M&A-Deals: Nestlé, Intersnack, Cewe

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Nestlé geht einen Schritt Richtung Portfoliofokussierung und gliedert die Wassersparte aus. Foto: Askar - adobe.stock.com
Nestlé geht einen Schritt Richtung Portfoliofokussierung und gliedert die Wassersparte aus. Foto: Askar - adobe.stock.com

Nestlé gliedert Wassergeschäft in Joint Venture aus

Nestlé treibt den Portfolioumbau weiter voran. Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern gliedert sein Wassergeschäft mit Marken wie Perrier und San Pellegrino in ein Gemeinschaftsunternehmen namens Peranel aus, an dem die US-Private-Equity-Gesellschaft Platinum Equity die Hälfte übernimmt. Das Joint Venture mit Sitz in Paris wird mit 4,9 Milliarden Euro bewertet, Nestlé nimmt durch den Teilverkauf 2,8 Milliarden Schweizer Franken (rund 3 Milliarden Euro) ein. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiterkonsultationen und regulatorischen Genehmigungen. Der Vollzug ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Das Wassergeschäft war für Nestlé zuletzt ein Problemfall. Neben schwachen Wachstumszahlen belastete ein Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei Mineralwasser in Frankreich die Sparte, die zuletzt rund 3,5 Milliarden Franken (rund 3,7 Milliarden Euro) oder knapp vier Prozent zum Konzernumsatz beisteuerte.

Die Ausgliederung ist Teil des Konzernumbaus unter dem neuen Nestlé-Chef Philipp Navratil, der das Portfolio auf weniger Geschäftsfelder konzentrieren will. Auch Teile des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts stehen zum Verkauf.

Intersnack greift mit Milliardendeal in die USA

Intersnack wagt den Sprung über den Atlantik. Der Düsseldorfer Snack-Hersteller bietet 14,25 US-Dollar je Aktie für alle ausstehenden Anteile von Utz Brands, einem US-Hersteller von Chips, Popcorn und salzigen Snacks, und bewertet das Unternehmen damit mit rund 2,9 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Aufschlag von 91 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Intersnack übernimmt 50 Prozent des Unternehmens, die andere Hälfte verbleibt bei den Gründerfamilien Rice und Lissette. Utz soll im Zuge der Transaktion von der Börse genommen werden.

Für Intersnack ist der Deal der erste Einstieg in den nordamerikanischen Markt. Das Familienunternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Euro und betreibt 35 Produktionsstandorte in Europa, Asien sowie Australien und Neuseeland. Mit Marken wie Chio, Funny-frisch, Ültje und Pom-Bär ist Intersnack bislang vor allem in Europa präsent.

Utz mit Sitz in Hanover, Pennsylvania, kommt auf einen Jahresumsatz von 1,44 Milliarden Dollar und vertreibt unter anderem die Marken Utz, Golden Flake und Zapp’s. Der Deal fügt sich in eine laufende Konsolidierungswelle im globalen Snackmarkt ein: 2025 übernahm etwa Mars den Pringles-Hersteller Kellanova für 36 Milliarden Dollar. Die Kanzlei Sidley berät Utz Brands bei der Transaktion.

Cewe übernimmt weltweites Kodak-Moments-Geschäft

Mit einem Zukauf aus den USA stößt Cewe erstmals in den nordamerikanischen Markt vor. Der Oldenburger Fotodienstleister übernimmt von Kodak Alaris, einem Portfoliounternehmen von Kingswood Capital Management, den Geschäftsbereich Kodak Moments Retail Photo Solutions. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei rund 88 Millionen Euro, die voraussichtliche Kaufpreiszahlung beträgt auf Basis aktueller Zahlen rund 72 Millionen Euro. Der Vollzug wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet, vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen.

Das übernommene Geschäft umfasst rund 37.000 online angebundene Fotostationen in 16.000 Ladengeschäften in 54 Ländern und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Neben der Marke Kodak Moments gehört ein Produktionsstandort in Windsor, Colorado, zur Transaktion, der Verbrauchsmedien für das Sofortfoto-Geschäft herstellt. Für Cewe öffnet der Deal neue Märkte in den USA, Kanada, Mexiko und Australien. Ab 2027 erwartet das Unternehmen für das übernommene Geschäft eine mittlere einstellige Ebit-Marge. Poellath beriet Cewe bei der Transaktion.

Weitere M&A-Deals

BP trennt sich von seinem österreichischen Tankstellen- und E-Ladegeschäft. Käufer ist Volenergy, ein Schweizer Energieanbieter und Teil der Volare Group, der bereits 2022 das Schweizer Tankstellennetz von BP übernommen hatte und damit sein Engagement beim britischen Ölkonzern weiter ausbaut. Das Paket umfasst 250 Tankstellen unter der Marke BP, das zugehörige Flottengeschäft sowie Anteile an drei Joint Ventures. Die Standorte sollen nach dem Vollzug weiterhin unter der Marke BP betrieben werden. Für den Ölkonzern ist der Deal Teil eines laufenden Portfolioabbaus im Downstream-Geschäft, dem bereits Verkäufe in der Schweiz, der Türkei und den Niederlanden vorausgingen. Dentons beriet BP bei der Transaktion.

Der französische Logistikdienstleister FM Logistic übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung an der Schäflein-Gruppe, einem deutschen Anbieter mit Schwerpunkten in der Industrie- und Mobilitätslogistik. FM Logistic will damit seine Präsenz auf dem deutschen Markt ausbauen. Schäflein erwirtschaftet rund 40 Prozent seines Umsatzes im Industriesektor und bringt Expertise in Automatisierung und Mehrweglogistik mit. Forvis Mazars beriet FM Logistic mit einem Team, das neben der Financial Due Diligence auch steuerliche, rechtliche und kartellrechtliche Aspekte der Transaktion abdeckte.

