Top-M&A-Anwalt Thomas Meurer: der Familienflüsterer

Artikel anhören
Artikel zusammenfassen
Teilen auf LinkedIn
Teilen per Mail
URL kopieren
Drucken
Thomas Meurer gilt über die europäischen Landesgrenzen hinaus als Top-M&A-Anwalt. Seine Stärke liegt besonders bei Familienunternehmen. Foto: Hengeler Mueller / Montage: FINANCE
Thomas Meurer gilt über die europäischen Landesgrenzen hinaus als Top-M&A-Anwalt. Seine Stärke liegt besonders bei Familienunternehmen. Foto: Hengeler Mueller / Montage: FINANCE

Ein Rheinländer führt mit einem Transaktionsvolumen von 26 Milliarden Euro die Spitze der Top-M&A-Anwälte im EMEA-Raum 2023 an. Es ist Thomas Meurer, Partner der deutschen Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller, tätig in Düsseldorf. Mit Beharrlichkeit und Sportsgeist hat er die größten Deals des Landes beackert und sich zum Top-Dealmaker hochgearbeitet.

Der 53-Jährige hatte zuletzt etwa bei der Beratung des Viessmann/Carrier-Deals die Zügel in der Hand sowie bei der Übernahme von Borco durch die Stock Spirits Group. Mit Viessmann hat Meurer ein Stück deutsche Industriegeschichte mitgeschrieben. Der über 13 Milliarden US-Dollar schwere Deal hat 2023 für viel Aufsehen gesorgt: Nachdem zunächst Gerüchte über einen Verkauf von Viessmann ins Ausland kursierten, bestätigte das Familienunternehmen die Spekulationen einen Tag später. Die Allendorfer verkauften ihr Herzstück, die Klimasparte – die für rund 85 Prozent des Umsatzes stand – an den US-Klimaspezialisten Carrier.

Info

Thomas Meurer zieht Stärke aus dem Sport

Der hohe Druck während eines Deals katapultiert viele M&A-Berater und -Anwälte in neue Leistungshöhen. Um diesem dauerhaft Stand zu halten, praktiziert Meurer bereits seit vielen Jahren seine allmorgendliche Sportroutine: 30 Minuten Cardio auf dem Rad und 30 Minuten Krafttraining. „Egal wie wenig ich in Top-Deal-Phasen schlafe, den Sport lasse ich als Letztes ausfallen“, sagt Meurer. Selbst in stressigen Phasen helfe der Sport in seinem Fitnessstudio zuhause, seine Gedanken zu ordnen.

„Die Mannschaft ist der Star“

Thomas Meurer, Hengeler Mueller

Sport war schon zu Schulzeiten ein wichtiger Begleiter für den im Markt als angenehm beschriebenen Anwalt. Bereits in der Mittelstufe ist er intensiv gerudert, auch viele Langstreckenregatten, und hat dabei sein Durchhaltevermögen trainiert. Höhepunkt seiner Ruderkarriere war eine der längsten Ruderregatten der Welt, die Tour du Léman, 160 Kilometer nonstop rund um den Genfersee. Er war 14 Stunden in einem Vierer mit Steuermann auf dem See unterwegs. Diese Erfahrung habe nicht nur seine Teamplayer-Mentalität geprägt, Meurer lernte damals auch eine für ihn wichtige Lektion: „dass sich nachhaltiger Erfolg am besten einstellt, wenn die Mannschaft der Star ist.“

Seit über 23 Jahren ist Meurer bei Hengeler Mueller

Und dieses Motto spiegelt sich auch bei Hengeler Mueller wider. Die deutsche Kanzlei agiert nicht nach dem „Eat-what-you-kill“-Prinzip, sondern will bei Mitarbeitern mit festgelegten Gehaltsstufen punkten, einem sogenannten Lockstep-System. Dieser gemeinschaftliche Kurs überzeugt Meurer nun bereits 23 Jahre lang.

„Als Lockstep-orientierte Kanzlei setzt man auf die Gleichbehandlung aller. Es herrscht eine hohe Kollegialität und Hilfsbereitschaft. Mandate sind Kanzleimandate und nicht die Projekte einzelner Anwältinnen und Anwälte. Dadurch gibt es auch kein internes Konkurrenzdenken“, so Meurer. Diese Haltung scheint er auch in der Mandatsarbeit zu leben. Ein Marktbegleiter sagt über ihn, er sei kein Anwalt, der den Eindruck vermittele, er müsse jemandem etwas beweisen.

Die Entscheidung für Hengeler Mueller ist eine bewusste, wie der Jurist im Gespräch mit FINANCE verrät: In regelmäßigen Abständen fragt sich der Düsseldorfer Anwalt, ob sein Job ihn noch erfüllt. Und bis heute ist er nach eigener Aussage immer wieder zu dem Entschluss gekommen, dass Hengeler Mueller genau die richtige Kanzlei für ihn ist. Er schätze die Homogenität der Kultur.

