Unister-Chef Thomas Wagner ist bei einem Flugzeugabsturz über Slowenien verunglückt und gestorben. Er wurde 38 Jahre alt.

Unister

15.07.16
Wirtschaft

Unister-Gründer Thomas Wagner stirbt bei Flugzeugabsturz

Unister-Chef Thomas Wagner und Mitgründer Oliver Schilling sind auf einer Geschäftsreise mit dem Flugzeug verunglückt. Die Umstände des Absturzes erinnern an einen Thriller.

Thomas Wagner, Gründer und Geschäftsführer des Internetunternehmens Unister, ist tot. Der 38-Jährige ist bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. Das hat das Leipziger Unternehmen mittlerweile bestätigt, nachdem zuvor einige Medien über das Unglück berichtet hatten.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge befand sich Wagner auf dem Weg von Venedig nach Leipzig, als das Kleinflugzeug abstürzte. Der Pilot der Maschine soll vor dem Absturz Probleme wegen Vereisung gemeldet haben, kurz darauf sei das Flugzeug in einen Wald gerast. Bilder von der Unfallstelle zeigen ein völlig ausgebranntes Wrack. Alle vier Insassen, darunter der 73-jährige Pilot und ein Banker, sind bei dem Unglück gestorben.

Am Freitagnachmittag verdichteten sich die Hinweise, dass unter den Toten mit Oliver Schilling auch ein weiterer Unister-Gründer und -Gesellschafter ist. Unister hat damit zwei seiner fünf Gesellschafter verloren. Wagner war unverheiratet und kinderlos. Schilling hinterlässt drei Kinder.

Thomas Wagner hatte viel Bargeld bei sich

Die Umstände des Flugzeugabsturz sind dubios. Konstantin Korosides, langjähriger Unister-Sprecher und Wegbegleiter Wagners, äußerte gegenüber der Leipziger Volkszeitung (LVZ) Zweifel, dass es sich um einen Unfall handelt. „Ich glaube nicht an einen normalen Absturz, das schließe ich aus“, wird er zitiert. Wagner sei in letzter Zeit sehr vorsichtig gewesen, es habe bereits Manipulationen an dem Porsche des Unister-Chefs gegeben. „Er machte sich Sorgen um seine Sicherheit“, berichtet sein Vertrauter.

2012 hatten Polizisten gegen Führungsmitglieder von Unister, darunter Wagner, wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Die Finanzströme in dem komplexen Unister-Imperium, zu dem auch die börsennotierte Tochter Travel24 gehört, sind schwer zu durchschauen. Zudem tobt an der Führungsspitze ein erbitterter Führungsstreit zwischen aktuellen und ehemaligen Managern und Gesellschaftern.

Der LVZ zufolge war Wagner wegen „Finanzfragen“ geschäftlich in Venedig. Die Bild berichtet, dass mehrere Millionen Euro Bargeld an Bord des abgestürzten Flugzeugs gewesen sein sollen. Angeblich hatte Wagner einen Geldkoffer bei sich.

Unister-Gründer war hoch umstritten

Thomas Wagner war einer der bekanntesten deutschen Unternehmensgründer. Er hatte Unister 2002 als Student ins Leben gerufen. Zu dem Konzern gehören Unternehmen wie Travel24, das auch eine strauchelnde Mittelstandsanleihe am Markt hat, sowie Vergleichsportale wie „fluege.de“ und „ab-in-den-urlaub.de“. Unister beschäftigt 1.200 Mitarbeiter bei einem Umsatz von etwa 500 Millionen Euro.

Trotz der Erfolgsgeschichte war Wagner nicht unumstritten. Neben dem Vorwurf der Steuerhinterziehung sah er zuletzt auch einer Anklage wegen unerlaubten Vertriebs von Versicherungen entgegen. Zum Prozess war es bislang nicht gekommen. Zudem ist Unister finanziell angeschlagen und sucht seit einiger Zeit einen Investor. Über Wagners Nachfolge will Unister zeitnah entscheiden.

jakob.eich[at]finance-magazin.de