Die deutsche Wirtschaft steht unter massivem Druck: geopolitische Spannungen, steigende Finanzierungskosten sowie anhaltende Unsicherheiten in der Energieversorgung erschweren die Planbarkeit und Transformation vieler Unternehmen. Nicht zuletzt Trumps massive Zollpolitik sorgt für hohe Verunsicherung.
Wie gelingt Transformation in Zeiten multipler Krisen? Welche Rolle spielt die Finanzfunktion in disruptiven Phasen? Und wie lassen sich Unternehmen zukunftssicher aufstellen, ohne an Stabilität zu verlieren? Diese Fragen standen im Zentrum der Konferenz „FINANCE Transformation 2025“, zu der FINANCE am 20. März 2025 erneut Entscheiderinnen und Entscheider aus der Finanzwelt in den F.A.Z. Tower nach Frankfurt eingeladen hat.
Automotive zwischen Restrukturierung und Transformation

Schnell wurde klar: Der Transformationsdruck ist nicht nur anhaltend hoch – er hat in vielen Sektoren weiter zugenommen. Eine Branche, die es besonders trifft, ist die Automobilbranche. Dazu gab es gleich zwei Werkstattberichte auf der FINANCE Transformation: Der Geschäftsführer des Automobilzulieferers Paragon, Klaus Dieter Frers, gewährte exklusive Einblicke, wie das Unternehmen durch gezielte Beteiligungsverkäufe die Verschuldung drastisch reduziert und die strategische Neuausrichtung beschleunigen konnte.
Dass die Finanzabteilung nicht nur Begleiter, sondern aktiver Treiber der Transformation ist, bewies Andreas Strecker, CFO von Rolls-Royce Power Systems. Sein Vortrag zeigte, wie Finanzprozesse in einer Zeit des Auftragsbooms für Getriebehersteller optimiert und Steuerungsmechanismen geschärft wurden, um trotz hoher Marktunsicherheiten profitabel und effizient zu agieren – mit einem klaren Fokus auf nachhaltigem Wachstum und Zukunftssicherung.

Auch die begleitende Diskussion rund um „Finanzierung in herausfordernden Zeiten“ machte deutlich: Kredite sind zwar da, doch Banken agieren deutlich restriktiver als in der Vergangenheit. Unternehmen aus kriselnden Sektoren wie Automotive bekommen Kredite womöglich noch verlängert, aber kaum mehr neue Finanzierungen. Die Wahl der Finanzierungspartner wird immer strategischer. Es braucht neue Wege – und ein tiefes Verständnis für passende Finanzierungsinstrumente in Transformationsphasen.
Galeria-CFO Christian Sailer spricht über das Warenhaus 2.0
Wie sich Transformation unter extremem Druck anfühlt, davon hat der neue Galeria-CFO Christian Sailer berichtet. Er gewährte spannende Einblicke in die wohl prominenteste deutsche Unternehmenssanierung der letzten Jahre: Nach der dritten Insolvenz wagt das Traditionshaus mit neuen Investoren im vergangenen Jahr einen radikalen Neustart – als „Warenhaus 2.0“. Sailer sprach offen über die Hürden des Wandels, interne Kulturthemen und die entscheidende Rolle des Finanzbereichs beim großen Reset. Er gab sich aber auch sehr optimistisch, denn unter der neuen Eigentümerschaft sind Dinge möglich, die in den vergangenen Jahren nie stringent angegangen wurde.

Welchen Hürden CFOs derzeit begegnen, hat der Finance-Transformation-Experte Julian Drellmann von FTI-Andersch mit dem erfahrenen Ingentis-CFO Patrick Lux besprochen. Dabei ging es nicht nur um Zahlen und KPIs, sondern auch um Führungsverantwortung, Change Management und Priorisierung in komplexen Entscheidungssituationen.
So hat Unzer zwölf Add-ons integriert

In Transformationsvorhaben spielt das Thema M&A häufig eine wichtige Rolle, die bei der FINANCE Transformation aus zwei Seiten beleuchtet wurden: So präsentierte der Chief Risk und Transformation Officer von Unzer, Jacob von Ingelheim, ihren bemerkenswerten Wandel: Aus zwölf Add-ons formte der Payment-Anbieter eine integrierte Unternehmensstruktur – samt Compliance-Offensive, Governance-Vereinheitlichung und technischer Neuausrichtung. Und die M&A-Beratung Saxenhammer hat die anspruchsvollen Rahmenbedingungen in Sell-Side M&A-Prozessen beleuchtet und wie man diesen begegnet, um potentielle Risiken zu vermeiden.
Zum Abschluss bot BMW-Stratege Christian Schwedler eine kraftvolle Perspektive: wie entscheidend es ist, neben dem Alltagsgeschäft genügend Raum für innovative Ideen zu gewähren und wie Unternehmen den Spagat zwischen Transformation und operativer Performance schaffen.

Neue Kontakte für die Transformation knüpfen
Auch der Austausch untereinander kam nicht zu kurz: In zwei Speed-Networking-Slots entstanden zahlreiche neue Kontakte – in kürzester Zeit lernten Teilnehmende neue Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner kennen. Sie konnten sich zu den Themen austauschen, die sie beschäftigen. Denn es gilt: Transformation beginnt durch Austausch – über klare Strategien, mutige Entscheidungen und die richtigen Enabler. Deswegen soll die Konferenz im nächsten Jahr in die dritte Runde gehen. Über Zeitpunkt und Ort informieren wir Sie rechtzeitig.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.
