Top-Manager in der Schweiz vertrauen ihrer Nationalbank - auch wenn wirtschaftlich schwere Zeiten auf sie zukommen.

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26.01.15
Wirtschaft

Schwere Zeiten für die Schweizer Wirtschaft

Von Anna Wulf

Die große Mehrheit der Top-Manager in der Schweiz sieht schwarz. Die Abkopplung des Franken vom Euro zwingt die Schweizer Unternehmen, Wachstumsstrategien ad acta zu legen und dafür ein altbekanntes Thema wieder auf die Agenda zu nehmen. Dennoch zeigen sich die Manager patriotisch.

Nachdem die Schweizer Nationalbank den Kurs des Franken freigegeben hat, bangen viele Schweizer Manager um die Zukunftsperspektive ihrer Branchen. In einer von Horváth & Partner unter 140 Schweizer Managern durchgeführten Umfrage bestätigten fast drei Viertel, dass die Abkopplung des Franken vom Euro einem „Tsunami“ für die nationale Wirtschaft gleichkommt, wie Swatch-CEO Nick Hayek es formuliert hatte.

72 Prozent der befragten Manager gehen davon aus, dass sich Kosten und Erlöse negativ entwickeln werden, sollte der Franken wie derzeit erwartet gegenüber dem Euro bis Ende des Jahres bei maximal 1,05 Franken oder darunter liegen. Mit einem wieder nachgebenden Franken-Kurs rechnet nur knapp ein Viertel der Befragten. Drei Viertel sind sich sicher, dass der Franken im nächsten Jahr gegenüber Euro und Dollar nicht nachgeben wird.

Schweiz: Manager müssen Wertschöpfungskette neu denken

Der starke Franken wirkt sich negativ auf die Kostenstruktur vieler Schweizer Unternehmen aus. Top-Manager stehen daher vor der Aufgabe, ihre Strategien anzupassen, um den Effekt abzumildern. Fragen der Kosteneffizienz verdrängen somit vorerst Wachstumsthemen von der Tagesordnung.

Anscheinend haben sich nicht alle Schweizer Unternehmen auf den Paukenschlag der Schweizer Nationalbank vorbereitet – anders als die Schweizer Nationalbank gehofft hatte. Deren Position lautete, dass sie der Schweizer Industrie drei Jahre Zeit verschafft habe, um sich gegen eine Aufwertung des Franken zu wappnen.

Doch offenbar haben die Notenbanker mit ihren vehementen öffentlichen Beteuerungen, die Untergrenze von 1,20 Schweizer Franken je Euro um jeden Preis zu verteidigen, die Schweizer Unternehmer in falscher Sicherheit gewogen. Viele von ihnen haben sich offenbar auf den gekoppelten Währungskurs der vergangenen Jahre verlassen und keine Vorkehrungen für den aktuellen Fall getroffen. Für 60 Prozent der befragten Manager liegt nun kurzfristig der Fokus darauf, wie sich zumindest ein Teil der Wertschöpfungsprozesse sinnvoll und kostenoptimierend ins Ausland verlagern lässt. Auch Overhead-Funktionen haben für viele Top-Manager Auslagerungspotential.

Die Schweizer Manager geben sich patriotisch

Eine weitere wichtige Hausaufgabe: Produktion, Logistik und Einkauf in Schweizer Unternehmen müssen effizienter werden, um gegenüber ausländischen Wettbewerbern bestehen zu können, deren Preise um einen Schlag gegenüber denen der Schweizer Anbieter um 20 Prozent billiger geworden sind. Zwei Drittel der Manager gehen davon aus, dass sie jetzt geplante Investitionen und Ausgaben senken müssen.

Horváth & Partner glaubt, dass international tätige Banken und Versicherungen vom Kurssprung des Franken besonders betroffen sind, aber auch Energieversorger mit hohen Umsätzen auf Basis von Strompreisen in Euro. Auch heimische Konsumgüter- und Industrieunternehmen litten unter dem starken Franken. Etwas besser seien aller Voraussicht nach die Aussichten für international tätige Konsumgüterunternehmen sowie für regional tätige Schweizer Banken.

Doch trotzdem zeigen sich die Schweizer Unternehmer patriotisch und kampfbereit: Fast 90 Prozent der befragten Manager glauben, dass die Notenbank das Richtige getan und ihre Flexibilität zurückerobert hat. Langfristig – so die Schweizer Manager – dürfte dies für die Schweiz von Vorteil sein.

anna.wulf[at]finance-magazin.de