Commerzbank: Orcel-Pläne laufen auf Restrukturierung hinaus

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CEO Bettina Orlopp verteidigt die Strategie der Commerzbank. Anfang Mai stellt sie die Pläne bis 2030 vor. Foto: Commerzbank AG
CEO Bettina Orlopp verteidigt die Strategie der Commerzbank. Anfang Mai stellt sie die Pläne bis 2030 vor. Foto: Commerzbank AG

Im Übernahmeversuch durch die Unicredit setzt die Commerzbank unverändert auf ihr unabhängiges Modell. Ihre Strategie und ihre Finanzziele bis 2030 will die Frankfurter Großbank am 8. Mai gemeinsam mit den Zahlen für das erste Quartal 2026 präsentieren. Der aktuelle Strategieplan unter dem Titel „Momentum“ läuft bis 2028. Zu dem Zeitpunkt wird das konkrete Übernahmeangebot der Unicredit voraussichtlich vorliegen.

Unicredit-CEO Andrea Orcel hatte die operative Leistung der Commerzbank von 2021 bis 2025 und den Plan am Montagmorgen in einer Telefonkonferenz mit Analysten scharf angegriffen: „,Momentum‘ bedeutet fortgesetzte, unzureichende Ergebnisse“, sagte Orcel. Außerdem sehe der Plan keinerlei Schritte vor, um die Commerzbank strukturell wettbewerbsfähig zu machen.

Die Commerzbank stufte Orcels Äußerungen in einer Mitteilung am Montagabend als „feindliches Vorgehen“ ein. Es handle sich um einen „Restrukturierungsvorschlag“ und einen „Versuch, das erfolgreiche Geschäftsmodell der Commerzbank aufzubrechen“.

Die Mitteilung zitiert CEO Bettina Orlopp mit der Einschätzung: „Was Unicredit präsentiert hat, ist kein wertschaffender Unternehmenszusammenschluss. Es handelt sich um einen Restrukturierungsvorschlag, der sich mit unserer bestehenden Strategie messen lassen muss.“ Die Frankfurter Bank vermisst in dem Unicredit-Plan jedenfalls Details zu konkreten Maßnahmen, zu notwendigen Umsetzungskosten und zum Zeitplan.

Darüber hinaus findet Commerzbank-Chefin Orlopp deutliche Worte: „Es ist erstaunlich, dass Unicredit über 18 Monate benötigt hat, um einen unabgestimmten Plan vorzulegen, der trotz regelmäßiger Investorenmeetings in diesem Zeitraum ein grundlegendes Verständnis für die Treiber unseres Geschäftsmodells vermissen lässt.“

Commerzbank sieht Folgen im Firmenkundengeschäft

So bewertet die Commerzbank den Vorschlag von Unicredit auch als einen Eingriff „in die Wertschöpfungskette des deutschen Mittelstands“, besonders im internationalen Geschäft und im Außenhandel. Er beinhalte unter anderem eine Neuausrichtung im Firmenkundengeschäft weg vom Mittelstand, „das elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells der Commerzbank ist“.

Unicredit hatte die Commerzbank in Orcels Präsentation direkt mit der deutschen Tochter HVB verglichen. Im Firmenkundengeschäft würden sich die beiden Banken ergänzen: Den Marktanteil bei Corporates in Deutschland bezifferte die Mailänder Bank auf rund 4 Prozent für die HVB und auf mehr als 4,5 Prozent für die Commerzbank. Der Anteil der deutschen Kunden liege bei 40 Prozent für die HVB, bei 28 Prozent für den gelben Wettbewerber.

Das Commerzbank-Management kreidete dem Unicredit-Vorschlag außerdem an, dass er keinerlei Aufschlag für die Aktionäre der Frankfurter Bank vorsieht. Jedes Übernahmeangebot müsse „eine marktübliche Prämie enthalten“. Orcel hatte am Montagmorgen unter anderem hervorgehoben, dass der aktuelle Kurs der Commerzbank-Aktie nicht durch Fundamentaldaten gedeckt sei, sondern auf den Einstieg seines Hauses zurückgehe.

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.