M&A-Deals: AMS-Osram, SAP, Talanx

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AMS-Osram verkauft seine Sparte für Bildsensoren in die USA. Der Erlös soll in den Schuldenabbau fließen. Foto: AMS-Osram AG
AMS-Osram verkauft seine Sparte für Bildsensoren in die USA. Der Erlös soll in den Schuldenabbau fließen. Foto: AMS-Osram AG

AMS-Osram verkauft Sparte für Bildsensoren an Indie

AMS-Osram veräußert sein Geschäft mit CMOS-Bildsensoren (CIS) für 40 Millionen Euro an Indie Semiconductor aus den USA. Der Kaufpreis setzt sich zusammen aus einer Barzahlung von 35 Millionen Euro bei Abschluss des Deals und einem Verkäuferdarlehen von 5 Millionen Euro mit zweijähriger Laufzeit. Das Closing erwartet AMS-Osram innerhalb der nächsten sechs Monate, behördliche Freigaben stehen aus. Das CIS-Geschäft mit Hauptstandorten in Belgien und Portugal umfasst unter anderem Bildsensoren für industrielle und Physical-AI-Anwendungen.

AMS-Osram richtet sein Geschäft durch den Verkauf auf die Wachstumsfelder AI Photonics – darunter optische Datenverbindungen für Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) – sowie Display-Technologien für AR Smart Glasses aus. Einen wesentlichen Teil der Erlöse hat das Unternehmen für den Rückkauf und die Rückzahlung von Wandelanleihen und Senior Notes vorgesehen. Als Rechtsberater mandatierte AMS-Osram die Kanzlei Freshfields.

Indie Semiconductor integriert die Bildsensoren in sein Portfolio für intelligente Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und stärkt damit sein Multimodal-Sensing-Angebot. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Aliso Viejo in Kalifornien und ist an der Nasdaq börsennotiert. Es erzielte 2025 einen Umsatz von 207,0 Millionen US-Dollar, ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber Vorjahr, und verzeichnete einen Verlust von 154,7 Millionen US-Dollar.

SAP investiert in N8N und Parloa

SAP beteiligt sich an zwei Berliner Spezialisten für Künstliche Intelligenz (KI): dem Workflow-Automatisierer N8N und dem Customer-Service-KI-Anbieter Parloa. Beide Investments liegen jeweils im Bereich zweistelliger Millionenbeträge. Die N8N-Beteiligung impliziert eine Unternehmensbewertung von 5,2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 4,4 Milliarden Euro) – mehr als das Doppelte der Bewertung von vor weniger als einem Jahr. Das Parloa-Investment erfolgte im Rahmen einer Series-D-Finanzierungsrunde über 350 Millionen US-Dollar (299 Millionen Euro) vom Januar 2026. Damit erreichte das Berliner Unternehmen eine Bewertung von 3 Milliarden US-Dollar (2,6 Milliarden Euro).

Parallel zu den Beteiligungen schließen beide Start-ups Produktpartnerschaften mit SAP. SAP bettet N8N nativ in Joule Studio ein, seine Entwicklungsumgebung für KI-Agenten. Parloa integriert seine KI-Agenten in die SAP Service Cloud. Unternehmen sollen damit Kundeninteraktionen mit SAP-Geschäftsdaten und -prozessen verknüpfen können.

N8N zählt nach eigenen Angaben mehr als 1.400 Enterprise-Kunden und 1,7 Millionen monatlich aktive Nutzer. Parloa beschäftigt rund 430 Mitarbeitende an Standorten in Berlin, München und New York. SAP setzt Parloas Plattform zudem selbst für den internen IT-Support ein.

Talanx greift nach mexikanischem Versicherer

Der Versicherungskonzern Talanx erwirbt 100 Prozent der Anteile an dem mexikanischen Versicherer Afirme Seguros und schließt gleichzeitig eine 20-jährige, exklusive Bancassurance-Vereinbarung mit dessen Mutterkonzern Afirme Grupo Financiero. Der Kaufpreis blieb ungenannt, das Closing erwartet Talanx für die erste Jahreshälfte 2027. Aufsichtsrechtliche Genehmigungen stehen aus.

HDI Seguros Mexico rückt durch den Zukauf nach eigenen Angaben auf Rang 6 im mexikanischen Schaden- und Unfallversicherungsmarkt sowie auf Rang 5 im Markt für Kfz-Versicherungen vor. In Lateinamerika festige der Deal die Position des Konzerns als zweitgrößtem Schaden- und Unfallversicherer.

