Galeria Kaufhof

20.12.17
Wirtschaft

Atradius kappt Kreditlimits für Galeria Kaufhof

Ein weiterer Versicherer hat die Kreditsummen des Handelskonzerns Galeria Kaufhof gekürzt. Die Kölner bekommen die Krise nicht in den Griff. Bringt das Weihnachtsgeschäft nun die Rettung?

Die Lage um die Handelskette Galeria Kaufhof scheint sich kurz vor Weihnachten noch einmal zuzuspitzen. Der Kreditversicherer Atradius hat seine Garantiesummen für Kaufhof-Lieferanten ab dem kommenden Jahr drastisch bis ganz reduziert. Das hat der Konzern gegenüber FINANCE bestätigt. Das Fachmagazin „Textilwirtschaft“ hatte zuerst über diese Entwicklung berichtet.

Dem Bericht zufolge könnten die aktuellen Zahlen der Kölner Warenhauskette oder der kanadischen Mutter Hudson Bay’s Company (HBC) der Grund für diesen Schritt sein. Zudem habe Galeria relevante Finanzdaten nicht in der gewünschten Form an Atradius übertragen, schreibt das Magazin unter Berufung auf Branchenkreise.

FINANCE-Informationen zufolge stellt Galeria Kaufhof allen Rückversicherern die gleichen Finanzdaten zur Verfügung. Atradius hat sich dem Vernehmen nach als einziger entschieden, weitere Zahlen anzufordern.

Euler Hermes kürzte bereits Kaufhofs Kreditsummen

Galeria wollte sich zu dem Sachverhalt nicht äußern, teilte aber gegenüber FINANCE mit, man pflege gute Beziehungen zu allen Rückversicherern und sei zuversichtlich mit Atradius eine „tragfähige Lösung“ zu finden. Kaufhof sowie die Mutter HBC hätten „keinerlei Zahlungsschwierigkeiten“ gegenüber Lieferanten. Man wisse nicht, wieso Atradius sich zum reduzieren der Garantiesummen entschieden habe. Atradius teilte mit, man äußere sich „grundsätzlich nicht“.

Im Juli dieses Jahres war bekanntgeworden, dass Euler Hermes die Garantiesummen für Kaufhof stark reduziert hat.

Atradius ist somit der zweite Kreditversicherer, der die Kreditlimits für Galeria Kaufhof kappt. Im Juli dieses Jahres war bekanntgeworden, dass die Allianz-Tochter Euler Hermes die Garantiesummen stark reduziert hat.

Seinerzeit mehrten sich die Anzeichen, dass sich die Handelskette in finanzieller Not befindet. Im ersten Halbjahr 2017 hat der Handelskonzern laut der „Süddeutschen Zeitung“ einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 50 Millionen Euro eingefahren. Vor dem milliardenschweren Kauf durch HBC war Galeria noch profitabel.

Kaufhof leidet unter hohen Mietzahlungen

Die Galeria-Mutter HBC stand im Sommer Berichten der „SZ“ zufolge zudem kurz davor, Kreditklauseln (Covenants) eines Immobiliendarlehens im Volumen von gut 1,3 Milliarden Euro zu reißen. Das hätte auch Galeria Kaufhof hart getroffen, da die Kölner die Immobilien von HBC mietet.

Der neue Eigner hatte vor dem Kauf noch die Miete für die neue Tochter erhöht, um bei den Banken einen höheren Kredit auf den Kauf der Immobilien zu bekommen. Das belastet Kaufhofs Profitabilität enorm.

Im Oktober wurde dann bekannt, dass Kaufhof mit der Gewerkschaft Verdi und den Arbeitnehmervertretern über einen neuen Tarifvertrag verhandelt. Stimme Verdi den Forderungen nicht zu, drohe die Insolvenz, hieß es damals. Gerüchten zufolge bringt sich der Karstadt-Eigner René Benko schon für eine Übernahme in Position.

Der Schritt von Atradius die Kreditlimits zu kürzen, könnte auf eine weitere Verschärfung der Lage bei Kaufhof hindeuten. Es dürfte in den kommenden Wochen spannend werden, ob Kaufhof – etwa durch ein starkes Weihnachtsgeschäft – noch die finanzielle Kurve kriegt. Bislang liegen die Weihnachtsverkäufe im Handel allgemein unter den Erwartungen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de