Risiken: „Klassische Frühwarnindikatoren sagen nicht mehr viel aus“

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Ob Zollstreitigkeiten, internationale Konflikte oder die schwächelnde Wirtschaft – die daraus resultierende Unsicherheit sorgt derzeit für hohe Volatilität an den Märkten. Was dies für das Risikomanagement von Unternehmen und Finanzdienstleistern bedeutet, sagt Sonja Kardorf, Risikovorständin beim Leasingspezialisten Deutsche Leasing.    

Seit Corona habe sich die Risikolandschaft fundamental verändert: „Sie ist viel dynamischer geworden.“ Unternehmen müssten Bürokratie, Transformation und Nachhaltigkeit gleichzeitig managen – in einem Umfeld, in dem sich oft über Nacht schon wieder alles geändert hat. Das erschwere die Risikoabschätzung enorm.

Risikobewertung: Blick in die Historie nutzt nur bedingt

So nutze der früher bei der Risikobewertung obligatorische Blick in die Historie nur noch bedingt. „Damals habe ich mir die Bilanzen der vergangenen Jahre angeschaut und konnte gut prognostizieren, wie die weitere Entwicklung ist. Das ist nicht mehr der Fall“, sagt Kardorf. Auch der Blick in die Zukunft wird zunehmend schwerer. Das Problem: „Klassische Frühwarnindikatoren, die man früher im Banking gelernt hat, sagen gar nicht mehr viel aus“, sagt Kardorf.

Ihre Empfehlung: Unternehmer müssen „das Unmögliche denken“ und ihre Geschäftsstrategien grundlegend überprüfen. In der Verteidigungsindustrie, wo sich die Deutsche Leasing vorsichtig engagiert, zeigt sich die Unsicherheit deutlich: Viele Automobilzulieferer wollen umschwenken, doch eine Frage bleibt: „Kommen die Aufträge letztendlich auch?“.

Bei der Risikoeinschätzung setzt Kardorf daher neben den harten Zahlen auch auf Intuition. Bei Risikoentscheidungen gehöre „schon immer auch ein bisschen Bauchgefühl dazu und eben auch Erfahrung.“ Was derzeit ihr größter Schlafräuber ist und wie CFOs ihre Risikobewertung anpassen sollten, verrät Sonja Kardorf im Gespräch bei FINANCE TV.

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