Afirme Seguros erzielte 2025 ein Bruttoprämienvolumen von rund 7,9 Milliarden mexikanischen Pesos (umgerechnet 372 Millionen Euro); HDI Seguros Mexico ist seit 2009 im mexikanischen Markt vertreten und kam auf rund 14,9 Milliarden mexikanische Pesos (704 Millionen Euro) an Prämien. Die Bancassurance-Vereinbarung sieht den exklusiven Vertrieb von Nichtlebens- und Lebensversicherungsprodukten über das Netzwerk von Banca Afirme vor.

Weitere Deals

Im Bieterwettstreit um die Addiko Bank erhöht die Raiffeisen Bank International (RBI) ihr Angebot von 23,05 auf 26,50 Euro je Aktie. Damit reagiert RBI auf das Konkurrenzgebot der slowenischen Nova Ljubljanska Banka (NLB), das sich auf 29 Euro je Aktie beläuft. RBI plant nach einem erfolgreichen Abschluss einen Carve-out: Die Töchter in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro sollen an die serbische Alta Group gehen; die Einheiten in Kroatien, Slowenien und Österreich würde RBI behalten. Für NLB ist es der zweite Anlauf, Addiko zu übernehmen: Im Sommer 2024 scheiterte ein Gebot von 22 Euro je Aktie.

Der Molkereiriese Theo Müller kauft Berief Food aus Beckum und stärkt damit sein Geschäft mit pflanzlichen Lebensmitteln und Getränken. Berief ist seit über 40 Jahren im Bereich pflanzlicher Nahrungsmittel tätig, beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und produziert Drinks auf Basis von Soja, Mandel und Hafer sowie Tofu-Produkte. Der Zukauf verschafft Theo Müller Zugang zu Produktionskapazitäten und Know-how, vor allem im Handelsmarkengeschäft. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe. RSM Ebner Stolz beriet Theo Müller im Rahmen der finanziellen und steuerlichen Due Diligence.

E.on übernimmt den britischen Energieanbieter Ovo und erhöht damit die Zahl seiner Kunden in Großbritannien von rund 5,6 Millionen auf rund 9,6 Millionen. Den Kaufpreis nennen die Parteien nicht. Ovo veräußert sein Home-Services-Geschäft – Heizungsversicherung und -wartung – gesondert an den britischen Wettbewerber Hometree. Beide Transaktionen unterliegen behördlichen Freigaben; im Fall E.on ist die Zustimmung der britischen Wettbewerbsbehörde CMA erforderlich. Den Abschluss erwartet E.on in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Stabilus verkauft die Tochtergesellschaften Fabreeka und Tech Products an das US-Unternehmen VMC Group. Die Transaktion bewertet beide Unternehmen mit rund 92 Millionen US-Dollar (umgerechnet 78 Millionen Euro). Den Abschluss erwartet Stabilus im dritten Quartal 2026, behördliche Genehmigungen stehen aus. Den Nettoerlös plant das Unternehmen vorrangig ein, um Schulden abzubauen. Zudem richtet sich Stabilus durch den Verkauf stärker auf das Kerngeschäft Motion Control aus. Als Rechtsberater mandatierte der Konzern die US-Kanzlei Covington & Burling. Der Käufer VMC Group ist seit 2024 ein Portfoliounternehmen des Private-Equity-Hauses Broadview Group aus St. Louis, Missouri.

Ottobock, ein börsennotierter Hersteller orthopädietechnischer Produkte, erwirbt für rund 110 Millionen Euro das Norwegen-Geschäft des britischen Wettbewerbers Blatchford. Es umfasst acht Kliniken mit rund 200 Mitarbeitenden, der Umsatz lag zuletzt bei rund 40 Millionen Euro. Mit dem Zukauf steigt Ottobock mit eigenen Standorten erstmals in den norwegischen Markt ein und erweitert sein internationales Versorgungsnetzwerk auf mehr als 420 Standorte. Der Vollzug der Transaktion ist für die kommenden Tage vorgesehen.

