Großinsolvenzen: Mehr Anträge, weniger Rettungen

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2025 war mit 481 Großinsolvenzen das schwerste Jahr seit langem. Foto: Michael - stock.adobe.com
2025 war mit 481 Großinsolvenzen das schwerste Jahr seit langem. Foto: Michael - stock.adobe.com

Dramatische Zuspitzung bei den Großinsolvenzen: Im vierten Quartal 2025 ist die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Millionen Euro von 125 im Vorquartal auf 138 Fälle angestiegen. Das entspricht einem Plus von mehr als 10 Prozent – und ist der höchste Stand seit sieben Jahren. Gegenüber dem langfristigen Durchschnitt von 67 Fällen hat sich die Zahl damit nahezu verdoppelt. Im Gesamtjahr 2025 summierte sich die Zahl der Großinsolvenzen auf 481 – ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das geht aus dem aktuellen Insolvenz-Report hervor, für den die Restrukturierungsberatung Falkensteg exklusiv für FINANCE die Großinsolvenzen von Unternehmen auswertet.

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Autohandel und Gesundheitswesen mit stärkstem Zuwachs

Für Automobilzulieferer ist die Lage nach wie vor besonders gravierend. Die Insolvenzzahlen sind von 13 auf 16 Fälle gestiegen. Noch drastischer trifft es den Autohandel: Hier kletterte die Zahl der Pleiten von fünf auf 13 Fälle und macht die Erosion des klassischen Vertriebsmodells unübersehbar.

Metallwarenhersteller führen trotz eines leichten Rückgangs von 22 auf 19 Fälle weiterhin die Branchenstatistik an. Auffällig ist zudem die Entwicklung im Gesundheitswesen, wo sich die Insolvenzen mit einem Anstieg von fünf auf zwölf Fälle mehr als verdoppelt haben. Lediglich die Elektrotechnik verzeichnet mit einem Rückgang von 16 auf 13 Fälle eine gewisse Entspannung. Besonders unter Druck stehen Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 50 und 99 Millionen Euro – ihre Insolvenzzahlen stiegen um 26 Prozent von 19 auf 24 Fälle.

„Die Insolvenzwelle rollt quer durch zentrale Kernsektoren – und sie hat ihren Scheitelpunkt vermutlich noch nicht erreicht“, sagt Jonas Eckhardt, Studienautor und Partner bei der Unternehmensberatung Falkensteg. „Wir sehen keinen Ausreißer mehr, sondern den Übergang in eine neue Krisenphase, die die Wirtschaft in ihrer Breite erwischt hat.“

Sanierungschancen brechen dramatisch ein

Bei den Verfahrenslösungen trübt sich das Bild erheblich ein: Im vierten Quartal wurden nur noch 64 Verfahren beendet – ein Rückgang von 29 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Noch besorgniserregender ist der Einbruch bei den erfolgreichen Sanierungen: Die Zahl der positiven Lösungen fiel von 56 auf 34, ein Minus von 39 Prozent. Distressed-M&A-Transaktionen in Form von Asset Deals gingen von 41 auf 29 Fälle zurück. Noch drastischer war der Rückgang bei Insolvenzplänen: Nur noch fünf Unternehmen konnten auf diesem Weg fortgeführt werden, nach 15 Fällen im Vorquartal.

Thomas Oberle, Partner der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz, sieht darin vor allem strukturelle Ursachen: Viele Unternehmen stellten den Insolvenzantrag zu spät, wenn die operative Substanz bereits weitgehend aufgezehrt sei. Hinzu komme ein verbreitet schwaches Controlling – häufig wüssten insolvente Unternehmen nicht, mit welchen Produkten oder Kunden sie tatsächlich Geld verdienen. Auch das nachlassende Interesse internationaler Investoren verschärfe die Lage: „Diese Haltung trifft uns bei Distressed Deals in der Insolvenzpraxis unmittelbar“, so Oberle.

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Backhaus ist spezialisiert auf die Themen Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalistin für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.