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Finanzspritze vom Family Office als Alternative zur Bank

Family Offices wollen renditestarke Beteiligungen. Geschäftlich kann es dabei Synergien geben.
Family Offices wollen renditestarke Beteiligungen. Geschäftlich kann es dabei Synergien geben. Foto: Andrii Yalanskyi - stock.adobe.com

Unternehmen, die auf der Suche nach einer Wachstums- oder Restrukturierungsfinanzierung sind, haben es in der Bankenlandschaft zurzeit mitunter schwer: Viele Kreditinstitute sind derzeit nicht in der Lage – oder nicht bereit – , weiteres Kapital zur Zukunftssicherung bereitzustellen. Das zwingt die Unternehmenslenker dazu, Finanzierungen abseits der Kreditinstitute zu realisieren. Dabei handelt es sich keineswegs immer um Firmen mit schlechter Perspektive, denen die Banken „den Geldhahn zudrehen“. Im Gegenteil: Häufig verfügen diese Unternehmen über innovative und zukunftsorientierte Produkte sowie eine leistungsstarke operative Unternehmensstruktur.

Family Offices, also Unternehmen, die ein (bankenunabhängiges) privates Großvermögen einer Eigentümerfamilie verwalten, wollen in diese Lücke vorstoßen. Aufgrund der Niedrigzinsphase mit drohenden Negativzinsen steigt ihr Interesse an alternativen Investitionsmöglichkeiten – und dazu zählen auch direkte Finanzierungen und Beteiligungen an innovativen und starken Mittelständlern.

Family Offices stehen für langfristige Investitionen

Bei einem Family Office sind die Motive für ein Engagement meist strategischer Natur. Der Fokus liegt auf langfristigen Beteiligungen an etablierten und innovativen Nischenanbietern und „Hidden Champions“. Die Investitionsstrategie ist in der Regel nicht auf eine kurzfristige Renditeoptimierung ausgerichtet, sondern zielt auf den Erhalt des Familienvermögens ab. Family Offices wollen nachhaltige Renditen erzielen und das ihnen anvertraute Vermögen diversifiziert investieren.

„Ein Liquiditätszufluss durch Family Office ist in der Regel deutlich unbürokratischer als durch Kreditinstitute.“

Ein wichtiger Aspekt für Unternehmen: Ein möglicher Liquiditätszufluss durch ein Family Office ist in der Regel deutlich unbürokratischer und schneller möglich als bei Finanzierungen durch Kreditinstitute. Dies gilt unabhängig davon, wie die Beteiligung im Einzelfall ausgestaltet ist. Neben dem Liquiditätszufluss gibt es einen weiteren Vorteil. Durch die hohe Kreditwürdigkeit des Family Offices steigt im Idealfall außerdem die Chance, dass das Unternehmen künftig Geld am Kapitalmarkt oder im klassischen Bankenkreis aufnehmen kann. Die strategischen Motive eines langfristigen Investors bedeuten für ein mittelständisches Unternehmen zudem hohe Planungssicherheit.

Wie Mittelständler von Family Offices profitieren können

Durch die Anbindung an das investierende Family Office können die Mittelständler zudem Teil einer größeren Unternehmensgruppe werden – mit allen Netzwerkeffekten, die sich daraus ergeben. So können eine größere Verhandlungsmacht gegenüber Kunden und Lieferanten oder die Eröffnung neuer Absatzmärkte für mittelständische Betriebe sehr relevant sein. Wenn ein Family Office sich entscheidet, beispielsweise den Einkauf für verschiedene seiner Portfolio-Unternehmen zu bündeln, können dadurch zumeist deutlich günstigere Einkaufsbedingungen, Konditionen und Zahlungsbedingungen erzielt werden.

Ein für viele Unternehmer wichtiger Punkt ist die Anteilsverteilung. Oft behalten die ursprünglichen Eigentümer ihre Anteile am Unternehmen vollständig oder mehrheitlich, in aller Regel bleiben sie zumindest teilweise beteiligt. Häufig liegt es im Interesse des investierenden Family Offices, dass die ehemaligen Eigentümer und die Geschäftsführung weiterhin im Unternehmen aktiv bleiben. Die Beteiligung durch ein Family Office kann durchaus erfolgen, ohne dass Anteile den Besitzer wechseln.

Beteiligungen bieten Family Offices Rendite und Streuung

Das aktuelle Marktumfeld, das immer stärker von Negativzinsen und steigender Inflation bei gleichzeitig hohen Liquiditätsreserven geprägt ist, stellt auch viele Offices vor Herausforderungen. Sie müssen abseits der üblichen Investitionsmöglichkeiten agieren. Die Beteiligung an grundsätzlich potenten mittelständischen Unternehmen bietet hierzu eine gute Möglichkeit. Die Family Offices können die Chance auf hohe, langfristige Renditemöglichkeiten nutzen und durch die Streuung der Investitionen auf verschiedene Beteiligungen gleichzeitig ihr Risiko senken.

„Ein Know-how- und Technologietransfer kann für andere Unternehmen im Portfolio relevant sein.“

Zudem kann eine Beteiligung an etablierten und innovativen mittelständischen Unternehmen auch dazu beitragen, das Know-how und die Technologiekompetenz im eigenen Netzwerk zu erweitern. Der Austausch darüber hilft dann womöglich auch weiteren Beteiligungen: Ein Know-how- und Technologietransfer kann für andere Unternehmen im Portfolio relevant sein und die Risiken eigenständiger (oftmals teurer) Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten reduzieren.

Die Akquisition von Nischenanbietern und Hidden Champions begünstigt zudem den Eintritt in neue Märkte und kann Türen öffnen: Anderen Portfoliounternehmen können sich durch die hinzugewonnene Expertise und Kapazität neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Davon profitiert auch das investierende Family Office unmittelbar.

Family Offices und Altgesellschafter: Verlässlichkeit zählt

Mittelständische Unternehmen zeichnen sich durch einen guten Ruf am Markt aus. Die oftmals generationenübergreifende, konstante Gesellschafterstruktur steht für Vertrauen und Verlässlichkeit. Davon profitiert das Family Office mit einer Beteiligung unmittelbar.

Sofern die Altgesellschafter weiterhin im Unternehmen aktiv bleiben oder am Unternehmen beteiligt sind, bedeutet dies auch für die Außendarstellung einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Daneben kann ein Family Office zumeist verlässlich auf die breite Unterstützung der Altgesellschafter bauen. Schließlich handelt es sich bei dem Investitionsobjekt um „ihr Unternehmen“.

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Kai Peppmeier ist geschäftsführender Partner der TMC Turnaround Management Consult GmbH. Er ist Fachmann für Interimsmanagement, Restrukturierungsberatung, Sanierungsmanagement und Fortführung in der Insolvenz. Außerdem begleitet er M&A-Prozesse.

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Jan Behler ist Project Manager bei der TMC Turnaround Management Consult GmbH. Zu seinen Schwerpunkten zählen neben der Restrukturierungsberatung auch das Sanierungsmanagement und die Fortführung in der Insolvenz. Außerdem begleitet er M&A-Prozesse.

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