast ausschließlich auf die Unternehmensbonität abstellen, steht hier die Besicherung über das Anlage- und Umlaufvermögen im Zentrum: von Maschinen und Fahrzeugen über Handels- und Fertigwarenlager bis hin zu Sachwerten und Immobilien. Entscheidend für die Vergabe der kurz- bis mittelfristigen Darlehen sind Werthaltigkeit und Marktgängigkeit der jeweiligen Objekte.

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Carl-Jan von der Goltz ist geschäftsführender Gesellschafter von Maturus Finance, einem Anbieter für objektbasierte Finanzierungslösungen.

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