Das Bauunternehmen Fuchs kauft in einem Asset Deal den Produktionsstandort und immaterielle Werte von Beton-Betz in Kirchardt in Baden-Württemberg. Es integriert das Werk mit einem Gelände von 85.000 Quadratmetern in seine Fertigteilwerke Süd. Den Kaufpreis haben die Parteien nicht offengelegt. Beton-Betz produziert bislang Elementdecken und Doppelwände. Mit dem Zukauf erweitert Fuchs seine Produktion auf eine weitere Region. Das Unternehmen plant zudem, seine Position in den Segmenten serieller Wohnungsbau, Energie, Industrie- und Gewerbebau sowie Infrastruktur und Umwelttechnik auszubauen. Insgesamt betreibt die Baufirma aus Berching sieben Betonfertigteilwerke in Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Sachsen. Der Erwerb von Beton-Betz folgt auf die Übernahme von Europoles 2019 und einem Standort in Siegen im Jahr 2024.

Zwei Deals in der Medienbranche

Der Verlag der Neuen Osnabrücker Zeitung, die NOZ/mh:n-Gruppe, beteiligt sich mit 50,01 Prozent am Medienhaus Brune Mettcker. Dort erscheinen die Wilhelmshavener Zeitung und das Jeversche Wochenblatt. Die Zustimmung des Bundeskartellamts zu dem Deal steht aus. Bereits seit dem 15. April 2026 beziehen beide Titel ihren überregionalen Mantelteil von der NOZ. Künftig nutzt Brune Mettcker auch die Verwaltung und die technologische Infrastruktur des neuen Mehrheitsgesellschafters. Grund für die neue Kooperation ist der Erwerb der Nordwest-Zeitung durch die Mediengruppe Madsack im Herbst 2025.

Die Antenne Bayern-Gruppe erwirbt sämtliche Anteile an Rock Antenne und mittelbar Rock Antenne Hamburg. Bisher war NWZ Funk und Fernsehen aus Oldenburg mit 18,5 Prozent an Rock Antenne beteiligt. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung ihres Radioportfolios veräußert das Unternehmen diese Beteiligung. Rock Antenne ist an den Standorten Ismaning, Hamburg und Wien vertreten. Die Transaktion gilt rückwirkend zum 1. Januar 2026.

Der Tierfutterhersteller Mühldorfer übernimmt Herrmann, einen biozertifizierten Nassfutterhersteller aus dem bayerischen Glonn. Es ist die sechste Akquisition des Erwerbers innerhalb von zwölf Monaten, einem Portfoliounternehmen des Beteiligungshauses KKA Partners. Durch den Zukauf erhöht Mühldorfer seine Kapazität im Bereich Nassfutter und plant, so seine Position als Vollsortimentsanbieter für Tierernährung auszubauen. Erich Herrmann bleibt als Gründer an dem Zielunternehmen beteiligt. Die Kanzlei Flick Gocke Schaumburg beriet KKA Partners und Mühldorfer.

Das Berliner Prüflabor Technolab geht an die niederländische NMI Group, die durch den Zukauf ihr Portfolio in den Bereichen Verteidigung, Luft- und Raumfahrt erweitert. Technolab entstand 1996, betreibt zwei Standorte in Berlin und beschäftigt rund 30 Spezialistinnen und Spezialisten, die Umweltsimulationen sowie analytische und mechanische Prüfungen vornehmen. Zukünftig soll das Unternehmen unter dem Namen NMI Technolab firmieren und gemeinsam mit dem bestehenden EMV- und Funkprüflabor von NMI in Blomberg operieren. Der Abschluss des Deals steht unter dem Vorbehalt einer investitionskontrollrechtlichen Genehmigung. Die NMI Group ist ein Portfoliounternehmen von Bridgepoint.

Papmed, ein Berliner Arbeitsmedizin-Anbieter und Teil der Arsipa-Gruppe, übernimmt das Ingenieurbüro Rainer Siebert und sichert damit die Nachfolge des 1990 gegründeten Familienunternehmens. Der Arbeitsschutzdienstleister hat Kunden im öffentlichen Sektor, dem Sozial- und Gesundheitswesen sowie aus den Branchen Dienstleistung und Industrie in Berlin und Brandenburg. Mit dem Zukauf baut Papmed seine Betreuungskapazität in Ost-Berlin und Brandenburg aus. Einen Kaufpreis nannten die Parteien nicht. Die Kanzlei GSK Stockmann beriet die Arsipa-Gruppe, hinter der der Finanzinvestor Warburg Pincus steht.

Info

Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.