Wolf Heider-Sawall/HypoVereinsbank

16.11.17
Wirtschaft

Theodor Weimer wird neuer Chef der Deutschen Börse

Die Gerüchte haben sich bestätigt: HVB-Chef Theodor Weimer wird Nachfolger von Carsten Kengeter bei der Deutschen Börse. Man kann seinen Wechsel auch als Flucht aus München werten.

Es war mit einer Entscheidung im Laufe des Tages gerechnet worden, nun ist es offiziell: Theodor Weimer wird neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse. Der 57-Jährige wird den Posten zum Jahreswechsel antreten, sein Vertrag läuft über drei Jahre.

Weimer tritt damit die Nachfolge von Carsten Kengeter an, der die Deutsche Börse Ende des Jahres verlassen wird. Sein baldiges Ausscheiden war Ende Oktober bekanntgegeben worden. Ursprünglich wäre Kengeters Vertrag noch bis Ende März 2018 gelaufen. Die Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts auf Insiderhandel haben eine Vertragsverlängerung aber massiv erschwert. Kengeter trat zurück, um die Deutsche Börse nicht weiter durch das laufende Ermittlungsverfahren zu belasten, teilte das Unternehmen mit.

Theodor Weimer gibt HVB-Spitze nach neun Jahren ab

Genau wie sein Vorgänger Kengeter hat auch Weimer einen Investmentbanking-Hintergrund – er arbeitete viele Jahre bei Goldman Sachs und hatte auch bei der HVB ein waches Auge auf das Investmentbanking, das die Unicredit-Gruppe bei der HVB in München angesiedelt hatte. Auch McKinsey gehört zu Weimers Karrierestationen.

Obwohl Weimer schon seit 2009 Vorstandssprecher der HVB ist und seinen Vertrag erst im Frühjahr um drei Jahre verlängert hatte, kommt der Wechsel ins Deutsche-Börse-Hauptquartier nach Eschborn nicht überraschend. Auch wenn die HVB seit langem die stärkste Ertragssäule der italienischen Unicredit ist, musste Weimer mehrere Sparrunden durch das Unternehmen tragen und 3 Milliarden Euro an Sonderdividenden nach Mailand überweisen, um die Bilanz der Mutter zu stärken. Die Firmenkunden der HVB hatte dies spürbar beunruhigt.

Zuletzt musste Weimer auf Anweisung der Unicredit-Zentrale auch noch die Kommunikation nach außen massiv zurückfahren. Nicht nur Telefonkonferenzen, sogar die traditionelle Bilanzpressekonferenz durfte die HVB nicht mehr ausrichten – für den kommunikationsstarken Weimer eine schwer zu verdauende Anweisung. Vor Weimer hatte im vergangenen Jahr auch schon Firmenkundenvorstand Lutz Diederichs die HVB verlassen, um Deutschlandchef der BNP Paribas zu werden.

Gregor Pottmeyer bleibt CFO der Deutschen Börse

Wie die FAZ berichtet, hat neben Weimer zuletzt nur noch der aktuelle Börsen-CFO Gregor Pottmeyer auf der Kandidatenliste für die Kengeter-Nachfolge gestanden. Er wäre demnach aber nur dann zum Zuge gekommen, wenn der Dax-Konzern kurzfristig keinen geeigneten Kandidaten nach Eschborn hätte lotsen können.

Weimers Vorteil gegenüber Pottmeyer dürfte neben der CEO-Erfahrung auch sein, dass er als langjähriger Investmentbanker die Bedürfnisse der Kunden der Deutschen Börse in einigen Facetten besser verstehen dürfte als der Finanzmanager Pottmeyer, der keine Karrierestation im Investmentbanking vorweisen kann.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de