Buchhändler Thalia expandiert im Spielwarenmarkt
Der Buchhändler Thalia plant, seine Präsenz im Spielwarenmarkt durch die Übernahme von Spielwaren Krömer und Toysino zu verstärken. Diese Akquisitionen, die im Oktober 2025 abgeschlossen werden sollen, umfassen insgesamt 39 Filialen in Deutschland. Die bisherigen Eigentümer beider Firmen, die Brüder Christian und Daniel Krömer, werden ihre Anteile vollständig an Thalia abgeben, jedoch in leitenden Positionen im neuen Spielwarensegment bei Thalia verbleiben. Der Kaufpreis bleibt vertraulich.
Die Übernahme von Krömer und Toysino durch Thalia erfolgt in einem sich wandelnden Spielwarenmarkt, in dem der Online-Handel zunehmend an Bedeutung gewinnt – Thalia will mit den Deals jedoch im stationären Handel expandieren und einen Ankerpunkt im urbanen Raum bilden. So soll auch die Integration von Kinderbüchern in das Sortiment der Spielwarengeschäfte durch die Expertise des neuen Eigentümers im Buchhandel unterstützt werden. Thalia plant, die bestehenden Geschäfte weiterzuführen und die Arbeitsplätze zu erhalten.
US-Firma Proofpoint übernimmt Hornetsecurity
Das US-amerikanische Unternehmen Proofpoint will den deutschen E-Mail-Sicherheitsspezialisten Hornetsecurity übernehmen. Mit dieser Akquisition möchte Proofpoint seine Position im Bereich der Cloud-Sicherheit für Microsofts M365 stärken. Hornetsecurity, ansässig in Hannover und ein Portfoliounternehmen des Growth-Investors Verdane, bietet umfassende Lösungen für E-Mail-Sicherheit und Mitarbeiterschulungen zu Phishing und Social Engineering an. Das bestehende Führungsteam um Gründer Daniel Hofmann bleibt an Bord, um die Weiterentwicklung der Produkte voranzutreiben. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant. Offiziell wird über den Kaufpreis geschwiegen, Medienberichten zufolge wird er auf über 1 Milliarde US-Dollar taxiert.
Proofpoint, im Besitz der Private-Equity-Firma Thoma Bravo, plant einen Börsengang im Jahr 2026. Um seine Marktposition vor diesem Schritt zu festigen, setzt das Unternehmen auf strategische Zukäufe. Der Erwerb von Hornetsecurity ist Teil dieser Strategie. Das Hannoveraner Unternehmen soll künftig weltweit vermarktet werden, um den Schutz von Mitarbeitern, Daten und Abläufen in Unternehmen zu verbessern.
Taxdoo übernimmt Accountdigital
Der Hamburger Steuer-Software-Hersteller Taxdoo hat die Übernahme des Branchenkollegen Accountdigital aus Mülheim-Kärlich bekanntgegeben. Accountdigital ist auf die Digitalisierung von Buchhaltungsprozessen mithilfe eines KI-basierten Buchhaltungstools spezialisiert, Taxdoo hingegen automatisiert die korrekte Abfuhr der Umsatzsteuer und erleichtert die Finanzbuchhaltung vor allem für E-Commerce-Händler.
Mit dieser Akquisition erweitert Taxdoo sein Portfolio und stärkt seine Position im Bereich der digitalen Steuerlösungen. Die Übernahme soll es Taxdoo nach eigenen Angaben ermöglichen, seine Dienstleistungen weiter auszubauen und neue Märkte zu erschließen.
Weitere M&A-Deals
Der Energieversorger EnBW veräußert seine Anteile am Braunkohlekraftwerk Lippendorf an den Miteigentümer EP Energy Transition. Der Verkauf, der zum 31. Dezember 2025 wirksam wird, ist Teil der Strategie von EnBW zur Dekarbonisierung des Erzeugungsportfolios. Mit dem Verkauf senkt der Konzern nach eigenen Angaben die CO2-Emissionen zusätzlich um bis zu zweieinhalb Millionen Tonnen jährlich. Stand heute, so EnBW, erhöht sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Erzeugungskapazität dadurch auf rund 64 Prozent.
