Roland Berger bleibt die Nummer 1 der deutschen Unternehmensberatungen.

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10.06.15
Wirtschaft

Spitzenreiter Roland Berger büßt kräftig an Umsatz ein

Die deutschen Unternehmensberatungen bleiben auf Wachstumskurs – und werden auch dieses Jahr wieder von Roland Berger angeführt. Aber: Die Neuausrichtung des Traditionshauses drückt ordentlich auf den Umsatz.

Roland Berger bleibt Spitzenreiter: Das Beratungsunternehmen ist wieder auf Platz 1 der Top-10- Managementberatungen in Deutschland, wie die aktuelle Liste des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk zeigt. Dennoch zeichnen die Zahlen ein eher trübes Bild von Roland Berger, denn der Branchenprimus hat kräftig an Umsatz eingebüßt: Waren es 2013 noch geschätzte 750 Millionen Euro, hätten die Münchener 2014 nur noch 560 Millionen Euro umgesetzt, schätzt Lünendonk. Der starke Umsatzrückgang geht mit der strategischen Neuausrichtung von Roland Berger einher, in deren Rahmen auch die Mitarbeiterzahl um 300 Personen auf 2.700 zurückgegangen ist, erläutert Lünendonk.

Trotz des Rückgangs liegt Roland Berger weit vor der Konkurrenz: Auf Platz 2 liegt die Managementberatung zeb.rolfes.schierenbeck.associates mit einem Umsatz von 179 Millionen Euro. Platz drei belegt die stark aufholende Simon Kucher mit 172 Millionen Euro, gefolgt von Horvàth & Partners (122 Millionen Euro), Kienbaum (115 Millionen Euro), KPS (111 Millionen Euro), d-fine (96 Millionen Euro), Q-Perior (92 Millionen Euro) und Porsche Consulting (90 Millionen Euro). Auf Platz 10 rangiert mit 82 Millionen Euro das Beratungshaus Goetzpartners, das im Gegensatz zu den anderen Top-10-Häusern – mit Ausnahme von Roland Berger – auch ein starkes Standbein im Corporate-Finance- und M&A-Geschäft hat.

Die Verfolger von Roland Berger wachsen stark

„Auffällig ist, dass die meisten Beratungen, die es in die Top 10 geschafft haben, auf ein bestimmtes Themengebiet spezialisiert sind“, sagte Senior Advisor Thomas Lünendonk bei der Präsentation der Zahlen. So konzentriert sich Horvàrth beispielsweise auf Controlling, Kienbaum auf Personal und Q-Perior auf Versicherungen. Insgesamt erzielten die Top-10-Beratungen im In- und Ausland mit 7.100 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Während Roland Berger stark einbüßte, sind die übrigen neun Branchenführer 2014 um 9,2 Prozent gewachsen. Alle zehn Berater rechnen für dieses Jahr sogar mit einem noch schnelleren Wachstum von mehr als  10 Prozent.

Vor einigen Jahren sah die Lünendonk-Liste noch ganz anders aus: Damals bestand sie aus 25 Unternehmen und wurde von McKinsey und der Boston Consulting Group angeführt. Roland Berger war auf Platz drei. Vor zwei Jahren wurde das Ranking umgestellt: In den „Top 10 der deutschen Managementberatungen“ finden sich seither nur noch Unternehmen, die ihren Hauptsitz sowie die Mehrheit des Grund- und Stammkapitals in Deutschland haben. Internationale Beratungen, die signifikante Umsätze in Deutschland erzielen, aber nicht die beiden zuvor genannten Kriterien erfüllen, werden in der Liste „Internationale Managementberatung in Deutschland“ aufgeführt.

In dieser Liste  finden sich auch die Big Four Deloitte, KPMG, PwC und EY wieder, die mit ihren Advisory-Umsätzen für Deutschland aufgelistet sind. Die internationalen Beratungen haben in Deutschland Umsätze von 5 Milliarden Euro erzielt und rechnen mit einem Wachstum von 9,3 Prozent im nächsten Jahr. 

Banken füllen die Kassen der Managementberatungen

Die Königsdisziplin Strategieberatung steht interessanterweise nicht ganz oben in der Umsatzverteilung der 67 von Lünendonk untersuchten Beratungshäuser. Ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die großen deutschen Managementberatungen mit der Organisations- und Prozessberatung, lediglich ein Viertel mit Strategieberatung. Nur noch 10 Prozent der Umsätze werden durch IT-Beratung erzielt.

Die meisten Umsätze werden in der Finanzbranche generiert. „Das hängt nicht zuletzt auch mit den starken regulatorischen Anforderungen zusammen, denen die Banken seit der Finanzkrise ausgesetzt sind“, sagt Thomas Lünendonk.

Die aktuell größten Herausforderungen für die Beratungshäuser: Über 90 Prozent sehen in der Rekrutierung von Fachkräften  einen Wachstumshemmer. Dagegen findet weniger als die Hälfte, dass niedrige Marktpreise für ihre Beratungsleistungen ein Problem sind. Als ungewöhnlich dürften viele Top-Manager die Kritik von 20 Prozent der Beratungshäuser empfinden, die die Fluktuation von Ansprechpartnern in Unternehmen als problematisch ansehen – aber auch die Fluktuation in ihren eigenen Reihen.

julia.becker[at]finance-magazin.de