Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat 200 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Darunter auch CFO Rainer Beaujean.

ProSiebenSat1MediaAG

03.03.20
Wirtschaft

Corona: ProSiebenSat.1-CFO Rainer Beaujean muss zuhause bleiben

ProSiebenSat.1 hat einen Coronafall – CFO Rainer Beaujean und CEO Max Conze müssen deshalb aus dem Homeoffice arbeiten. Die Bilanzpressekonferenz wird verschoben und findet als Telefon-Call statt.

Das Coronavirus hat jetzt auch den Medienkonzern ProSiebenSat.1 erreicht: Mehrere Mitarbeiter müssen von zuhause aus arbeiten, darunter CFO Rainer Beaujean und CEO Max Conze. Das hat ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Dpa bestätigt.

Auslöser war demnach ein infizierter Mitarbeiter aus Düsseldorf. ProSiebenSat.1 hat alle Kontaktpersonen des Infizierten sowie deren Kontakte in Unterföhring vor etwa einer Woche nach Hause geschickt. Die vorsorgliche Heimarbeit läuft Ende dieser Woche aus.

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Rainer Beaujean, ProSiebenSat.1 Media SE

1995 beginnt Rainer Beaujean seine Karriere bei der Deutschen Telekom und durchläuft verschiedene Stationen, unter anderem als Leiter des Vorstandsstabs Finanzen und Leiter Controlling für alle Auslandsbeteiligungen. Von 2000 bis 2004 ist er als CFO bei T-Online verantwortlich für die Ressorts Finanzen und Controlling. Ab 2004 bis zur Verschmelzung mit der Deutschen Telekom im Jahr 2006 ist er CEO von T-Online. Während seiner Zeit bei T-Online treibt Beaujean die Internationalisierung des Internetunternehmens und umfangreiche M&A-Aktivitäten sowie den Ausbau des Content-Geschäfts voran. T-Online ist in dieser Zeit der mit Abstand größte Wert im TecDax.

Im Juni 2007 wechselt Beaujean zum Kranhersteller Demag Cranes und verantwortet dort bis Ende 2011 als Vorstandsmitglied das Finanzressort. Zudem ist er für den weltweiten Einkauf verantwortlich. In dieser Zeit steigt Demag Cranes vom SDax in den MDax auf und wird umfangreich neu finanziert. Nach der Übernahme durch den US-Konzern Terex verlässt Beaujean das Unternehmen. Er wechselt zu einem der weltweit größten Mess- und Regeltechnikhersteller der Welt, der an der NYSE notierten Elster Group, wo er von Februar 2012 bis August des gleichen Jahres Managing Director und Finanzchef ist. Nachdem Elster vom börsennotierten britischen Unternehmen Melrose übernommen wird, verlässt er das Unternehmen.

Seit Dezember 2012 ist Rainer Beaujean Mitglied des Vorstands bei Gerresheimer und seit Februar 2013 für das Finanzressort verantwortlich. Ab Dezember 2013 übernimmt Rainer Beaujean zusätzlich zu seiner Funktion als CFO den Geschäftsbereich Life Science Research, bis dieser 2016 verkauft wird. Im Februar 2018 wird Beaujean Interimschef des Gerresheimer-Konzerns, nachdem sich CEO Christian Fischer überraschend zurückgezogen hat.

Im September 2018 wird bekannt, dass Beaujean seinen Vertrag nicht über den 30. April 2019 hinaus verlängern wird. Im Februar 2019 bestätigt ProSiebenSat.1, dass Beaujean zum 1. Juli 2019 neuer CFO der ProSiebenSat.1 Holding wird. Nicht einmal ein Jahr nach seinem Amtsantritt, Ende März 2020, steigt Beaujean zusätzlich zum Vorstandssprecher von ProSiebenSat.1 auf.

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Insgesamt müssen 200 Mitarbeiter dem Unternehmen fernbleiben. Die Hälfte von ihnen wurde bereits negativ getestet. Ob sich darunter die Vorstandsmitglieder befinden, ist nicht bekannt. Die nächsten Testergebnisse sollen in den nächsten Tagen folgen, danach soll auch wieder im Büro gearbeitet werden können.

ProSiebenSat.1 sagt Bilanz-Pressekonferenz ab

Wegen der Heimarbeit muss der Vorstand die Bilanz-Pressekonferenz in Unterföhring für kommenden Dienstag absagen, auf der die Jahreszahlen für 2019 vorgestellt werden sollten. Der Termin findet diesen Donnerstag per Telefon-Call statt, wie ein Sprecher des Konzerns bekanntgab.

Immer mehr Unternehmen empfehlen ihren Mitarbeitern die Heimarbeit, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren. Bei dem Automobilzulieferer Webasto – der als erstes großes deutsches Cluster des Virus‘ gilt – wurde der Betrieb nach mehreren Coronafällen für zwei Wochen lahmgelegt.

Ist Homeoffice bei Corona Pflicht?

Arbeitsrechtlich gesehen dürfen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern kein Homeoffice verordnen. „Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter nicht einseitig anweisen, von zu Hause zu arbeiten, da dies durch das Direktionsrecht des Arbeitgebers nicht abgedeckt ist. Stattdessen ist eine vorherige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erforderlich. Mitbestimmungsrechte des zuständigen Betriebsrates dürfen in diesem Fall nicht übergangen werden“, sagt Arbeitsrechtlerin Kerstin Neighbour von Hogan Lovells.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr über die bisherige Karriere von Finanzchef Rainer Beaujean erfahren Sie auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.