M&A-Deals: Baywa, Kind, Tönnies

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Baywa verkauft die Tochter Cefetra zur Schuldentilgung. Foro: Baywa
Baywa verkauft die Tochter Cefetra zur Schuldentilgung. Foro: Baywa

Baywa tilgt Millionenschulden mit Cefetra-Verkauf

Ein weiteres Baywa-Asset geht über die Ladentheke: Baywa hat sich mit der First-Dutch-Gruppe des niederländischen Unternehmers Peter Goedvolk auf den Verkauf der Tochtergesellschaft Cefetra geeinigt. Der Deal, der noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Prüfungen steht, werde die Bankverbindlichkeiten von Baywa um mehr als 650 Millionen Euro reduzieren, teilte das Unternehmen mit. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Transformation, die auf eine nachhaltige Zukunft mit weniger Schulden abzielt. Die frei werdenden Mittel sollen zur Stärkung der Liquidität und zur Schuldentilgung verwendet werden.

Für First Dutch ist der Erwerb von Cefetra ein wichtiger Schritt zur Stärkung der globalen Lieferkettenlösungen in den Bereichen landwirtschaftliche Rohstoffe, (Bio-)Kraftstoffe, Energie, Gas, Chemikalien und erneuerbare Energien. Cefetra ist ein großer Lieferant von landwirtschaftlichen Rohstoffen und betreibt 17 Unternehmen an über 35 Standorten.

Kind zieht sich aus dem Hörgeräte-Geschäft zurück

Mit einem Millionen-Deal zieht sich die Unternehmerfamilie Kind aus dem operativen Geschäft mit Hörgeräten zurück. Die gleichnamige Hörgerätekette geht für 700 Millionen Euro an den dänischen Hörgerätehersteller Demant. Mit dieser Übernahme erweitert Demant das globale Filialnetz auf 4.500 Standorte und erhöht die Präsenz in Deutschland von 300 auf 900 Filialen. Die rund 3.000 Mitarbeiter von Kind, die mehrheitlich in Deutschland tätig sind, werden künftig unter der Leitung von Demant arbeiten. Die Marke Kind bleibt bestehen.

Die Transaktion markiert den größten Zukauf in der Geschichte von Demant und sichert dem Unternehmen die Marktführerschaft in Deutschland. Der Verkauf könnte aufgrund der Marktpositionen beider Firmen die Wettbewerbslandschaft im Hörakustikmarkt nachhaltig verändern. Das grüne Licht vom Kartellamt steht noch aus. Latham & Watkins hat Demant bei der Übernahme beraten.

Bundeskartellamt stoppt Tönnies‘ Übernahme von Vion

Das Bundeskartellamt schiebt der geplanten Übernahme mehrerer Vion-Schlachthöfe durch den Fleischereiriesen Tönnies einen Riegel vor. Die Entscheidung fiel aufgrund der potentiellen Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung von Tönnies in der Schlachtung und Verarbeitung von Rindern und Schweinen in Deutschland, wie die Kartellbehörde bekanntgab.

Die Übernahme hätte Tönnies‘ Marktanteile in den Einzugsgebieten der Schlachthöfe in Buchloe, Waldkraiburg und Kempten auf über 40 Prozent erhöht, was die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer Anbieter erheblich beeinträchtigt hätte.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen von Tönnies zur Abmilderung der wettbewerblichen Bedenken, die unter anderem die Veräußerung und Verpachtung von Standorten beinhalteten, wurden als unzureichend angesehen. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig und kann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf angefochten werden.

Impfstoffforscher Biontech will Curevac schlucken

Biontech und Curevac haben als direkte Konkurrenten im Wettrennen um den ersten zugelassenen Corona-Impfstoff während der Pandemie enorm an Bekanntheit gewonnen – letztlich gelang Bionrech der Durchbruch, Curecav scheiterte. Nun will Biontech einen Teil seiner durch den Corona-Erfolg angehäuften 15,9 Milliarden Euro an liquiden Mitteln nutzen, um den Konkurrenten aufkaufen. Die Mainzer haben angekündigt, die Tübinger für umgerechnet 1 Milliarde Euro übernehmen zu wollen. Der Deal soll über einen Aktientausch abgewickelt werden, wobei Curevac-Aktionäre Biontech-Aktien erhalten.