Dabei war die Kanzleiauswahl zu Beginn seiner Karriere purer Zufall. Damals war der Jobmarkt für angehende Juristen noch eher intransparent, weil weder Medien über den Markt berichtet hatten noch Kanzleien tiefe Einblicke gewährt haben. Hengeler Mueller überzeugte ihn bei einer klassischen „Roadshow“ an der Universität im Jahr 1999 in Bonn, wo er Jura studierte. Daraufhin absolvierte er seine Wahlstation bei Hengeler und war schnell überzeugt vom direkten Feedback, der Teamarbeit und der steilen Lernkurve bei einer Großkanzlei, die bei ihm bis dato nicht im Fokus stand.

Meurer berät häufig familiengeführte Unternehmen

Auch wenn man bei Hengeler Mueller gemeinschaftlich von „Kanzleimandaten“ spricht, hat jeder Partner die Möglichkeit, sich seinen eigenen Schwerpunkt aufzubauen. Meurer hat sich neben seiner Tätigkeit für die großen namhaften Mandanten wie Robert Bosch oder RWE einen guten Ruf bei familiengeführten Gesellschaften wie Viessmann, Sennheiser, Dr. Oetker oder Hueck/Röpke (Hella) erarbeitet. Ein weiteres Beispiel dafür ist Borco: Die Hamburger Inhaberfamilie Matthiesen hatte ihr Spirituosengeschäft Borco, das für Sierra Tequila, Finsbury Gin oder Glengoyne Whisky bekannt ist, im Juni 2023 an die Stock Spirits Group verkauft.

„Aus dem Zuhören ergeben sich die wichtigsten Argumente, eine Hürde zu überwinden“

Thomas Meurer, Partner bei Hengeler Mueller

Bei diesem und anderen Deals dieser Art schätzt Meurer besonders die Interaktion mit der Gesellschafterfamilie. „Bei Familiengesellschaften muss man die emotionale Bindung an das Unternehmen beachten. Man muss gut zuhören können, denn daraus ergeben sich meist die wichtigsten Argumente, um eine Hürde gemeinsam zu überwinden“, so der M&A-Anwalt.

Sein Verhandlungsgeschick schätzen auch Finanzinvestoren. Einer von ihnen hat ihm zu einem seiner größten Erfolge verholfen: 2012 beriet der gebürtige Rheinländer Madison Industries aus Chicago, als sie den früher zum Siemens-Konzern gehörenden Maschinenbauer Krauss Maffei an den kanadischen Finanzinvestor Onex verkauft haben. Rund vier Jahre später stand für Onex wieder der Exit bei Krauss Maffei an. Und Meurer durfte den Münchener Spezialmaschinenbauer zum zweiten Mal verkaufen, was gleichzeitig eines der ersten Milliarden-Investments eines chinesischen Investors, Chem China, in Deutschland war. „Zuweilen lernt man Mandanten zuerst auf der Gegenseite kennen, in dieser direkten Art passiert das allerdings sehr selten. Und darüber habe ich mich sehr gefreut“, so Meurer.

Hengeler und Meurer sind gemeinsam gewachsen 

Sein Job hat aber auch Schattenseiten. „Es ist immer wieder herausfordernd, dafür zu sorgen, dass man sich von diesem Beruf nicht zu sehr vereinnahmen lässt. Man könnte 24 Stunden am Tag arbeiten. Es braucht allerdings auch Zeit für Familie, um gemeinsam Spaß zu haben.“ Meurer betont, dass es mit zunehmender Erfahrung besser gelinge, durch einen vorausschauenden Arbeitsstil die unvermeidlichen Belastungsspitzen abzumildern. Man muss versuchen, stets vor der Welle sein, um sich den notwendigen persönlichen Freiraum zu schaffen.

Seiner Leidenschaft im Job tut diese Erkenntnis aber keinen Abbruch. „Speziell bei M&A-Transaktionen macht es Spaß, für die Parteien Brücken zu bauen und kreative Lösungen zu finden“, so der Anwalt. Gemeinsam am Verhandlungstisch maßgeschneiderte und ausgewogene Kompromisse zu entwickeln, die dauerhaft tragen, bereitetet ihm Freude. Darüber hinaus schätzt er das lebenslange Lernen als Transaktionsanwalt: „Nach fast 25 Jahren in diesem Beruf gehe ich abends immer noch mit neuen Erkenntnissen nach Hause.“

Flammt seine Leidenschaft für die Arbeit bei Hengeler Mueller auf ewig weiter? Bis zu seinem 50. Lebensjahr habe der Dealmaker nie über ein Leben ohne den Anwaltsberuf nachgedacht.

Das hat sich mittlerweile geändert: „Ich möchte die Altersgrenze nicht ausschöpfen. Es gibt auch andere, schöne und interessante Dinge, die einen Menschen ausfüllen.“ Damit bleiben den hiesigen Familienunternehmen immerhin noch ein paar Jahre, in denen sie auf die Expertise von Meurer zurückgreifen können.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.