ProSiebenSat.1 veräußert AdTech-Sparte
Die Portfoliofokussierung bei ProSiebenSat1. ist im vollen Gang. Die Bayern in italienischer Hand veräußern das Connected-TV-Vermarktungsunternehmen Esome und das Retail-Media-Unternehmen Kairion an die Private-Equity-Gesellschaft Pivotum Capital. Der Verkauf unterstreicht die strategische Neuausrichtung von ProSiebenSat.1 auf das Entertainment-Kerngeschäft.
Esome, bekannt für seine Expertise im Connected TV, bietet innovative Kampagnenkonzepte im Streamingbereich. Kairion, Marktführer im Healthcare-Bereich, bietet mit seiner Technologieplattform Werbemöglichkeiten für über 40 Online-Händler. Pivotum Capital plant nun, die Marktposition beider Unternehmen weiterzuentwickeln.
Heideldruck geht Rüstungs-Joint-Venture ein
Heidelberger Druckmaschinen baut das Engagement im Rüstungsmarkt weiter aus. Über das Tochterunternehmen HD Advanced Technologies gehen die Heidelberger ein Joint Venture mit Ondas Autonomous Systems ein. Ziel des Joint Ventures mit dem Namen Onberg Autonomous Systems ist der Aufbau eines One-Stop-Shops für autonome Drohnenabwehrsysteme in Europa. Der Standort Brandenburg an der Havel soll dabei zum Kompetenzzentrum für Drohnenabwehr ausgebaut werden, um kritische Infrastrukturen zu schützen und die europäische Sicherheitsarchitektur zu stärken.
Onberg plant, die bestehende Infrastruktur von Heidelberger Druckmaschinen zu nutzen, um die Produktion und Entwicklung autonomer Sicherheitssysteme zu industrialisieren. Der Fokus liegt auf der lokalen Montage und Fertigung, basierend auf europäischen Lieferketten. Der operative Start des Joint Ventures erfolgt mit der Vermarktung von OAS-Produkten in Deutschland und der Ukraine, gefolgt von einer Expansion in die Europäische Union. Die Kanzlei Linklaters beriet Heidelberger Druckmaschinen bei dem Deal.
Goldbeck formt Rechenzentren-Allianz
Goldbeck will vom Boom um Rechenzentren profitieren. Das Familienunternehmen übernimmt 50 Prozent der Anteile an Zaunergroup. Die Zaunergroup mit Hauptsitz in Österreich ist auf industriellen Anlagenbau, Rohrleitungsbau und technischen Industrieservice spezialisiert. Die Österreicher realisieren Projekte in Branchen wie Energie, Pharma, Chemie, Halbleiter und Datenzentren. Über den Kaufpreis vereinbaren beide Parteien Stillschweigen.
Die Kooperation zielt darauf ab, Kunden umfassende Lösungen für Planung, Bau und Inbetriebnahme von Data Centern anzubieten. Goldbeck bringt dabei seine Expertise im Bauwesen ein, während Zaunergroup ihr Know-how im Industrieanlagenbau beisteuert. Beide Unternehmen sollen unabhängig bleiben und ihre Geschäftsbereiche eigenverantwortlich weiterführen.
Goldbeck mandatierte für die Transaktion KPMG für finanzielle und steuerliche Belange sowie KPMG Law – Buchberger Ettmayer als Rechtsberater. Die Wiener Anwaltskanzlei Weber & Co beriet die Zaunergroup.
Weitere M&A-Deals
Der Zeitungsverlag Oberbayern hat eine Beteiligung an dem Ad-Tech-Unternehmen Showheroes erworben. Im Rahmen der Transaktion überträgt das Medienhaus seine Anteile an der Münchener Werbeplattformbetreiberin Traffective an Showheores. Dadurch entsteht ein neues Konstrukt, das künftig unter dem Namen Traffective by Showheroes firmieren wird. Durch den Zusammenschluss soll einer der größten unabhängigen Vermarkter für Publisher in Europa entstehen. Das Big-Four-Haus Deloitte stand Oberbayern bei dem Beteiligungserwerb rechtlich zur Seite.
Dormakaba ist fortan alleiniger Gesellschafter bei dem Softwareplattform-Unternehmen Any2any. Vor dem Erwerb aller Geschäftsanteile hielt der Systemanbieter für Sicherheit bereits eine Minderheitsbeteiligung an dem Münchener Unternehmen. Mit dem Deal plant der Käufer, den Ausbau seiner Mobile-Wallet-Funktionalität voranzutreiben. Bei der Transaktion wurde Dormakaba von der Kanzlei Poellath beraten.