Die Übernahme, die noch behördliche Genehmigungen benötigt, soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Curevac-Aktionäre werden nach der Transaktion zwischen 4 Prozent und 6 Prozent des neuen Unternehmens halten. Die Hauptaktionäre von Curevac, darunter die Holding von Dietmar Hopp, unterstützen den Deal. Biontech will durch die Übernahme seine Position in der mRNA-basierten Krebsimmuntherapie stärken und Curevacs Expertise in mRNA-Design und -Herstellung integrieren.

Die Bundesregierung, die über die KFW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit 13,32 Prozent an Curevac beteiligt, begrüßt die Übernahme. Die Transaktion wird von Covington & Burling, Hengeler Mueller, Loyens & Loeff, Nautadutilh sowie Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom begleitet. PJT Partners fungiert als exklusiver Finanzberater von Biontech, während Goldman Sachs Curevac berät.

Weitere M&A-Deals

PharmaSGP plant ein Delisting. Das Pharmaunternehmen mit Sitz in Gräfelfing bei München hat eine Delisting-Vereinbarung mit dem Mehrheitsaktionär Future abgeschlossen. Future werde ein öffentliches Delisting-Erwerbsangebot für alle nicht gehaltenen Aktien von PharmaSGP zu 28 Euro pro Aktie unterbreiten, meldet das auf nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel spezialisierte Unternehmen. Der Widerruf der Börsenzulassung soll vor Ablauf der Annahmefrist beantragt werden. Future hält derzeit 82,09 Prozent der Anteile, kontrolliert jedoch 89,93 Prozent der Stimmrechte. Ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre ist noch in diesem Jahr geplant.

Lemnatec, eine Tochter des Messtechnikspezialisten Nynomic, hat wesentliche Betriebsteile von SpexAI übernommen. Das teilte die Muttergesellschaft Nynomic mit. SpexAI, ein Dresdner Tech-Unternehmen, entwickelt KI-gestützte Bildgebungstechnologien und multispektrale Sensoren zur Überwachung von Pflanzen. Diese Technologien sind besonders im Cannabisanbau relevant, da sie THC- und CBD-Werte bestimmen und Nährstoffmängel sowie Krankheiten frühzeitig erkennen. Die Übernahme stärkt Lemnatecs Portfolio und fördert die Innovationskraft der Nynomic Gruppe. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Dumont Mediengruppe hat eine Mehrheitsbeteiligung an Rausgegangen übernommen, einem Anbieter von Freizeit- und Veranstaltungsempfehlungen in deutschen Großstädten. Mit über vier Millionen monatlichen Pageviews und 360.000 registrierten Nutzern bietet Rausgegangen umfassende Lösungen für Kulturveranstalter. Diese Akquisition stärkt Dumonts digitales Portfolio und eröffnet Rausgegangen neue Kooperationsmöglichkeiten. Deloitte Legal (Federführung: Michael von Rüden, Dirk Hänisch und Thilo Hoffmann) hat Dumont bei dem Deal beraten.

Aptean, ein Anbieter von KI-gesteuerten ERP-Lösungen, hat das deutsche Softwareunternehmen Vlexgroup übernommen. Vlexgroup, mit Sitz in Kulmbach, ist bekannt für variantenorientierte ERP-Lösungen für mittelständische Unternehmen in der DACH-Region. Mit dieser Akquisition stärkt Aptean die Präsenz in der Region und erweitert die Kapazitäten im Variantenfertigungssektor. Aptean wurde bei diesem Deal von einem Team der Kanzlei Orrick beraten.

