Frasers‘ neue Macht bei Hugo Boss: Aufsichtsratschef Stephan Sturm geht

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Der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Sturm räumt nach Druck des größten Anteilseigners Frasers Group seinen Posten bei Hugo Boss. Foto: Hugo Boss AG
Der Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Sturm räumt nach Druck des größten Anteilseigners Frasers Group seinen Posten bei Hugo Boss. Foto: Hugo Boss AG

Stephan Sturm tritt ab: Der Aufsichtsratsvorsitzende von Hugo Boss werde sein Amt mit Wirkung zum 15. Oktober 2026 niederlegen. Das teilten am heutigen Montag sowohl Hugo Boss als auch die britische Frasers Group als größter Anteilseigner des Modekonzerns mit.

Sturm soll demnach bis zur Wahl eines Nachfolgers weiterhin den Vorsitz im Gremium innehaben, längstens jedoch bis zu seinem formalen Ausscheiden.

Aufsichtsratschef Stephan Sturm geht nach Druck von Frasers

Der Rückzug Sturms ist das Ergebnis von Gesprächen mit der Frasers Group, die zuletzt ihr freiwilliges Übernahmeangebot für Hugo Boss abgeschlossen hat und inzwischen rund 48 Prozent der Anteile an dem Modekonzern hält. Dass ihr das jedoch nicht reicht, ist seit zwei Wochen klar: Am 1. September kündigten die Briten an, ihren Anteil an Hugo Boss auf über 50 Prozent erhöhen zu wollen. Zudem wollten sie die Unterstützung für Aufsichtsratschef Stephan Sturm überprüfen.

Daraufhin stoppte das MDax-Unternehmen sein gerade erst seit einer Woche laufendes Aktienrückkaufprogramm, mit dem das Modehaus bis Ende 2027 Papiere im Gesamtwert von bis zu 200 Millionen Euro zurückkaufen wollte. Beobachter sahen dahinter taktische Gründe, um den Frasers-Anteil darüber nicht weiter zu erhöhen. Bis zum Stopp der Maßnahme hatte Hugo Boss 195.115 eigene Aktien zu einem Gesamtbetrag von rund 7,5 Millionen Euro zurückgekauft. 

Frasers fordert zweiten Aufsichtsratsposten bei Hugo Boss

Nach diesen Vorgängen am Monatsanfang hat Frasers nach eigener Darstellung Gespräche mit Stephan Sturm aufgenommen. Beide Seiten haben sich demnach „einvernehmlich“ auf den Abgang Sturms als Aufsichtsrat von Hugo Boss verständigt. Frasers und Sturm seien gemeinsam der Auffassung, dass dies „ein geeigneter Zeitpunkt für einen geordneten Wechsel im Vorsitz des Aufsichtsrats“ sei, da Hugo Boss „ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte“ aufschlage.

Neben dem bereits im Gremium vertretenen Frasers-CEO Michael Murray strebt der britische Konzern nun auch die Bestellung von Robert Palmer als Aufsichtsratsmitglied an. Der Aufsichtsrat von Hugo Boss will den Nachfolgeprozess unmittelbar einleiten.

Stephan Sturm war erst seit 2025 im Aufsichtsrat von Hugo Boss

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Sturm ist ein bekanntes Gesicht in der Finanzwelt. Von 2005 an war er CFO der Fresenius-Gruppe, bevor er 2016 deren CEO wurde – ein Amt, das er bis 2022 innehatte. Neben seinem Hugo-Boss-Mandat ist Sturm auch im Aufsichtsrat von Knorr-Bremse und CRX Markets tätig.

Seinen Posten bei Hugo Boss hatte er erst im Frühjahr 2025 angetreten: Auf der Hauptversammlung war er mit 87 Prozent in den Aufsichtsrat gewählt und anschließend einstimmig zum Vorsitzenden bestimmt worden. Sein Mandat, ursprünglich angelegt bis 2030, dauerte damit nicht einmal anderthalb Jahre.

Angespanntes Verhältnis zwischen Sturm und Frasers

Das Verhältnis zwischen Sturm und der Frasers Group hat von Beginn an unter Spannung gestanden. Bereits im Dezember 2025 hatte Frasers erstmals erklärt, Sturm nicht länger zu unterstützen. Unter anderem hatte es Streit um die Dividendenpolitik gegeben.

Hugo Boss hatte sich damals noch demonstrativ hinter seinen Aufsichtsratschef gestellt und betont, Sturm habe „die feste Absicht, dieses Amt weiter auszuüben“. Mit dem deutlich erhöhten Anteil der Frasers Group hat sich das Machtgefüge nun jedoch grundlegend verschoben. Die Gruppe war 2020 bei Hugo Boss eingestiegen und hielt vor dem Übernahmegebot in diesem Juni rund 26 Prozent der Anteile an dem Modekonzern. 

Lena Scherer ist Redakteurin bei FINANCE. Sie hat Publizistik, Anglistik und Komparatistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studiert und nebenbei für verschiedene Redaktionen gearbeitet. Bevor sie zu FINANCE kam, war sie mehr als acht Jahre lang beim Branchen-Fachdienst buchreport aktiv, zuletzt als Co-Chefredakteurin. Dort hat sie unter anderem Marktanalysen vorgenommen sowie die Bereiche Fachinformation, Recht/Wirtschaft/Steuern und Digitales betreut.