Die Köster-Gruppe setzt ihren Wachstumskurs fort und übernimmt die Wacker Bauunternehmung aus Offenburg. Das 1874 gegründete Familienunternehmen soll dabei als eigenständige Marke bestehen bleiben. Das Unternehmen ist als Generalunternehmer im schlüsselfertigen Wohn- und Gewerbebau sowie im Rohbau tätig.
Blick in den M&A-Markt
Der Transaktionsmarkt zieht nach dem Comeback 2025 weiter an – allerdings in einem strukturell schwierigeren Umfeld aus geopolitischer Fragmentierung, regulatorischer Volatilität sowie neuen Steuer- und Handelsregimen. Das zeigt der „2026 Global M&A Outlook“ von KPMG. 56 Prozent der befragten 700 Dealmaker erwarten 2026 eine vollere Pipeline als 2025. Gleichzeitig bleibt die Deal-Selektion strikt: KPMG sieht mehr Mid-Cap-Transaktionen als Megadeals, weil Bewertung und Modellierung durch bewegliche Annahmen (Tax, Supply Chain, Regulierung) komplexer werden.
Der klare Trend für 2026 lautet: Carve-out. 50 Prozent der Befragten rechnen mit einer steigenden Zahl an Abspaltungen in den nächsten 12–24 Monaten, nur 6 Prozent mit einem Rückgang. Treiber sind vor allem Portfolio-Optimierung und Fokus aufs Kerngeschäft: Als häufigste strategische Motive nennt die Studie Expansion in neue Märkte (58 Prozent), Wachstum des Core (57 Prozent) sowie Technologie-/Talent-Zukauf (46 Prozent). Auf der Sellside stehen bei Carve-outs operative Effizienz (52 Prozent) und die Bewertung des „Remainco“ (42 Prozent) im Vordergrund.
Die größten Carve-out-Hürden sind laut dem Big-Four-Haus operatives Entflechten (52 Prozent), Bewertungskomplexität (43 Prozent) und IT-/Daten-Separation (40 Prozent), gefolgt von Talentbindung (32 Prozent) und Regulatorik (25 Prozent). Zudem driften Käuferprofile auseinander: Private-Equity-Häuser planen im Schnitt 7,3 Deals (Corporates: 5,2) und sind deutlich stärker auf Carve-out-Akquisitionen (55 Prozent vs. 21 Prozent) sowie Minority-to-Majority-Strukturen (50 Prozent gegenüber 18 Prozent) aus.
M&A-Berater-News
Armin von Falkenhayn ist neues Aufsichtsratsmitglied bei Uniper. Der ehemalige Country-CEO DACH der Bank of America hatte das Kreditinstitut nach rund 10 Jahren im Dezember 2025 verlassen und wollte sich neuen beruflichen Herausforderungen widmen, wie es damals in einer Pressemitteilung hieß. Neben seinem neuen Aufsichtsratsmandat ist von Falkenhayn Kurationsmitglied bei dem Frankfurter Museum Schirn und bei der deutschen Sporthilfe. Außerdem ist er Vorstandsmitglied beim Deutschen Aktieninstitut und dem Center für Financial Studies.
Deals in Verhandlung
Der Übernahme-Krimi um die Commerzbank geht in die nächste Runde. Die Unicredit hat ein freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank angekündigt. Die italienische Großbank plant, den Erwerb mit eigenen Aktien zu finanzieren. Aktionäre sollen pro Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien erhalten, was einem Aufschlag von vier Prozent zum letzten Schlusskurs entspricht.
Das Angebot von Unicredit wird voraussichtlich Anfang Mai starten, begleitet von einer vierwöchigen Angebotsfrist. Trotz der Pläne sieht sich Unicredit erheblichen Widerständen gegenüber. Das Management der Commerzbank lehnt die Übernahme ab, ebenso wie die Bundesregierung, die 13 Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Die Commerzbank betont ihre Strategie der Eigenständigkeit und sieht im Angebot keine Prämie für ihre Aktionäre.
TK Elevator könnte bald in finnischer Hand sein. Der finnische Aufzughersteller Kone führt Gespräche zur Übernahme mit den Eigentümern des Herstellers von Aufzügen, Advent und Cinven, wie Bloomberg berichtet. Die Private-Equity-Gesellschaften sollen dabei eine Bewertung von 25 Milliarden Euro inklusive Schulden anstreben. Parallel dazu soll jedoch auch weiter ein Börsengang vorbereitet werden. TK Elevator wurde 2020 für 17,2 Milliarden Euro von Thyssenkrupp herausgelöst. Ein Zusammenschluss könnte regulatorische Hürden mit sich bringen, da Wettbewerbsbehörden den Deal prüfen dürften. Kone müsste möglicherweise Teile des Geschäfts veräußern, um eine Genehmigung zu erhalten.
Info
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Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