M&A-Berater-News

Alvarez & Marsal erweitert das M&A-Dienstleistungsportfolio in der DACH-Region mit Christian Ramme. Gemeinsam mit Stephan Brücher, Alexander Bischoff, Daniel Bentrup und Heinrich Kerstien wird die Entwicklung des EMEA-Corporate-Finance-Angebots vorangetrieben. Der Fokus liegt auf der Expansion der grenzüberschreitenden M&A-Services im Software- und Technologiesektor. Das Unternehmen strebt den Aufbau einer internationalen Mid-Market-Corporate-Finance-Plattform an. Jürgen Zapf, Steffen Kroner, Philipp Ostermeier, Andreas Schwabe, Niko von Tippelskirch, Thomas Queda und Roland Dargel sind Teil des Teams.

DC Advisory hat Martin Moser zum Managing Director in Deutschland ernannt, um die globale Healthcare-Präsenz zu stärken. Moser bringt 16 Jahre Erfahrung mit, zuletzt als Leiter der DACH-Healthcare-Praxis bei Baird und Partner bei IMAP. Er kehrt zu DC Advisory zurück, wo er 2010 als Analyst begann. Mosers Ernennung erweitert das 36-köpfige Healthcare-Team von DC Advisory in Europa, den USA und Asien. Stefan Jaecker, CEO von DC Advisory Deutschland, betont die Bedeutung von Mosers Rückkehr für die Stärkung der Position als führender globaler Healthcare-Berater – ein Sektor, der für Private Equity nach wie vor sehr beliebt ist. 

Deals in Verhandlung

Unicredit-Chef Andrea Orcel ist entschlossen, die Übernahme der Commerzbank voranzutreiben. So soll noch im Sommer eine Entscheidung getroffen werden, ob Unicredit die Kaufoptionen für 18 Prozent der Commerzbank-Anteile ausüben wird, um den Anteil auf knapp 30 Prozent zu erhöhen.

Orcel betonte auf einer Bankenkonferenz von Goldman Sachs in Berlin, dass ein solcher Anteil mit Rechten und Einfluss verbunden ist, die er nutzen möchte, um die Bundesregierung und die Commerzbank-Führung zu Verhandlungen zu bewegen. Orcel sei bereit, geduldig zu sein und den Prozess in die Länge zu ziehen, falls keine Gespräche zustande kommen.

Unicredit hält bereits 28 Prozent der Anteile, während die Bundesregierung mit 12 Prozent beteiligt ist. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich indes in einem Schreiben an den Betriebsrat der Commerzbank gewandt und seine Unterstützung zugesichert. Merz kritisiert das unfreundliche Vorgehen von Unicredit und betont die Bedeutung der Commerzbank für den deutschen Mittelstand.

Der Mischkonzern Frauenthal untersucht derzeit die strategische Neuausrichtung seiner Automotive-Division. Ziel sei es, festzustellen, ob ein alternativer strategischer Eigentümer besser geeignet wäre, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in diesem Bereich zu bewältigen und gleichzeitig die langfristigen Potentiale konsequent zu realisieren. Zur Unterstützung dieses Prozesses hat die Frauenthal Gruppe ein erfahrenes Beratungsunternehmen mandatiert, das nicht näher benannt wurde. Das Wiener Unternehmen stellt hauptsächlich Bauteile für die europäische Nutzfahrzeugindustrie her und ist im Großhandel mit Sanitärkeramik und Heizungen aktiv.

M&A-Gerüchteküche

Der Versicherungsriese Allianz soll der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge mit der Übernahme des dänischen Private-Debt-Spezialisten Capital Four liebäugeln. Die Münchner sollen demnach Interesse an der dänischen Investment-Boutique haben, die 23 Milliarden Euro an Assets verwaltet, darunter 8 Milliarden Euro in Private Debt. Offiziell bestätigt ist das Interesse jedoch nicht, und auch Capital Four hat sich bisher nicht geäußert. Der potentielle Deal würde zur Strategie von Allianz Global Investors passen, die auf anorganisches Wachstum im Bereich Private Markets setzt.

Info

Melanie Ehmann ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen am M&A- und Private-Equity-Markt. Sie hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Melanie Ehmann sechs Jahre in der Redaktion des Platow Verlags, zunächst als Volontärin, später als Wirtschaftsjournalistin im Platow Brief und den Sonderpublikationen.