Trügerische Hoffnung: Insolvenzzahlen sinken, doch die nächste Welle rollt bereits

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Die Insolvenzzahlen in Q1/2026 liegen noch immer 40 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Foto: Design_5D - stock.adobe.com
Die Insolvenzzahlen in Q1/2026 liegen noch immer 40 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Foto: Design_5D - stock.adobe.com

Trügerische Entspannung im Insolvenzgeschehen: Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 94 Insolvenzanträge von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Euro gestellt. Die Fallzahl liegt damit 35 Prozent unter dem Rekordquartal Q4/2025 und 24 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Statistisch klingt das nach einer Erholung, doch die Zahlen täuschen. Der langfristige Fünf-Jahres-Durchschnitt liegt bei 67 Fällen, und selbst das scheinbar ruhige Auftaktquartal übertrifft diesen Wert noch um 40 Prozent.

Das geht aus dem aktuellen Insolvenz-Report hervor, für den die Restrukturierungsberatung Falkensteg exklusiv für FINANCE die Großinsolvenzen von Unternehmen auswertet.

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Delle, keine Trendwende

„Das vierte Quartal 2025 war ein Ausnahmerekord und auch der Q1-Stand liegt historisch noch auf einem besorgniserregenden Niveau. Ein Freifahrtschein ist das also nicht“, ordnet Jonas Eckhardt, Studienautor und Partner bei der Unternehmensberatung Falkensteg, die Zahlen ein.

Dass es sich um keine echte Erholung handelt, verdeutlicht ein Blick auf den Gesamtmarkt: Über alle Umsatzklassen hinweg stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2026 auf 5.594 Fälle – ein Plus von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (5.191 Fälle). Getrieben von der Masse kleiner und mittlerer Unternehmen nähern sich die Gesamtinsolvenzen damit neuen Höchstständen, während sich die Großinsolvenzen in diesem Quartal scheinbar entkoppeln konnten.

Branchenvergleich: Verschnaufpause im Maschinenraum

Der Branchenvergleich zeichnet ein differenziertes, aber keineswegs beruhigendes Bild. Metallwarenhersteller führen die Rangliste mit zehn Fällen an – deutlich weniger als im Vorquartal (20 Fälle) und im Vorjahreszeitraum (15 Fälle), aber die Branche bleibt strukturell nach wie vor unter Dauerdruck.

Besonders auffällig ist der Rückgang im Automotive-Bereich: Nur noch acht Insolvenzen stehen 16 Fällen im Vorjahreszeitraum gegenüber. Ähnliches gilt für die Elektrotechnik (sechs gegenüber 16 Fällen) und die Kunststoffbranche (drei gegenüber elf Fällen). Gegen den Trend halten sich die Logistik mit sieben Fällen sowie der Maschinenbau mit neun Fällen stabil.

Eckhardt sieht darin keine Aufhellung: „Besonders im industriellen Mittelstand – in den Branchen Metallwaren, Automotive-Zulieferer und Elektrotechnik – erleben wir keine Normalisierung, sondern eine Verschnaufpause inmitten eines strukturellen Umbaus, dessen Ende noch nicht absehbar ist.“

Stagnation seit 2019 – Ökonom zeichnet düsteres Bild

Ein besonders düsteres Bild der deutschen Wirtschaft zeichnet Michael Grömling, Leiter der Forschungsgruppe Makroökonomie am Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Erschreckend“ sei die Lage der Industrie: Nur gut 14 Prozent der Unternehmen berichteten von einer besseren Geschäftslage als vor einem Jahr, knapp 43 Prozent hingegen von einer Verschlechterung. Deutschland befinde sich in der längsten Phase negativer Unternehmenserwartungen seit zwanzig Jahren und 2026 werde ein weiteres Glied in einer seit 2019 anhaltenden Stagnationskette.

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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