M&A-Deals: Webasto, Siemens Mobility, Deutz

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Webasto kauft sich bei dem chinesischen Joint Venture Zhejiang Fujia Technology ein. Foto: SNEHIT PHOTO - stock.adobe.com
Webasto kauft sich bei dem chinesischen Joint Venture Zhejiang Fujia Technology ein. Foto: SNEHIT PHOTO - stock.adobe.com

Webasto steigt in China-Joint-Venture ein

Webasto setzt auf China. Der Automobilzulieferer plant den Einstieg in ein neu gegründetes Joint Venture mit dem chinesischen Glashersteller Zhejiang Fujia Technology. Webasto übernimmt 30 Prozent der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen. Das Joint Venture soll festverglaste Dächer für den chinesischen Markt entwickeln und produzieren. Im Fokus stehen sogenannte Fixed Transparent Modules. Einen näheren Zeitplan für Closing und Produktionsstart kommunizierte Webasto nicht.

Mit dem Deal sucht Webasto den Hebel im weltweit größten Markt für Glasdachlösungen und will seine Wertschöpfung in der Glasbearbeitung vertiefen. Zhejiang Fujia Technology bringt aus Webastos Sicht Know-how in der Glasherstellung und der Vorbearbeitung sowie eine lokale Marktpräsenz ein. Webasto steuert im Gegenzug System- und Integrationskompetenz für Fahrzeugdachsysteme bei. Damit positioniert sich das Unternehmen näher an chinesischen OEMs, die bei Innenraum und Komfortfunktionen stärker auf große Glasflächen setzen.

Siemens Mobility schnappt sich Mermec-Kerngeschäfte

Siemens Mobility greift in Italien zu. Der Konzern übernimmt von der Mermec-Gruppe Geschäftsteile rund um Bahnsteuerung und Bahninfrastruktur. Dazu zählt unter anderem Signaltechnik entlang der Strecke im italienischen Bahnnetz. Nicht Teil der Transaktion sind Beteiligungen an den Unternehmen Angelstar sowie Mont Saint Michel einschließlich Compagnie des Signaux. Auch Mermec Deutschland ist nicht Teil des Deals.

Mit dem Zukauf will Siemens Mobility vor allem sein Diagnostik- und Messtechnikgeschäft stärken und zugleich die industrielle Präsenz in Italien ausbauen. Außerdem verbindet Siemens seine Signaltechnik im urbanen Umfeld mit Mermecs Position im italienischen Fernbahnnetz. Das soll die Modernisierung und Digitalisierung der Schieneninfrastruktur in Italien beschleunigen und dem Konzern zusätzlichen Zugang zu Bahninfrastrukturprojekten sichern.

Operativ plant Siemens Mobility zudem, das eigene Serviceangebot auszuweiten. Der Konzern erwartet Synergien vor allem über Cross-Selling und ein breiteres integriertes Portfolio. Ab dem zweiten Jahr nach Closing rechnet Siemens Mobility mit einem Ergebnisbeitrag innerhalb des Zielmargenkorridors von Mobility. Die Kanzlei Hengeler Mueller beriet Siemens Mobility bei der Transaktion.

Deutz kauft Maxi Trust Power

Deutz übernimmt das brasilianische Unternehmen Maxi Trust Power. Das Target produziert in Brasilien Gas und Dieselgeneratoren und verkauft seine Systeme in ganz Lateinamerika. Der Gesamtkaufpreis liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich, heißt es in einer Mitteilung der Kölner.

Mit dem Zukauf treibt Deutz den Ausbau seiner Energiesparte voran und setzt auf den Markt für dezentrale Energieversorgung und Notstromlösungen. Deutz will sein globales Netzwerk als Anbieter und Systemintegrator ausbauen und stärkt dafür nach den USA und Europa nun auch die regionale Präsenz in Lateinamerika. Der Konzern verweist auf zweistellige Wachstumsraten bei dezentralen Energielösungen, getrieben unter anderem durch schwankende erneuerbare Einspeisung, veraltete Netze und den Strombedarf von Rechenzentren.

Finanziell erwartet Deutz aus der Übernahme zusätzlichen profitablen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Der Deal soll das Ziel stützen, den Umsatz im Energiebereich bis 2030 durch organisches und anorganisches Wachstum auf rund 500 Millionen Euro zu steigern. Operativ sieht Deutz Synergien mit Frerk Aggregatebau, das Deutz im Februar 2026 übernommen hatte, vor allem bei anspruchsvollen Notstromsystemen für kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren. Gemeinsame Wachstumspläne nennt Deutz zudem für die USA, wo die Gruppe mit Blue Star Power Systems bereits aktiv ist.

Weitere M&A-Deals

Norbert Marcher baut sein Deutschlandgeschäft aus und steigt bei EG Südbayern Schlachtbetrieb ein. Das österreichische Fleischunternehmen übernimmt 51 Prozent der Anteile des bisherigen Besitzers, Erzeugergemeinschaften Beteiligungs GmbH. Einen Kaufpreis kommunizierten die Parteien nicht. Strategisch sichert sich Marcher damit zusätzliche Schlacht- und Zerlegekapazitäten im für das Unternehmen wichtigen Exportmarkt Deutschland. Damit rückt Marcher näher an regionale Lieferketten in Süd- und Niederbayern. Die Kanzleien BRL sowie Garger Spallinger und der österreichische Ableger des Big-Four-Hauses KPMG berieten Marcher rechtlich und steuerlich.

