Junge Finanzer wurden in der Vergangenheit händeringend gesucht. Doch die Jobsuche für Hochschulabsolventen und Fachkräfte ist derzeit so schwierig wie lange nicht mehr. Bundesweit lag die Arbeitslosenquote unter Personen mit Hochschulabschluss im Jahr 2025 bei 3,3 Prozent – der höchste Wert der Agentur für Arbeit in den vergangenen zehn Jahren. Die Werte für 2026 könnten noch höher sein.
Das spiegelt sich auch im Fachkräfte-Index der Personalberatung Hays wider, wonach die Nachfrage nach Finanzfachkräften in Deutschland im zweiten Quartal 2026 deutlich zurückgegangen ist. Verglichen mit dem ersten Quartal sank der Index um rund 30 Prozentpunkte auf 62 Prozent. Etliche Berufsgruppen verzeichnen weniger Stellenausschreibungen als noch im ersten Quartal. Der Wert liegt zudem 18 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
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Der Hays-Fachkräfte-Index misst die Nachfrage nach Fachkräften im Vergleich zur Benchmark des ersten Quartals 2015. Ein Indexwert von 50 bedeutet also, dass die Nachfrage 50 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals im Jahr 2015 liegt. Als Datenbasis nutzt der Index Stellenanzeigen aus Online-Jobbörsen, Tageszeitungen und dem Business-Netzwerk Xing. Die Daten sollten als Indiz für Trends gelesen werden und können bei anderer Datengrundlage abweichen.
Vor zweieinhalb Jahren sah die Welt noch ganz anders aus. Im ersten Quartal 2024 wies der Index noch einen Nachfrage-Höchstwert von 173 Punkten für Finanzberufe aus. Es war von einem „War for Talents“ die Rede. Lange Zeit schien die Finanzbranche vergleichsweise robust im heute schwerfälligen deutschen Arbeitsmarkt – das scheint erstmal vorbei.
Nachfrage nach Buchhaltern und Controllern stark gesunken
Insgesamt weist die Personalberatung Hays neun verschiedene Finanzjobs in ihrem Index aus: Den Tax- und den Compliance Manager, sowie den Finanz- und den Bilanzbuchhalter, zudem Finanzanalysten, Finanzberater, Controller sowie Risikomanager und Wirtschaftsprüfer.
Im Vergleich zum Vorjahresquartal hat der Finanzbuchhalter am stärksten verloren: Die Nachfrage nach diesem Beruf ist um 72 Prozentpunkte gesunken. Ebenfalls weniger gesucht werden Compliance-Manager und Controller – also Berufe, die Unternehmen bis vor Kurzem eigentlich noch händeringend gesucht haben. Die Nachfrage nach dem Compliance-Manager sank um 56 Prozentpunkte, nach dem Controller um 43 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Risikomanager oder Finanzberater kommen diese Berufe jedoch von einem höheren Nachfrageniveau im Vorjahreszeitraum.
„Bei Finanzbuchhaltern spielt neben der allgemeinen Einstellungszurückhaltung auch die zunehmende Standardisierung und Automatisierung von Prozessen eine Rolle“, sagt Erich Schwinghammer, Bereichsleiter Finance und HR bei Hays. Zudem würden viele Unternehmen aktuell auf Effizienzsteigerungen in der Buchhaltung setzen und versuchen Bedarfe zunächst intern aufzufangen. Im Controlling sieht Schwinghammer zudem einen Fokus auf „Budgetsteuerung, Kostenmanagement und Effizienzprogramme“ als Ursache des Rückgangs. Außerdem würden Wachstums- und Transformationsprojekte derzeit häufiger verschoben.
„Die Zurückhaltung am Finance-Arbeitsmarkt verfestigt sich. Unternehmen besetzen vor allem Positionen, die unmittelbar zur Steuerung, Regulierung oder Transformation beitragen“, so Schwinghammer weiter.
Wirtschaftsprüfer verlieren stark
Im Vergleich zum ersten Quartal in 2026 hat der Wirtschaftsprüfer unter den Finanzprofilen am stärksten verloren. Um 40 Prozentpunkte rauscht die Nachfrage nach diesem Jobprofil ab. Im Hays-Index stehen die Wirtschaftsprüfer mit einem Wert von 33 auf dem vorletzten Platz unter den neun Jobprofilen. Derzeit stellen die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ihre Personalpolitik neu auf. Das Modell der Pyramide – viele Associates als Basis, wenige Partner an der Spitze – wird möglicherweise zu einem gleichförmigen Körper.
Betroffen sind vor allem Berufseinsteiger: Der „War for Talent“ scheint sich in Richtung Seniors zu verschieben. Eine Studie des Analysehauses Lünendonk hat jüngst gezeigt, dass 71 Prozent der deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bis 2030 den Anteil an Managern in ihren Prüfungsteams ausbauen wollen, zeitgleich wollen 65 Prozent die Zahl der Juniors reduzieren.
Im Bezug auf das Vorjahresquartal befindet sich der Wirtschaftsprüfer im Vergleich zu den anderen Berufsbildern mit einem Verlust von 32 Prozentpunkten im Mittelfeld der Auswertung, gefolgt vom Risikomanager und dem Bilanzbuchhalter mit einem Minus von 31 Prozentpunkten beziehungsweise 28 Prozentpunkten.
Finanzanalysten stabil, Finanzberater erholen sich
Vergleichsweise stabil bleibt die Nachfrage nach Finanzanalysten. Hier sank die Nachfrage nur leicht um 10 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich. Besser noch steht es um die Finanzberater: Sie sind der einzige Beruf im Index mit einer Zuwachsnachfrage (+10 Prozentpunkte gegenüber Q2/2025). Allerdings belegten sie im Vorjahr den vorletzten Platz im Index hinter den Risikomanagern.
Bei den Zahlen handelt es sich um relative Zugewinne oder Rückgänge. Zur Relation: In absoluten Zahlen werden weiterhin die meisten Stellen für Buchhalter und Controller ausgeschrieben, wie Hays in ihrer Mitteilung schreibt – nur eben weit weniger als noch vor einem Jahr.
Mit Blick auf verschiedene Branchen ist der Bedarf an Finanzfachkräften vor allem bei den Personaldienstleistern und den Versicherungen zurückgegangen: Um 51 beziehungsweise 49 Prozentpunkte sank der Index hier im Vergleich zum Vorjahr. Nicht viel besser sieht es in der Handel- und IT-Industrie aus. Beim Handel sank die Nachfrage um 40 Prozentpunkte, in der IT, die lange eine hohe Nachfrage nach Finanzspezialisten zeigte, um 39 Prozentpunkte.
Hays: Bedarf an Finanzfachkräften bleibt langfristig stabil
Etwas stabiler ist die Nachfrage bei den Banken, wo die Nachfrage weiterhin auf einem relativ hohen Niveau ist, und nur um 17 Punkte zum Vorjahresquartal nachgab. Verarbeitendes Gewerbe (minus 14 Prozentpunkte) und freiberufliche Dienstleister (minus 20 Prozentpunkte) sanken leicht.
Trotz der aktuellen Entwicklung sieht Hays-Manager Schwinghammer keinen grundsätzlichen Bedeutungsverlust der Finanzberufe. „Der Rückgang bei Controllern, Finanzbuchhaltern und Risikomanagern ist aus unserer Sicht weniger Ausdruck eines sinkenden Fachkräftebedarfs als vielmehr einer derzeitigen Einstellungszurückhaltung.“ Die strukturelle Knappheit dieser Profile auf dem Arbeitsmarkt bleibe bestehen.