Die falsche Chef-Suche der ING Deutschland
Bei der ING Deutschland gab es jüngst ein Kuriosum, wie zuerst die Kollegen von „Finanz-Szene“ berichteten. So war auf der Linkedin-Seite der Direktbank vor wenigen Tagen für einige Stunden eine Ausschreibung für den Posten des Group Chief Executive Officer zu sehen. Nur blöd: Die ING Deutschland hat seit Anfang 2025 mit Lars Stoy einen CEO, der das Amt, soweit bekannt, weiterhin ausfüllt und wohl auch behalten will. Sollte ihm etwa ein ranghöherer Manager oder eine ranghöhere Managerin vor die Nase gesetzt werden?
Die Anzeige wirkte jedenfalls echt. Laut „Handelsblatt“ stieß das Inserat auch auf reges Interesse: 25 Bewerbungen sollen eingegangen sein. Nur konnten die Kandidaten nicht wissen, dass die ING Deutschland gar keinen Group CEO hat, sondern schlicht einen CEO: Stoy. Die Stellenanzeige war also ein Fake.
Woher dieser kam? Unklar. „Die Ausschreibung wurde weder von uns als Bank beauftragt noch autorisiert“, stellte ein Sprecher der Direktbank auf Anfrage von „Finanz-Szene“ klar. Das Inserat sei „umgehend bei Linkedin als missbräuchlich gemeldet“ worden und inzwischen offline. Die Bank prüfe die Hintergründe des Vorgangs und stehe dazu mit LinkedIn im Austausch.
Veröffentlicht wurde das Inserat offenbar über den Linkedin-Account eines ING-Mitarbeiters, der dem Vernehmen nach allerdings nicht für Personalfragen zuständig ist. Ob er die Anzeige selbst eingestellt hat oder sich jemand Zugriff auf sein Profil verschafft hat, blieb zunächst offen.
Blockchain, Klimawandel – und was das mit Parmesan zu tun hat
Blockchain, Klimawandel, Parmesan: Das sind nicht zwingend drei Begriffe, die man in einem Absatz zusammen erwarten würde. Tatsächlich passen sie erstaunlich gut zusammen, ungefähr so gut wie der italienische Hartkäse zu Pasta.
Denn in den Hügeln der Emilia-Romagna lagern Hunderttausende Laibe Parmigiano Reggiano in Tresoren – mit einem Warenwert von deutlich mehr als 300 Millionen Euro. Dahinter steckt ein durchaus handfestes Finanzierungsmodell: Junge Käselaibe dienen Molkereien als Kreditsicherheit. Wo andere Gold bunkern, stapelt man hier Hartkäse.
Weil Parmigiano zwölf, oft 24 oder 36 Monate reifen muss, brauchen kleine Familienbetriebe Liquidität, lange bevor der erste Laib verkauft ist. Also gibt die Bank 60 bis 80 Prozent des Werts vorab frei. Inzwischen ist das Geschäft sogar digitalisiert, Blockchain-veredelt und effizienter denn je: Selbst Käse, der noch beim Produzenten lagert, kann bereits beliehen werden. Das erhöht die Kreditkapazität deutlich – und zeigt, dass Italien nicht nur bei Tradition, sondern auch bei Tokenisierung innovationsfähig ist.
Das Problem: Gegen 40 Grad Außentemperatur hilft auch keine Blockchain. Europas Hitzewellen treiben den Energieverbrauch der „Käsebanken“ nach oben. Kühlung wird teurer, Infrastruktur muss nachgerüstet werden, die Marge schmilzt. Gleichzeitig leiden die Kühe: Sie fressen weniger, ruhen mehr und geben weniger Milch. Auch Wein- und Olivenanbau geraten durch die Klimakrise unter Druck.
Für CFOs und Investoren heißt das: Klimarisiken sind längst keine ESG-Folklore für Nachhaltigkeitsberichte mehr. Was früher oft nach Marketing klang, schlägt inzwischen handfest in Geschäftsmodelle durch. Hohe Temperaturen und Dürren treffen die Wirtschaft direkt.
Das gilt nicht nur für italienische Molkereien: Hitzebedingte Störungen könnten das Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union 2026 spürbar schmälern. Die wirtschaftlichen Einbußen gingen dann in die Milliarden.
Indische Staatsbank im Bafin-Visier
Anscheinend ist kaum noch jemand vor Prüfungen und Rügen der Bafin sicher – auch große staatsgestützte Banken nicht. Ausgerechnet die Frankfurter Niederlassung der State Bank of India (SBI) muss auf Anordnung der Behörde sicherstellen, dass ihre Geschäftsorganisation ordnungsgemäß funktioniert, wie die Bafin mitteilte.
Die SBI ist ein mehr als 200 Jahre altes Geldhaus aus Mumbai. Nach eigenen Angaben ist das Institut die größte Bank Indiens und betreut Hunderte Millionen Kunden über Tausende Niederlassungen. International ist die SBI ebenfalls breit aufgestellt. Größter Aktionär ist der indische Staat, der mehr als die Hälfte der Anteile hält. In Frankfurt ist die Bank seit Jahrzehnten aktiv und bietet dort Einlagenprodukte für Privatkunden, Unternehmen und institutionelle Kunden an.
Der Befund der Bafin stammt nicht aus einer Laune der Regulatorik, sondern aus einer MaRisk-Sonderprüfung im dritten Quartal 2025. Die Prüfer stießen demnach auf Mängel in zwei Kernbereichen: bei der Risikotragfähigkeit und in den Kreditprozessen. Die Frankfurter Niederlassung verstieß laut Aufsicht damit gegen Vorgaben des Kreditwesengesetzes – für Connaisseurs: gegen die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation nach Paragraph 25a KWG. Deshalb hat die Aufsicht die Beseitigung der Mängel angeordnet. Ein existenzgefährdendes Drama ist das für die State Bank of India zwar nicht, gut für den Ruf des Instituts allerdings auch nicht.
Jakob Eich ist Chef vom Dienst des Printmagazins FINANCE und arbeitet parallel für das Schwestermedium DerTreasurer. Beide Publikationen gehören zum Fachverlag F.A.Z Business Media, bei dem der gebürtige Schleswig-Holsteiner auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Erste journalistische Erfahrungen sammelte der Journalist in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost.
