Am Schuldscheinmarkt wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 8,5 Milliarden Euro platziert. Damit liegt das Volumen knapp 10 Prozent über dem Niveau der ersten sechs Monate 2025. Auch die Anzahl der Deals lag mit 45 über den 37 aus dem Vorjahreszeitraum. Dies geht aus dem neuen Schuldschein-Update hervor, das das Datenanalysehaus LSEG exklusiv für FINANCE aufbereitet.
Deutlich lebhafter ging es im zurückliegenden zweiten Quartal zu, in dem 28 neue Schuldscheine im Gesamtvolumen von rund 5,9 Milliarden Euro begeben wurden. Die größte Transaktion stammte von der Luxemburger Dachgesellschaft des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero, der im Mai 1,2 Milliarden Euro einsammelte.
Ferrero mit einzigem Milliarden-Schuldschein
Trotz der zuletzt gesteigerten Aktivitäten sehen Experten noch Luft nach oben. „Der Markt ist nach wie vor von einem anhaltendem Unterangebot gekennzeichnet“, sagt Klaus Pahle, Head of Schuldschein-Syndicate der ING in Deutschland. Die gute Nachricht sei, dass dieses Unterangebot auf eine sehr robuste Nachfrage treffe. „Das zeigt sich in deutlich überzeichneten Orderbüchern sowie in oftmals nach oben angepassten Platzierungsvolumina“, berichtet Pahle.
Neben Ferrero waren im ersten Halbjahr noch diverse weitere Unternehmen aus dem Einzelhandel mit Großtransaktionen am Markt aktiv, darunter der Discounter Lidl (850 Millionen Euro), der italienische Papierspezialist Sofidel (800 Millionen Euro) oder die Düsseldorfer Intersnack Group (700 Millionen Euro). Der Trend, wonach der Schuldschein auch bei nicht-deutschen Emittenten immer häufiger genutzt werde, sei intakt. „Wir sehen weiter viele europäische Unternehmen, die den Markt regelmäßig anzapfen beziehungsweise neu für sich entdecken, vor allem aus Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz“, so Pahle.
E.on und Telekom platzieren private Schuldscheine
Von den zehn größten Deals aus dem ersten Halbjahr stammen gleichwohl noch immer acht aus Deutschland. Darunter befanden sich mit E.on und Deutsche Telekom auch zwei Dax-Adressen, die ihre Schuldscheine jeweils via Private Placement platzierten. Solche Privatplatzierungen sind laut Pahle relativ selten, dennoch hätten sie in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. „Das kann für beide Seiten Sinn machen, vor allem da die Standarddokumentation eines Schuldscheins dafür ebenfalls genutzt werden kann.“
Auffallend ist laut Pahle zudem, dass mehrere deutsche Flughafenbetreiber den Markt zuletzt für sich entdeckt hätten. So haben nach Fraport und München in diesem Jahr auch die Flughafenbetreiber BER und Köln-Bonn ihre Debüts gefeiert. „Das sind Infrastrukturanbieter mit stabilen Cashflows, was gut zum Schuldschein passt“, sagt Pahle. So gut wie keine Rolle spielten momentan hingegen unverändert die herausfordernden Sektoren Immobilien und Automotive. Laut Marktteilnehmern befindet sich Dräxlmaier aktuell als Zulieferer in der Vermarktung für einen neuen Schuldschein befinde.
Bookrunner: Helaba verdrängt LBBW
Für das Gesamtjahr erwartet Pahle, dass sich der Markt über dem Vorjahresniveau bei rund 25 Milliarden Euro einpendeln wird.
Bei den Bookrunnern gibt erstmals seit längerem wieder einen Wechsel an der Spitze zu vermelden. Die Helaba hat – gemessen am Marktanteil – mit 24,3 Prozent den Platzhirsch LBBW (18 Prozent) von Platz 1 verdrängt. Nimmt man hingegen die absolute Anzahl der Deals, so geben die Stuttgarter mit 19 weiter die Richtung vor der Helaba (14 Deals) an.
Info
Hier können Sie das neue FINANCE-Schuldschein-Update herunterladen.
Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.
