Deutsche Börse

26.10.17
Wirtschaft

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter geht

Carsten Kengeter, der seit Monaten unter dem Verdacht des Insiderhandels stehende Chef der Deutschen Börse, tritt ab. Wird Finanzchef Gregor Pottmeyer jetzt CEO?

Seit Monaten schon läuft gegen Carsten Kengeter ein Verfahren wegen des Verdachts auf Insiderhandel – jetzt hat der Chef der Deutschen Börse die Konsequenzen daraus gezogen und verlässt das Unternehmen. Das teilte die Deutsche Börse mit.

Kengeter geht zum Ende des Jahres. Er möchte zurücktreten, „um es der Gesellschaft zu ermöglichen, ihre Energie wieder voll auf ihre Kunden, das Geschäft und Wachstum zu fokussieren und sie nicht weiter Belastungen durch das laufende Ermittlungsverfahren auszusetzen“, heißt es in der Pressemitteilung des Konzerns.

Der Aufsichtsrat habe den Rücktritt mit großem Bedauern akzeptiert, heißt es weiter. Ein Nachfolger sei noch nicht gefunden, bis dahin werde Kengeter die Gesellschaft weiter führen. Als aussichtsreicher Nachfolgekandidat für Kengeter gilt Finanzchef Gregor Pottmeyer.

Ermittlungen gegen Kengeter waren beinahe vom Tisch

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt seit Februar dieses Jahres gegen Kengeter. Der Auslöser war ein Aktienkauf aus dem Dezember 2015 im Wert von 4,5 Millionen Euro, bereits zwei Monate später verkündete die Deutsche Börse die Fusionspläne mit der Londoner Börse. Unklar ist, ob Kengeter zum Zeitpunkt seines Aktienkaufs schon wusste, dass es zu einem Fusionsversuch kommen würde.

Dabei sah es vor einigen Wochen noch so aus, als wäre der Fall vom Tisch: Damals hatte die Deutsche Börse einer Einigung mit der Staatsanwaltschaft zugestimmt, mit dem Ziel, dass weitere Ermittlungen eingestellt werden. Demnach hätte der Konzern ein Bußgeld von 10,5 Millionen Euro zahlen müssen, Kengeter selbst eine halbe Million Euro.

Doch vor wenigen Tagen hebelte das Amtsgericht Frankfurt den Deal überraschend aus. Damit geriet eine Vertragsverlängerung Kengeters stärker ins Wanken, als sie es durch das Ermittlungsverfahren ohnehin schon war. Der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse Joachim Faber hatte erklärt, dass das Kontrollgremium sich erst nach Abschluss aller Verfahren mit einer Vertragsverlängerung beschäftigen werde. Der Dreijahresvertrag des CEOs wäre Ende März 2018 ausgelaufen, ein Ende des Ermittlungsverfahrens bis dahin eher unwahrscheinlich. Der Rücktritt Kengeters kommt damit nicht überraschend.

julia.schmitt[at]fnance-magazin.de