Terras Tiefbau erweitert seine Präsenz im Westen durch die Übernahme des Branchenkollegen Raeder Straßen- und Tiefbau aus Mönchengladbach. Raeder bietet umfassende Tiefbaulösungen und ist in der Rhein-Ruhr-Region aktiv. Die Geschäftsführer Oliver Hölkermann und Alexander Vieten bleiben noch für mehrere Jahre an Bord und sollen die zweite Ebene technisch und kaufmännisch gemeinsam mit Terras weiter ausbauen und verstärken.
Biogeen hat zwei Biomethananlagen in Bayern von den gemeinsamen Anteilseignern Steinbeis und Abel Group erworben. Die Anlagen haben eine Gesamtkapazität von 900 Normkubikmetern pro Stunde und versorgen lokale Gemeinden mit Fernwärme. Diese Akquisition stärkt Biogeens Position im süddeutschen Markt und bietet Wachstumschancen. Es ist der erste Zukauf der Plattform für Biomethanenergie seit dem Einstieg des Schweizer Finanzinvestors Partners Group. Clearwater hat Biogeen bei dieser Transaktion beraten.
Die Terumo Corporation hat sich mit Wuxi Biologics auf den Kauf eines Arzneiproduktionswerks in Leverkusen und eines Qualitätskontrolllabors in Aprath geeinigt. Der Kaufpreis beträgt 150 Millionen Euro. Terumo, spezialisiert auf pharmazeutische Auftragsfertigung und -entwicklung, plant mit dieser Akquisition, seine Produktionskapazitäten in Europa auszubauen und den steigenden Anforderungen der Pharmaindustrie gerecht zu werden. CMS (Federführung: Hendrik Hirsch) hat Terumo bei dieser Transaktion beraten.
Blick in den M&A-Markt
Der erhoffte Aufschwung im M&A-Markt blieb zu Jahresbeginn aus. Besonders spürbar ist das im europäischen Mittelstand, wie der vierteljährliche Argos Index zeigt. Der Index misst die Entwicklung der Unternehmensbewertung von nicht-börsennotierten mittelständischen Unternehmen in der Eurozone. Die Analyse wird von Epsilon Research für Argos Wityu durchgeführt.
Im ersten Quartal sank der Index um 3 Prozent auf 9,5x Ebitda bei Mid-Cap-Transaktionen. Sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Käufer zahlten geringere Multiples, was die wachsende Besorgnis über die amerikanische Wirtschafts- und Handelspolitik widerspiegelt. Die M&A-Aktivität in der Eurozone verzeichnete einen Rückgang um 20 Prozent beim Volumen im Vergleich zum Vorquartal.
Die von Finanzinvestoren gezahlten Multiples sanken um 3 Prozent auf 10x Ebitda. Laut Argos Index wurden die Multiples vor allem durch eine gesunkene PE-Aktivität in diesem Quartal beeinflusst. Demnach gingen Private-Equity-Investitionen 2024 zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten zurück. Strategische Käufer zahlten im ersten Quartal 9,2x Ebitda, wobei die gestiegene Volatilität an den Aktienmärkten die Preisverhandlungen erschwerte. Trotz dieser Herausforderungen bleiben die finanziellen Bedingungen günstig, so die Ergebnisse der Untersuchung, und große Unternehmen sind weiterhin bereit, transformative Akquisitionen zu tätigen.
M&A-Berater-News
Marshberry, eine M&A-Beratung und Investmentbank für Versicherungsvermittler, setzt ihre europäische Wachstumsstrategie fort und verstärkt ihre Präsenz in der DACH-Region. Mit der Ernennung von Fabian Seul, David Kuprasch-Sras und Fabian Tröppner als verantwortliche Partner baut das Beratungshaus seinen Fußabdruck in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.
