Wachablösung bei BNP Paribas: Nach fast sieben Jahren an der Spitze des Firmenkundengeschäfts in Deutschland für die französische Bank wird Frank Vogel BNP überraschend verlassen. In seiner Zeit bei der BNP war Vogel maßgeblich am Wachstum des Firmenkundengeschäfts des Finanzinstituts in Deutschland beteiligt. Vogel werde eine neue Aufgabe außerhalb der Gruppe übernehmen, heißt es in der Pressemitteilung der Bank. Die Nachfolgelösung steht indes bereits fest und hält einen prominenten Namen bereit.
Jan-Philipp Gillmann kommt von der Deutschen Bank
Als Teil einer neuen Doppelspitze wird Jan-Philipp Gillmann ab September das hiesige Firmenkundengeschäft des Finanzinstituts leiten. Der Manager kommt von der Deutschen Bank, wo sein Abgang im Frühjahr für einigen Wirbel gesorgt hatte. Gillmann galt dort lange als einer der wichtigsten Köpfe im Firmenkundengeschäft und war zeitweise die Nummer drei der Unternehmensbank. Bei der Neuordnung der Führung wurde er jedoch mehrfach übergangen. Für Aufmerksamkeit sorgte auch sein Abschiedspost auf Linkedin: Darin dankte er zwar früheren Weggefährten wie Stefan Hoops und David Lynn, ließ die neue Führung der Unternehmensbank aber unerwähnt.
Auch der Name seines Co-Chefs ist bereits bekannt. Ab November wird Nico Ruse zu Gillmann in die Führungsetage stoßen. Ruse bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Investment Banking mit und verbrachte einen Großteil seiner Karriere bei der Bank of America. Dort betreute er zuletzt mehrere führende deutsche Konzerne und beriet sie bei strategischen und finanzierungsbezogenen Fragen. Zudem war er an zahlreichen M&A-Transaktionen sowie Aktien- und Anleiheemissionen beteiligt.
Darum setzt BNP Paribas auf eine Doppelspitze
Mit der Doppelspitze setzt BNP Paribas auf zwei unterschiedliche Karriereprofile: Gillmann bringt langjährige Erfahrung im Firmenkundengeschäft mit, Ruse kommt aus dem Investment Banking. Die Bank begründet das Modell mit der gebündelten Expertise beider Manager. Wie die Zuständigkeiten konkret aufgeteilt werden, ließ BNP auf FINANCE-Nachfrage allerdings offen. Man werde sich dazu zu gegebener Zeit äußern, hieß es lediglich.
Dass die französische Großbank den Wechsel nicht nur als Nachfolgeregelung, sondern als strategischen Schritt versteht, zeigt auch die Wortwahl des Managements. Deutschland sei ein „Schlüsselmarkt“ und zentraler Baustein der europäischen Strategie, erklärte CIB-Europachef Geert Lippens. Deutschlandchef Lutz Diederich sprach zudem von der „nächsten Wachstumsphase“. Vor diesem Hintergrund wirkt vor allem die Verpflichtung Gillmanns wie ein Signal an den deutschen Firmenkundenmarkt. Denn mit dem früheren Deutsche-Bank-Manager gewinnt das Institut nun einen bestens vernetzten Banker von einem direkten Konkurrenten.
Deutsche Bank zeigt, wie eine Doppelspitze scheitern kann
Ob das Modell aufgeht, wird sich allerdings erst noch zeigen. Doppelspitzen gelten in der Bankenwelt als anspruchsvoll, weil Verantwortlichkeiten klar abgegrenzt sein müssen und Rivalitäten schnell sichtbar werden. Ein prominentes Beispiel dafür lieferte zuletzt ausgerechnet Gillmanns ehemaliger Arbeitgeber.
Bei der Deutschen Bank war die Unternehmensbank erst Anfang des Jahres mit einer Doppelspitze aus Michael Diederich und Ole Matthiessen neu aufgestellt worden. Nur wenige Monate später war das Modell schon wieder Geschichte: Matthiessen kündigte überraschend seinen Abschied an, Gerald Podobnik rückte nach. Der personelle Neustart wurde damit schon kurz nach dem Start von neuen Unruheherden überschattet.
Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.