Syngenta lagert sein Flowers-Geschäft aus und setzt dafür auf ein Joint Venture mit Dümmen Orange. Die Parteien haben eine Vereinbarung unterzeichnet, Syngenta hält danach eine nicht näher genannte wesentliche wirtschaftliche Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen. Strategisch bündeln beide Unternehmen ihre Zierpflanzenaktivitäten: Syngenta bringt unter anderem Saatgutsorten sowie Sortimente bei Einjährigen, Stauden und Topfpflanzen ein, Dümmen Orange hingegen seine Stärke bei Schnittblumen. DLA Piper beriet Syngenta rechtlich.

Heraeus Amloy Technologies verkauft das Remloy-Geschäft nach Kanada. Remloy betreibt in Bitterfeld eine Anlage zur Aufbereitung von Magneten am Ende ihres Lebenszyklus, die künftig im Besitz von Mkango sein wird. Strategisch ergänzt Mkango damit sein Recyclingportfolio, baut seine technologische Basis bei kritischen Rohstoffen aus und will nach Vollzug mit zwei Anlagen in Deutschland liefern. Baker McKenzie beriet Mkango rechtlich.

Swiss Life Deutschland baut seinen Vertrieb aus und kauft die Telis Unternehmensgruppe von der Regensburger Finanzgruppe. Telis zählt laut eigenen Angaben zu den fünf größten Allfinanzvertrieben Deutschlands und erzielte 2025 einen Umsatz von 200 Millionen Euro. Strategisch stärkt Swiss Life damit Reichweite und Produktionskraft im deutschen Vorsorge- und Vermögensgeschäft und sichert sich Zugang zu einem großen Beraternetzwerk. Hengeler Mueller beriet die Verkäuferin umfassend beim Verkauf.

Blick in den M&A-Markt

Während die Dealanzahl in der DACH-Region im ersten Quartal 2026 gesunken ist, steigt das Deal-Volumen. Insgesamt zählt Mergermarket im neuen Dealdrivers-Report für das erste Quartal 2026 639 angekündigte Deals. Das sind 10,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig klettert der Gesamtwert um 33,7 Prozent auf 51,4 Milliarden Euro. Treiber dieser Entwicklung ist die industrielle Neuausrichtung in der DACH-Region.

Zudem stellt die DACH-Region im EMEA-Bereich den zweitgrößten Pool an potentiellen Transaktionen mit 469. Besonders auffällig ist die Häufung bei Industrials und Chemicals mit 131 Verkaufsfällen, die höchste Sektor-Region-Konzentration in EMEA. Hintergrund ist der Druck auf die deutsche Industrie durch steigende Kosten und eine schwache Konjunktur. Der Report verweist auf die Belastung durch die Meerenge von Hormus, die durch den Krieg im Iran entstanden ist. Die Chemie- und Stahlbranche treffen die dadurch gestiegenen Energiepreise besonders. Gleichzeitig verschärfen Banken die Kreditstandards für Unternehmen.

Deals in Verhandlung

Der Übernahmekampf um Delivery Hero spitzt sich zu. Der US-Konzern Uber hat seinen Stimmrechtsanteil an dem Lieferdienst von 19,5 auf 24,99 Prozent erhöht. Damit bleibt Uber haarscharf unter der Marke, ab der eine Prüfung nach Außenwirtschaftsrecht angestoßen werden kann. Zugleich liegt Uber unter 30 Prozent und vermeidet damit ein Pflichtangebot nach deutschem Übernahmerecht.

Laut der „Financial Times“ hat Uber den Paketkauf über Aspex durchgeführt. Der Vermögensverwalter reduzierte seinen Anteil von 14,55 auf 7,56 Prozent. Uber soll den ursprünglichen Aspex-Anteil direkt und über Derivate übernommen und dafür einen Preis knapp unter 40 Euro je Aktie gezahlt haben. Delivery Hero kommentierte das auf FINANCE-Anfrage nicht. Über Finanzinstrumente hält Uber laut Stimmrechtsdaten indirekt fast 37 Prozent.

M&A-Gerüchteküche

Brüssel nimmt den Deal rund um die Übernahme von Ceconomy durch JD.com ins Visier. Die EU-Kommission will den geplanten Deal nach Angaben der „Financial Times“ in einer vertieften Prüfung unter die Lupe nehmen und dabei untersuchen, ob unzulässige ausländische Subventionen eine Rolle spielen. Grundlage sind die EU-Regeln zu ausländischen Subventionen, die Eingriffe in Fusionen und Übernahmen ermöglichen. Die Kommission soll ihre Entscheidung noch in dieser Woche bekanntgeben, wie die Zeitung berichtet. Die anschließende Prüfung dürfte demnach rund drei Monate dauern. Das Verfahren könnte den Prozess weiter verzögern und verkomplizieren.

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.

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