Skyline von Abu Dhabi: Die Geduld der Scheichs mit den Milliardenlöchern ihrer Staats-Airline Etihad in Europa ist offenbar zu Ende. Für Air Berlin wäre das eine Katastrophe.

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21.12.16
Wirtschaft

Lässt Etihad Air Berlin fallen?

Über Jahre hielt Etihad die Krisenairline Air Berlin am Leben – damit könnte es jetzt endgültig vorbei sein. Etihad will sich offenbar von den Verlustbringern im Europageschäft trennen.

Schlechte Nachrichten für die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin: Einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge stellt die Golf-Airline ihr gesamtes Europageschäft infrage. Das Engagement bei Air Berlin könnte damit vor dem Aus stehen. Ohne die regelmäßigen Finanzspritzen vom Golf dürfte es Air Berlin schwer fallen, noch für längere Zeit liquide zu bleiben.

Zudem drohen die Berliner ihren größten Fürsprecher, Etihad-Chef James Hogan, zu verlieren, der dem Vernehmen nach kurz vor der Abberufung steht. Um das Europageschäft soll sich stattdessen Ahmed Ali Al Sayegh kümmern, ein Manager, der das Engagement Etihads in Europa sehr kritisch sieht.

Etihad hat 1,5 Milliarden Euro in Air Berlin gepumpt

Hogan hatte sich in den vergangenen Jahren an diversen europäischen Airlines wie Air Serbia, Air Berlin und Alitalia beteiligt, um Zugang zu europäischen Kunden zu gewinnen. Air Berlin und Alitalia sind schwere Verlustbringer, Air Serbia hält sich gerade so in der Gewinnzone. Insgesamt sollen die europäischen Beteiligungen Etihad bislang mehr als 2,5 Milliarden Euro gekostet haben.

Allein in Air Berlin haben die Araber seit dem Einstieg 2011 inzwischen fast 1,5 Milliarden Euro gepumpt – vor wenigen Tagen erst 300 Millionen Euro für eine aus Sicht vieler Beobachter völlig überteuerte Übernahme des Air-Berlin-Anteils an der Billiglinie Niki. Etihad befindet sich inzwischen offenbar selbst in einer Krise. Die Airline steht vor einem radikalen Umbau und will bis zu 3.000 Arbeitsplätze abbauen – mehr als jeden zehnten Job. Die Gewinne, die Etihad zuletzt einflog, niedrige dreistellige Millionenbeträge pro Jahr, reichen jedenfalls bei weitem nicht aus, um die Verluste der Europa-Beteiligungen zu decken und den Kauf neuer Flugzeuge zu finanzieren. 

Air Berlin hängt am Tropf von Etihad

Ohne Etihad wäre Air Berlin vermutlich nicht überlebensfähig. 2015 schloss Air Berlin mit einem Minus von 477 Millionen Euro ab, das negative Eigenkapital liegt bei fast 1 Milliarde Euro. Kurzfristige Fälligkeiten bringen Air Berlin schon bald in Bedrängnis: Anfang des kommenden Jahres müssen die Berliner einen Teil ihrer Kredite zurückzahlen, mit denen sie die Löcher des Geschäftsjahres 2015 stopften. Mindestens 75 Millionen Euro werden fällig.

Laut „Handelsblatt“ prüfen die Araber sogar einen Notverkauf ihrer Europabeteiligungen unter Wert. Bei einer möglichen Zerschlagung von Air Berlin könnte die Lufthansa ins Spiel kommen, die gerade einen Teil der Air-Berlin-Flotte in ihr Eurowings-Netzwerk integriert. Aus den Reihen der Lufthansa kommt auch der neue Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, der den glücklosen Stefan Pichler ablöst.

Vor einer möglichen Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa stehen aber noch absehbare Kartellprobleme – und die Frage, wer den milliardenschweren Schuldenberg von Air Berlin bereinigt. Am Rande beteiligt ist auch der Reisekonzern Tui, dessen Fluglinie Tuifly ebenfalls einen Teil der Air-Berlin-Flüge aufgenommen hat und Etihad eigentlich als langfristigen Joint-Venture-Partner betrachtet hat.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Schwer angeschlagen und am Tropf von Großaktionär Etihad: Alles Wichtige zur Finanzlage von Deutschlands zweitgrößter Airline finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Air Berlin.