Omio übernimmt Rail Europe, eine in Paris ansässige Distributionsplattform für Bahntickets. Omio selbst betreibt ein Buchungsportal für Zug-, Bus-, Fähr- und Flugverbindungen und ist seit 2013 in Berlin ansässig. Rail Europe ergänzt dieses Geschäft um ein B2B-Vertriebsnetzwerk mit 25.000 Reisebüros und Partnern in mehr als 70 Ländern sowie Anbindungen an rund 250 Bahnbetreiber, darunter SNCF, Eurostar und die Deutsche Bahn. Nach Abschluss des Deals kämen beide Plattformen zusammen auf rund 22 Millionen verkaufte Bahntickets pro Jahr. Die Transaktion bedarf noch der Stellungnahme des französischen Betriebsrats.

M&A-Berater-News

Henrik Jansen und Simon Schneider übernehmen bei JP Morgan gemeinsam die Leitung des M&A-Geschäfts für Deutschland und Österreich. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das FINANCE vorliegt und das JP Morgan bestätigt hat.

Jansen wird intern befördert. Er gehört seit 2019 zum deutschen Investment-Banking-Team der Bank, wo er sich auf Mandate im Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor spezialisiert hat. Zuvor war er fünf Jahre bei Goldman Sachs und Credit Suisse tätig, jeweils mit TMT-Fokus.

Schneider kommt von außen. Er wechselt im Laufe des Jahres zu JP Morgan und kommt von der Deutschen Bank, wo er zuletzt das EMEA Financial Sponsor M&A-Geschäft verantwortete. Vor seinen fünf Jahren bei der Deutschen Bank war er rund sieben Jahre im deutschen M&A-Team der Credit Suisse aktiv, und Schneider bringt damit ein dichtes Netzwerk im deutschen Markt sowie Erfahrung im Private-Equity-Geschäft mit.

Deals in Verhandlung

TKMS zieht sich aus dem Bieterprozess um die Kieler Werft German Naval Yards zurück. Wie das Handelsblatt berichtete, konnte sich das Unternehmen mit dem Eigentümer CMN Naval nicht auf die wirtschaftlichen Konditionen einigen. Das nicht bindende Angebot sei deshalb zurückgezogen worden. TKMS und German Naval Yards teilen sich in Kiel ein Gelände und sind beide aus der früheren Traditionswerft HDW hervorgegangen. Im Rennen um die Werft bleibt damit noch der Rüstungskonzern Rheinmetall, der ebenfalls ein Angebot abgegeben hat.

Worthington Steel treibt die Übernahme von Klöckner & Co voran. Der US-Stahlhändler, der bereits rund 62 Prozent der Klöckner-Aktien hält, hat ein Delisting-Erwerbsangebot zum Preis von 11,00 Euro je Aktie veröffentlicht. Die Annahmefrist läuft voraussichtlich bis zum 12. August. Das Angebot enthält keine Vollzugsbedingungen und kann unabhängig von der Annahmequote vollzogen werden. Das Delisting soll unmittelbar mit Ablauf der Annahmefrist wirksam werden.

Vorstand und Aufsichtsrat von Klöckner haben das Angebot geprüft und eine neutrale Stellungnahme abgegeben, empfehlen also weder Annahme noch Ablehnung. Beide Gremien bewerten das Delisting jedoch grundsätzlich als im Interesse des Unternehmens. Worthington Steel hat zudem angekündigt, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Klöckner anstreben zu wollen. Die Höhe einer möglichen Barabfindung im Zuge eines solchen Vertrags steht noch nicht fest.

Die geplante Übernahme der MediaMarkt-Saturn-Mutter Ceconomy durch den chinesischen Tech-Konzern JD.com gerät unter Druck. Die EU-Kommission hat JD.com im Rahmen ihrer Subventionsprüfung nun die Beschwerdepunkte zugestellt. Der Verdacht: JD soll von staatlichen chinesischen Stellen unzulässige Subventionen erhalten haben, darunter vergünstigte Finanzierungen, steuerliche Vergünstigungen und Zuschüsse. Die Brüsseler Behörde stützt sich dabei auf die EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen und sieht die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung auf dem EU-Binnenmarkt. JD.com hat nun die Möglichkeit, auf die Vorwürfe zu reagieren und Zusagen anzubieten. Die vorläufige Entscheidungsfrist läuft bis zum 2. Oktober.

M&A-Gerüchteküche

Der Condor-Mehrheitseigner Attestor will die verbliebenen staatlichen Anteile von 49 Prozent an der Fluggesellschaft offenbar noch in diesem Sommer übernehmen. Wie Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person berichtet, plant der britische Finanzinvestor, die entsprechende Call-Option bis zum 30. September zu ziehen. Die Konditionen der Option waren bereits beim Einstieg von Attestor im Mai 2021 festgelegt worden, als der Investor 51 Prozent an der Airline erwarb und 450 Millionen Euro Eigenkapital einbrachte. Der Bund und das Land Hessen halten die verbliebenen Anteile, nachdem Condor 2019 und 2020 jeweils vor dem Aus gerettet werden musste. Parallel sucht Attestor dem Insider zufolge weiterhin nach einem strategischen Partner, vorzugsweise eine größere Airline, an die Condor andocken könnte. 

Info

Frederic Haupt ist Redakteur bei FINANCE und betreut schwerpunktmäßig die Themen Private-Equity und M&A. Er hat Journalismus und Unternehmenskommunikation an der Media University (ehemals HMKW) studiert. Nach dem Studium hat er sein Volontariat bei F.A.Z. Business Media absolviert und dabei neben FINANCE für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, unter anderem für die Personalwirtschaft und das Wir-Magazin.