Samuel Kim übernimmt ab dem 1. Juni die Leitung des weltweiten M&A-Geschäfts der Deutschen Bank. Zuvor war er als M&A-Chef in Asien tätig. In seiner neuen Rolle berichtet er an Alison Harding-Jones, die seit April das Emissions- und Beratungsgeschäft leitet. Kim wird die M&A-Geschicke der Deutschen von New York aus leiten und sich auf große, grenzüberschreitende Transaktionen konzentrieren. Seine Nachfolgerin in Südkorea wird Hyun-Nam Park. Kim war zuvor 24 Jahre bei Morgan Stanley tätig.
Deals in Verhandlung
Während um ProSiebenSat.1. ein Machtkampf ausgebrochen ist, der sich um gleich zwei konkurrierende Angebote der bestehenden Großaktionäre Media for Europe (MFE) und PPF dreht, positioniert sich der Vorstand des Medienkonzerns deutlich: Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat haben empfohlen, das Übernahmeangebot der vom italienischen Berlusconi-Clan kontrollierten Sendergruppe MFE nicht anzunehmen.
Vor allem aus finanzieller Sicht sei die Übernahmeofferte „unzureichend“ und spiegele ,,nicht die erwartete künftige Wertentwicklung des Unternehmens wider“, betont ProSiebenSat.1. MFE will nur den gesetzlichen Mindestpreis von rund 4,50 Euro je Aktie zahlen, ohne eine sonst marktübliche Aufschlagprämie.
Dieses Angebot wurde schon kurz nach Bekanntgabe durch ein öffentliches Teilerwerbsangebot für ProSieben-Aktien durch PPF indirekt ausgehebelt, denn PPF bietet 7 Euro je Aktie, um ihre Beteiligung auf bis zu 29,99 Prozent des Grundkapitals aufstocken. Auf dieser Höhe hat sich auch der Aktienkurs von ProSiebenSat.1. eingependelt. Dass MFE bis zum Ende der Angebotsfrist (6. Juni) Aktionäre davon überzeugen kann, ihre Papiere anzudienen, ist sehr unwahrscheinlich.
M&A-Gerüchteküche
Der Münchner Agrarkonzern Baywa macht offenbar Fortschritte beim Verkauf seiner Auslandsbeteiligungen. Für den Rotterdamer Getreide- und Ölsaatenhändler Cefetra liegen nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mindestens zwei Kaufangebote vor, darunter von einem Branchenkonkurrenten und einem Hedgefonds. Baywa soll derzeit die Bücher der Bieter prüfen.
Der kriselnde Agrarkonzern will keine Stellung dazu nehmen und lässt lediglich verlauten: „Baywa ist planmäßig mit dem Verkauf großer Beteiligungen und Tochterfirmen im Rahmen der Transformation gestartet, äußert sich aber nicht zu Marktgerüchten.” Der Konzern plant, durch den Verkauf von Beteiligungen seine Schulden um 4 Milliarden Euro zu reduzieren. Bereits verkauft wurde die Beteiligung an Raiffeisen Ware Austria für 176 Millionen Euro.
Volkswagen soll den Verkauf seiner Designtochter Italdesign, die derzeit zur Marke Audi gehört, in Betracht ziehen. Wie Gewerkschaftsvertreter laut „Handelsblatt“ berichten, soll VW bereits vier bis fünf Interessensbekundungen erhalten haben. Audi soll bereits eine vorläufige Prüfung eingeleitet haben, um Italdesign für einen möglichen Verkauf vorzubereiten. Italdesign beschäftigt 1.300 Mitarbeiter und ist auf die Entwicklung und das Design von Autos spezialisiert. Audi selbst ließ lediglich neutral verlauten, dass der Konzern seine strategische Ausrichtung kontinuierlich überprüfe, das betreffe auch das Beteiligungsportfolio.
Info
Sie haben auch von Deals, Personalien oder sonstigen spannenden Gerüchten aus der deutschen M&A-Szene gehört? Dann schreiben Sie uns gerne an melanie.ehmann[at]finance-magazin.de.
Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.
