Ein Bild aus besseren Zeiten: Tuis Kreuzfahrtschiffe sind von Cash Cows zu Millionengräbern geworden. Was bedeutet das für den Wert von Tui Cruises?

Tui Cruises

FINANCE+ 25.01.21
Wirtschaft

Tuis stillgelegtes Kronjuwel

Corona, Geisterschiffe, Notkredite: Wie viel ist Tuis Kronjuwel, das Kreuzfahrtgeschäft, eigentlich noch wert?

Operative Gewinnmargen von fast 30 Prozent, Renditen auf das investierte Kapital von 10 bis 15 Prozent, dazu ein Nachfragewachstum von fast 10 Prozent im Jahr: Bis zum Ausbruch der Coronavirus-Krise war das Kreuzfahrtgeschäft die mit Abstand erfolgreichste Sparte, das Kronjuwel des Tui-Konzerns. Um der immer weiter wachsenden Nachfrage Herr zu werden, platzierte Tui mit seinem Joint-Venture-Partner Royal Caribbean aus den USA bei Werften Orders für Schiffsneubauten im Wert von über 1 Milliarde Euro.

Diese ganze schöne Reisewelt ist einem Albtraum gewichen. Seit März vergangenen Jahres liegt die Kreuzfahrtflotte des Joint Ventures vor Anker, nur wenige Schiffe sind seit dem Spätsommer auf sogenannten „Blauen Reisen“ ohne Landgänge unterwegs. Das Corona-Schutzkonzept an Bord geht auf, das wirtschaftliche eher nicht.

Im besten Fall verdient Tui auf diesen Kurztrips einen kleinen Deckungsbeitrag. Die sehr flache „Marginal Cost“-Kurve macht es wirtschaftlich, die Schiffe auch mit einem Drittel der Normalbelegung und ohne Ausflugsgeschäft cruisen zu lassen. Bei sehr hohen fixen und im Vergleich dazu überschaubaren variablen Kosten hilft eben fast jeder Euro Umsatz.

Tiefrot bleiben die Geschäftszahlen trotzdem. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20, das lediglich zu etwas mehr als der Hälfte Corona-geprägt war, fuhr Tui in seinem Kreuzfahrtgeschäft ein bereinigtes negatives Ebit von 323 Millionen Euro ein – nach 366 Millionen Euro Gewinn im Jahr davor. Was heißt das für die Finanzlage und den Wert der hoch geleveragten Kreuzfahrtgesellschaft Tui Cruises, zu der seit einem halben Jahr auch die bis dahin Tui allein gehörende Nobellinie Hapag-Lloyd Cruises gehört?

Tui Cruises: Bilanziell am Anschlag

Die Suche nach dem aktuellen Wert von Tui Cruises gleicht einer Fahrt im Nebel. Dies liegt auch daran, dass Tui die Gesellschaft lediglich „at equity“ bilanziert, also gemäß des Anteils von 50 Prozent. Der Rest von Tui Cruises gehört Royal Caribbean.

In der Vergangenheit partizipierte Tui am wirtschaftlichen Erfolg des Joint Ventures über üppige Dividenden. Doch diese drohen nun auf Jahre auszubleiben, denn das „Grounding“ der Flotte und das Verschwinden der Umsätze hat Tui Cruises schwer getroffen. Gleichzeitig kostet der Unterhalt der Flotte einen guten zweistelligen Millionenbetrag pro Monat, selbst dann, wenn die Schiffe vor Anker liegen.

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