CFO Arnd Schwierholz konnte bei Air Berlin zwar die Kosten senken, doch die Lage bleibt ernst. Umsatz und Ebit gingen im ersten Halbjahr 2016 zurück.

Thomas Schuhmacher/airberlin

10.08.16
Finanzierungen

Air Berlin hat negatives Eigenkapital von fast 1 Milliarde Euro

Die Lage bei Air Berlin wird immer prekärer: Nach dem ersten Halbjahr 2016 sitzt die Fluggesellschaft auf einem negativen Eigenkapital von 987 Millionen Euro.

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin kommt finanziell auf keinen grünen Zweig. Im ersten Halbjahr 2016 litt die Airline unter rückläufigen Buchungen in kriselnden Regionen und unter Überkapazitäten im westlichen Mittelmeer. Das zeigt sich im Umsatz, der im Halbjahresvergleich mit 1,71 Milliarden Euro um 8,4 Prozent unter dem des ersten Halbjahres 2015 liegt (1,86 Milliarden Euro). „Obwohl wir unsere Kostenstruktur verbessert haben, standen wir im zweiten Quartal dieses Jahres vor größeren Herausforderungen als erwartet“, kommentierte CEO Stefan Pichler.

Das zeigt sich auch in den Zahlen. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war im ersten Halbjahr mit minus 234,9 Millionen Euro erneut deutlich negativ und lag damit um ein Drittel unter dem ersten Halbjahr 2015, als ein Ebit von minus 175,8 Millionen Euro angefallen war. 

Air Berlin hängt finanziell am Tropf von Etihad

Besonders dramatisch ist die Entwicklung beim Eigenkapital: Dieses hat sich im ersten Halbjahr erneut deutlich verringert und liegt nun mit fast 1 Milliarde Euro im Minus. Zum Jahresende hatte das Eigenkapital bereits bei minus 799 Millionen Euro gelegen, zum 30. Juni 2016 beträgt das Minus schon 987 Millionen Euro.

Handlungsfähig bleibt Air Berlin, das seine Flugzeugflotte inzwischen komplett über Leasing bezieht und alle eigenen Maschinen verkauft hat, nur durch externe Geldgeber, allen voran Großaktionär Etihad. Die Airline hat Air Berlin in diesem Jahr schon mehrfach unter die Arme gegriffen und nach FINANCE-Berechnungen inzwischen etwa 1 Milliarde Euro bei Air Berlin im Feuer.

Positiv: Die liquiden Mittel von Air Berlin sind im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr von 219 auf 398 Millionen Euro gewachsen. Zu dem Anstieg trugen laut Quartalsbericht neben Anzahlungen aus Buchungen auch Einzahlungen aus der Aufnahme von Finanzschulden bei. Die Summe der lang- und kurzfristigen Finanzschulden stieg zum Ende des ersten Halbjahrs 2016 auf insgesamt 1,325 Milliarden Euro, nach gut 1 Milliarde Euro zum Geschäftsjahresende 2015. Die Nettoverschuldung stieg im ersten Halbjahr auf rund 927 Millionen Euro, ein Plus von mehr als 5 Prozent gegenüber dem Bilanzstichtag 2015 (878 Millionen Euro). 

CFO Arnd Schwierholz kann Kosten senken

Das Management um CEO Pichler und CFO Arnd Schwierholz sieht unterdessen erste Erfolge bei den Maßnahmen zur Kostensenkung. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2015 gingen die Gesamtkosten um 6,4 Prozent zurück. Bei konstanten Wechselkursen wäre der Rückgang mit gut 10 Prozent sogar noch deutlicher ausgefallen.

Der Ausblick der Berliner für die kommenden Monate ist allerdings verhalten. Der anhaltende Marktdruck und das volatile Umfeld werden sich nach Erwartungen von Air Berlin auch auf das dritte Quartal auswirken. Große Sprünge beim Umsatz und Ertrag sind damit nicht zu erwarten. Womöglich muss CFO Schwierholz bei einer der nächsten Zahlenpräsentationen vermelden, dass die Milliardenmarke beim Eigenkapital überschritten wurde – im negativen Bereich.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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